Für Klassiker von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Schlitten gibt es sie noch: Oldtimer, die in der Anschaffung günstig sind, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss. Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie vor. Diesmal: der Peugeot 504. Allgemeines zum ModellPeugeot ließ sich nicht lumpen, als 1968 der 504 auf den Markt kam. Das neue Mittelklassemodell mit dem Löwen-Emblem am Kühlergrill rollte nicht nur mit einem schicken Design von Hausdesigner Pininfarina vom Band. Auch technisch und bei der Komfortausstattung konnte sich die viertürige Stufenhecklimousine sehen lassen. Gegenüber dem Vorgänger 404 wurde der Rostschutz verbessert, außerdem gab es nun Einzelradaufhängung sowie Scheibenbremsen rundum.Den etwas untermotorisierten 1,6-Liter-Motor des 404 ersetzte ein 1,8er mit 73 PS. 1970 wuchs der Hubraum auf zwei Liter mit durchaus ansehnlichen 93 PS. Darüber hinaus standen "Injection"-Modelle mit Kugelfischer-Einspritzung sowie ab 1971 auch ein Diesel-Motor zur Auswahl. Schon das Basismodell GL verfügte serienmäßig über ein Stahlschiebedach, Liegesitze, Heckscheibenheizung und eine elektrische Wischwasserpumpe. "Das war damals keineswegs Standard", sagt Joachim Kaiser, 504-Referent beim Motor-Klassik-Club PeReCi. Die TI genannten Einspritzer-Versionen hatten sogar elektrische Fensterheber, getönte Scheiben und ab 1976 Servolenkung. Die Folge: Auch in Deutschland kam der neue Mittelklasse-Peugeot gut an. Hier hieß die Konkurrenz Opel Rekord, Ford Taunus und VW Passat, bot aber weniger Komfort.1969 wurde der 504 zum "Auto des Jahres" gewählt, in diesem Jahr erschienen auch das Coupé sowie das Cabriolet - technisch weitgehend baugleich, aber mit einer komplett eigenständigen Karosserie. Top-Motorisierung war bei Coupé und Cabrio ab 1974 der Euro-V6 mit 2,7 Litern Hubraum und 136 PS (Vergaser-Version, mit Einspritzung später 144 PS). Drei geräumige Kombiversionen ergänzten 1971 die Modellpalette: Der Break, der für Handwerker schlicht ausgestattete Commerciale sowie der Siebensitzer Familiale für die Großfamilie.Die Aufpreisliste war wegen der umfangreichen Serienausstattung nicht lang. Beliebt war die weich schaltende Dreigang-Automatik von ZF, die satte 1600 Mark kostete. Auch Ledersitze sowie ein Radio mit Kassette kosteten extra. Eine Klimaanlage war nur auf dem US-Markt erhältlich. Sondermodelle gab es bis auf eine ein Jahr lang angebotene Last Edition (1979/1980) mit Zweiliter-Vergaser mit TI-Ausstattung praktisch nicht. Produktionsende in Frankreich war 1983 nach über drei Millionen ausgelieferten Peugeot 504. Lediglich eine seit 1979 angebotene Nutzfahrzeug-Version mit offener Ladefläche wurde noch einige Jahre weiter gebaut. Der Pickup bot eine Tonne Zuladung. Das war stattlich, ein VW Caddy verkraftete nur 600 Kilo.Warum ausgerechnet der?Ein großer Kühlergrill ist bei modernen Autos en vogue. Der Peugeot 504 machte dies schon vor 50 Jahren zur Mode. Dazu kommen die trapezförmigen Scheinwerfer und das hübsche Heck mit dem extravaganten Knick. "Das ist die Eleganz der 70er Jahre", sagt Autoexperte Joachim Kaiser. Außerdem sei der 504 ein sehr komfortables und haltbares Auto. Kein Peugeot wurde länger und in so vielen Karosserievarianten gebaut. Die weite Verbreitung ist bis heute ein Qualitätsargument: In den 80er und 90er Jahren gingen unzählige Exemplare nach Afrika, wo sie wegen ihrer Robustheit sehr populär waren und teils bis heute unterwegs sind.Hierzulande hatten Coupé und Cabriolet schon frühzeitig Klassikerstatus. Um diese zu erhalten oder wiederaufzubauen, wurden Limousinen häufig geschlachtet, was ihren Bestand arg dezimierte. Diese Zeiten sind vorbei, inzwischen haben auch die Limos Kultstatus. Als mondäne Familienkutschen sind die bis heute alltagstauglich, beim Platzangebot nur getoppt vom 4,80 Meter langen, aber raren Kombi. Aber auch den kann man auf den einschlägigen Gebrauchtwagenportalen noch finden. Bonne chance!VerfügbarkeitÜberlebt haben in Deutschland und Frankreich überdurchschnittlich viele Coupés und Cabriolets, weil diese von Anfang an besser behandelt wurden. Bei den Limousinen überwiegen Exemplare mit Automatikgetriebe. Kombis und Pickups sind selten. BMW Fotostrecke Günstige Oldtimer: Bock auf Blech? Bitte hier lang ErsatzteilversorgungDurchwachsen. Technische Verschleißteile sind recht problemlos erhältlich, nicht unbedingt bei Peugeot, aber bei spezialisierten Händlern. Deutlich schwieriger wird es bei Karosserieersatz sowie Interieur- und Zierteilen. Insbesondere Blechteile für Coupé und Cabrio sind teuer - ein nachgefertigter Kotflügel kostet 800 Euro und damit achtmal mehr als bei einer Limousine.Ersatzteilpreise (beispielhaft)Satz Bremsen (Scheiben und Klötze) vorne: ca. 250 EuroLichtmaschine: ca. 160 EuroWasserpumpe: ca. 65 EuroKotflügel Limousine: 100 EuroSchwachstellenRost ist der ärgste Feind des Peugeot 504. Zu den neuralgischen Stellen gehören Türunterkanten, Endspitzen sowie vorne die Schweller. Die Motoren gelten durchweg als robust, Achillesferse ist die Zylinderkopfdichtung. Diese verabschiedet sich gerne bei Überhitzung, etwa durch zu wenig oder zu altes Kühlwasser oder einen defekten Lüfter. Bei den Einspritzern verschleißen altersbedingt die Membranen der Kugelfischer-Anlage.PreisLos geht's bei etwa 4000 Euro, für diesen Preis bekommt man fahrbereite Limousinen. Richtig gute Exemplare mit Einspritzmotor gehen bis 12.000 Euro. Für ein vernünftiges Coupé muss man 15.000 Euro hinblättern, für ein Cabrio mindestens 20.000 Euro.nIcon: Der Spiegel