Im Interview mit AUTOHAUS spricht Jürgen Keller, Chef von Hyundai Deutschland, über die Corona-Hilfen für den Handel, den kürzlich eröffneten Online-Showroom und die Zeit nach der Krise. Von AUTOHAUS-Chefredakteur Ralph M. Meunzel und Online-Redakteur Andreas HeisenAls sich die Corona-Krise in der vergangenen Woche zuspitzte, gab Hyundai Deutschland erste Maßnahmen bekannt, um die Liquidität des Handels zu sichern. Demnach will die Marke unter anderem Zielvorgaben anpassen, Zahlungsverpflichtungen aufschieben und Prämienzahlungen vorziehen (AUTOHAUS berichtete).nWie sich die Lage aktuell darstellt und wie der Importeur seine Partner unterstützen will – das erklärt Jürgen Keller, Chef von Hyundai Deutschland, im Gespräch mit AUTOHAUS.nAUTOHAUS: Wie arbeitet Hyundai Deutschland in Zeiten der Corona-Krise?nJürgen Keller: Im Innendienst in Offenbach haben wir Mittwoch vergangener Woche angefangen, mehr und mehr Home-Office umzusetzen, mittlerweile arbeitet das gesamte Team von zu Hause aus. Seit dieser Woche Montag nimmt unser Außendienst keine Termine bei den Vertragspartnern vor Ort mehr wahr, steht dem Handel aber trotzdem in allen Angelegenheiten weiterhin telefonisch oder online zur Verfügung und geht beratend auf die Partner zu. Das funktioniert alles sehr gut.nWie läuft aktuell der Geschäftsbetrieb im Handel? Wie sieht es in den Werkstätten und im Fahrzeugverkauf aus?nJ. Keller: Je nach Bundesland ist es ja so, dass die Werkstätten nach wie vor geöffnet sind. Teils reduzieren die Partnerbetriebe hier die Zahl der Mitarbeiter. Aber es kommen durchaus noch Kunden in den Service, seien es vorher festgelegte Termine oder Notreparaturen. Der Service läuft, aber auf geringerem Niveau als vorher. Die Teileversorgung funktioniert bisher perfekt, da gibt es keine Probleme. Da der Verkauf flächendeckend eingestellt werden musste, sind auch die Zahlen deutlich gesunken. Aber es gibt noch Zulassungsstellen, die offen sind. Fahrzeuge werden also noch zugelassen und ausgeliefert. Es werden außerdem sehr wohl auch noch Kaufverträge unterschrieben – zwar deutlich weniger, aber wir nehmen täglich Auftragseingänge wahr.nHyundai hatte im Februar seinen Online-Showroom eröffnet. Wird dieser nun häufiger genutzt?nJ. Keller: Das ist jetzt ein absoluter Wettbewerbsvorteil, weil wir hier den Kunden eine Beratung bieten können, auch wenn sie die Verkaufsräume nicht betreten dürfen. Die Resonanz war von Anfang an gut, ist aber in den letzten zehn Tagen noch einmal deutlich gestiegen. Was wir auch merken: Die Beratungsgespräche, die stattfinden, sind noch einmal intensiver geworden. Wir haben das Gefühl, dass die Kunden jetzt statt im Ausstellungsraum im Online-Showroom ihre Fragen an uns adressieren. Die Kunden sind natürlich auch mehr zuhause und haben teils mehr Zeit. Unsere Händler sind froh über den neuen Online-Showroom – einige haben auch schon zu unserem Angebot verlinkt. Das ist ein gutes, partnerschaftliches Vorgehen. Es handelt sich nicht um Direktvertrieb, sondern wir übergeben den Kunden, der interessiert ist, nach der Beratung in jedem Fall an den Handel.nWie geht es den Hyundai-Händlern wirtschaftlich?nJ. Keller: Wie für uns bedeutet die Corona-Krise auch für den Handel eine große Unsicherheit und Belastung. Wenn sehr viel weniger Autos übergeben und sehr viel weniger Neuwagen bezahlt werden, dann fallen Liquiditätsströme weg, die bisher eingeplant waren. Jetzt muss der Handel natürlich sehr genau planen. Wir haben sehr früh darauf reagiert und bereits letzte Woche Maßnahmen bekanntgegeben, um die Liquidität des Handels zu entlasten beziehungsweise nicht weiter zu belasten. Das ist sehr positiv angekommen.nWie sehen die Maßnahmen konkret aus?nJ. Keller: Normalerweise haben wir eine monatliche Auszahlung der Endkundenprämie hinsichtlich Privat- und Gewerbekunden – das machen wir jetzt jede Kalenderwoche, damit diese Prämien schneller fließen. Zum anderen haben wir gewisse Vorgaben, die die Lager- und Vorführwagenhaltung angehen, ausgesetzt – das hat dem Handel schon viel Erleichterung gebracht. Wenn seit Montag letzter Woche ein Auto vom Handel bestellt wurde oder dem Handel fakturiert wurde, haben wir in diesem Fall die Zinsfreiheit von 90 auf 180 Tage verlängert. Die verlängerte Zinsfreiheit gilt auch für Fahrzeuge, die schon beim Händler stehen, bis zum 30. April. Wir haben außerdem gewisse Fälligkeiten von Ablöseverträgen für den Handel verlängert oder ausgesetzt. Das alles haben wir im Hinblick