Der Bundesrat debattiert am Freitag die Novelle der Straßenverkehrsordnung und stimmt dabei - auf Empfehlung des Umweltausschusses des Länderrats - auch über ein generelles Limit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen ab. Als Gründe werden weniger Kraftstoffverbrauch, weniger klimaschädliche Emissionen und mehr Verkehrssicherheit genannt. Was sagen die Zahlen?Mehr als 70 Prozent der Autobahnabschnitte in Deutschland sind derzeit ohne Tempolimit befahrbar. Wie groß wäre der Effekt eines Tempolimits?Emil Nefzger, DER SPIEGEL MobilitätEin Tempolimit würde natürlich etwas bringen, um den CO2-Ausstoß des Pkw-Verkehrs zu senken. Viel wichtiger wäre es aber, wenn man schon an die Emissionen des Pkw-Verkehrs ran will, für weniger Staus zu sorgen oder für weniger Stop-and-go-Verkehr in Städten, weil hier die CO2-Emissionen deutlich höher sind.Der Straßenverkehr ist in Deutschland insgesamt für etwa zwölf Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich. Nach Schätzungen würde dieser Anteil selbst mit einer Begrenzung auf 120 km/h auf Autobahnen nur um maximal 0,5 Prozentpunkte sinken.Viel diskutiert wird außerdem die Frage, wie sehr ein generelles Tempolimit die Zahl der Unfälle reduzieren könnte. Den Höchststand an Verkehrstoten in Deutschland gab es 1970 mit insgesamt 21.332 Verkehrstoten. Es folgten: die Einführung der Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf Landstraßen, die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h auf Autobahnen, die 0,8- und später die 0,5-Promillegrenze, die Helmtragepflicht für Motorradfahrer und die Gurtanlegepflicht. In Kombination mit erhöhter Fahrzeugsicherheit reduzierte dies die Zahl der Verkehrstoten immer weiter - 2019 waren es nur noch gut 3000. Der niedrigste Stand seit Beginn der Statistik.Und das, obwohl viel mehr Autos zugelassen sind. 1953 starben je 100.000 zugelassene Fahrzeuge noch 265 Menschen. 2017 waren es fünf. Trotzdem gibt es in Deutschland statistisch noch immer etwa alle drei Stunden einen VerkehrstotenFür ein Tempolimit auf Autobahnen spricht: Mehr als ein Drittel der Autobahnunfälle sind darauf zurückzuführen, dass mindestens eine beteiligte Person die Höchstgeschwindigkeit überschritten hat oder für die Straßen- oder Witterungsverhältnisse zu schnell fuhr. Und nach Zahlen des Deutschen Verkehrssicherheitsrats sind 2016 auf Autobahnen mit Geschwindigkeitsbegrenzung pro Autobahnkilometer 26 Prozent weniger Menschen tödlich verunglückt als auf Autobahnen ohne Tempolimit.Emil Nefzger, DER SPIEGEL MobilitätÜberhöhte Geschwindigkeit ist die Todesursache bei Unfällen, oder besser gesagt: nicht angepasste Geschwindigkeit. Allerdings muss man sagen, dass Landstraßen deutlich gefährlicher sind als Autobahnen ohne Tempolimit. Die meisten tödlichen Verkehrsunfälle passieren auf Landstraßen.… nämlich 56 Prozent. Innerorts geschehen 31 Prozent aller tödlichen Unfälle. Die restlichen 13 Prozent auf Autobahnen.Emil Nefzger, DER SPIEGEL MobilitätAuf Autobahnen ist in Deutschland der Verkehr relativ gut gesichert, links eine Leitplanke, rechts eine Leitplanke. In vielen Fällen gibts auch noch den Standstreifen, auf den man ausweichen kann, und man hat einfach keinen Gegenverkehr. Sobald auf Landstraßen irgendwas schief geht, kommt rechts meistens keine Leitplanke, sondern ein Baum oder Straßengraben. Im schlimmsten Fall ein Abgrund. Und man hat natürlich auch den Gegenverkehr.Übrigens: Wer in Deutschland mit 16 bis 20 km/h Tempoüberschreitung auf der Landstraße erwischt wird, zahlt 30 Euro. In der Schweiz dagegen werden knapp 230 Euro fällig.Emil Nefzger, DER SPIEGEL MobilitätDas Problem auf deutschen Landstraßen ist ja auch nicht, dass die Leute 100 km/h fahren, sondern dass die Leute 120 km/h und schneller auf Landstraßen fahren oder dass die Leute bei Schnee oder bei Regen 100 km/h fahren, anstatt ihre Geschwindigkeit anzupassen. Hier müsste man einfach mit Strafen und mit mehr Kontrollen ansetzen. Und auch wie in anderen europäischen Ländern müssten diese Strafen viel höher ausfallen. Eine Geldstrafe muss den Leuten auch wehtun, damit es einen Effekt hat.