auf die Liquidität unternommen. Im zweiten Schritt haben wir dem Handel auch Signale bezüglich der Ziele, um gewisse Boni zu erlangen, gesendet. Da waren die Partnerbetriebe verständlicherweise sehr nervös. Wir haben unsere Händler letzten Freitag informiert, dass egal, wie viel Endablieferungen sie im März oder April vorweisen können, jeder Partner seinen Bonus zu 100 Prozent erhält. Das ist also unabhängig von der Zahl der erzielten Einheiten. Man muss aber dazu sagen, dass die Differenz, also die fehlenden Einheiten, ins zweite Halbjahr geschoben werden. Und dann werden wir weitersehen, wie sich die Situation entwickelt.nWird der Handel die zwei Monate auf jeden Fall überstehen?nJ. Keller: Wir haben circa 350 Vertragspartner mit über 500 Standorten. Generell zu sagen, dass jeder so aufgestellt ist, um mit abgeschwächter Liquidität überstehen zu können, das wäre falsch. Aber ich glaube, dass wir für die große Mehrzahl der Partner eine gute Planungssicherheit und unterstützende Maßnahmen geschaffen haben. Daneben gibt es ja vom Bund wie den Ländern noch weitere Hilfspakete für Unternehmen. Wir sehen natürlich schon, wie welcher Händler aufgestellt ist – bei wem es unter Umständen schwieriger werden könnte. Mit den Partnern, bei denen es kritisch werden könnte, sind wir im engen Austausch.nWenn es notwendig wäre, würden Sie also weitere Hilfestellung leisten?nJ. Keller: Weitere Hilfestellung schon. Wobei es nicht sinnvoll wäre, direkt Geldmittel zur Verfügung zu stellen. Wir können gewisse Vorgaben diskutieren beziehungsweise in gewissen Dingen Kulanz zeigen. So haben wir beispielsweise im Service-Bereich gewisse Prüfungen ausgesetzt, damit die Partnerbetriebe sich auf die Bewältigung der Krise konzentrieren können. Seien es Standardchecks oder Werkstatttests. Hier gilt es, mit Augenmaß vorzugehen.nWie steht es aktuell um die Jahreszielplanung? Wurde diese korrigiert?nJ. Keller: Nein, erstmal nicht. Ich gehe momentan fest davon aus, dass wir einen Nachholeffekt haben werden. Dass viele im Privatkunden- und Kleingewerbebereich gewisse Kaufentscheidungen aufschieben und diese später im Jahr nachholen werden. Im Großkunden- und Flottenbereich werden aber bestimmte Investitionen vielleicht auch ins nächste Jahr geschoben. Wir werden alles tun, dass wir nach der Krise zusammen mit den Partnern die Kunden möglichst gut bedienen können - mit guter Verfügbarkeit und interessanten Marketingaktivitäten. Die Vergangenheit hat gezeigt: Wenn man nach Krisensituationen schnell und kreativ agiert, dann kann sich das positiv entwickeln.nWie wirkt sich die Corona-Krise auf die Produktion bei Hyundai aus?nJ. Keller: Von den fünf Werken in Südkorea waren im Februar zwei durch unterbrochene Zulieferketten und zum Schutz der Mitarbeiter kurzzeitig außer Betrieb. Aber inzwischen läuft die Produktion in allen fünf Werken wieder komplett. Wobei wir mehr als 75 Prozent unseres Volumens aus den europäischen Werken erhalten, die sich in Tschechien und der Türkei befinden. Das Werk in der Türkei läuft nach wie vor, wobei es natürlich noch zu Unterbrechungen kommen kann. Für Tschechien haben wir am Montag bekanntgegeben, dass die Produktion für zwei Wochen gestoppt ist. Zum einen wegen unterbrochenen Zulieferketten, zum anderen aber auch wegen der Ansteckungsgefahr für die Mitarbeiter. Wir werden aber nicht das Problem haben, dass zu wenige Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Dafür haben wir gesorgt. Die Bestände bei Hyundai Deutschland wie auch unseren Händlern geben keinen Grund zur Sorge.nWird es Ihrerseits bestimmte Aktionen geben, um die Nachfrage zu beleben?nJ. Keller: Wir werden zum richtigen Zeitpunkt entsprechende Aktionen einleiten. Speziell auf die Zeit danach werden wir vorbereitet sein. Aktuell sind die Menschen sehr viel online unterwegs. Deshalb ist die Kommunikation über diesen Kanal sinnvoll. Auch unsere Fernsehwerbung läuft weiter, zum Beispiel ab Ende März mit eine Aktion zum Kona Elektro. Daran halten wir fest.nBleibt es bei den Neueinführungen? – Die Kunden können die Showrooms ja nicht besuchen.nJ. Keller: Wir haben Glück, dass die Neueinführungen sich um die Krise herum verteilen. Wir hatten am 8. Februar den Launch des neuen i10. Ab Sommer wird der i30 im deutschen Markt eingeführt, ab frühen Herbst der i20. Das wird wie geplant durchgeführt. Auch wenn die Werke eine gewisse Zeit stillstehen sollten, ändert das aus heutiger Sicht nichts an den Produktionsanläufen der neuen Modelle.