Klimaschädliche Dienstwagen Kein einziges Politikerauto hält den CO2-Grenzwert ein Die Dienstwagen deutscher Politiker werden immer klimaschädlicher. Das zeigt eine Studie der Deutschen Umwelthilfe. Der größte Sünder ist Verkehrsminister Andreas Scheuer. Noah Wedel/ imago images In den meisten Bundesländern haben sich die Emissionen der Dienstwagenflotte von Politikern erhöht Bei der Wahl ihrer Dienstwagen nehmen es viele Politiker aus Bund und Ländern nicht so genau mit dem Klimaschutz. Das geht aus einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hervor. Das Ergebnis: Kein einziger der untersuchten Politiker-Dienstwagen hält den derzeit geltenden CO2-Flottengrenzwert von 130 Gramm CO2 pro Kilometer im Realbetrieb ein. In der 13. Auflage der DUH-Dienstwagenumfrage sind die durchschnittlichen Werte vielfach sogar angestiegen. Von März bis November 2019 befragte die DUH deutsche Bundes- und Landespolitiker zu ihren Dienstwagen. Grundlage der DUH-Bewertung ist der Normverbrauchswert auf Basis des Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ). Die Werte der realen CO2-Emissionen basieren auf Angaben des International Council on Transportation ICCT. Insgesamt untersuchte die DUH 237 Fahrzeuge. Davon haben 143 Autos einen reinen Dieselantrieb, 74 einen Plug-In-Hybridantrieb und 17 Pkw sind konventionelle Benziner. Erstmals fahren auch drei Politiker auf Landesebene ein reines Elektrofahrzeug: Die Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) aus Bayern und Franz Untersteller (Grüne) aus Baden-Württemberg sowie Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), ebenfalls Baden-Württemberg. Der durchschnittliche reale CO2-Ausstoß der gesamten Politiker-Flotte lag laut DUH bei etwa 225 g/km und damit rund 70 Prozent höher als der geltende Grenzwert. Negativspitzenreiter unter den Bundesministern ist Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Sein Hybrid-Modell BMW 745Le xDrive hat einen realen CO2-Ausstoß von 258 g/km. Auch die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) gibt kein gutes Bild ab. Bei ihr verschlechterte sich die Umweltbilanz durch einen Modellwechsel auf einen BMW 745e iPerformance von 200 g/km auf 242 g/km. Den niedrigsten CO2-Ausstoß im Bundeskabinett haben die Fahrzeuge von CDU-Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (Diesel, Audi A8 L 50 TDI quattro) und Gerd Müller, CSU-Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Plug-In-Hybrid BMW 740Le iPerformance), mit jeweils 216 g/km. Das Bundesministerium mit dem durchschnittlich höchsten realen CO2-Ausstoß ist laut der DUH das Verteidigungsministerium mit 243 g/km. Dagegen hat das Gesundheitsministerium mit einem durchschnittlichen Wert von 212 g/km die niedrigsten Emissionen, gefolgt vom Finanzministerium mit 215 g/km. Hessen hinten, Bremen vorne Auf Landesebene belegt Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister Berlins, wie bereits im Vorjahr den letzten Platz. Sein Dienstwagen, eine Mercedes-Benz S-Guard-600 Limousine, stößt im Realbetrieb 408 g/km aus. Der Hybrid-Dienstwagen Mercedes-Benz E 300e von Landeschef Andreas Bovenschulte (SPD) aus Bremen weist mit 200 g/km im Gesamtvergleich die niedrigsten Emissionen auf. Im Bundeslandvergleich belegt das schwarz-grün regierte Hessen mit einem durchschnittlichen realen CO2-Ausstoß von 255 g/km (2018: 243 g/km) den letzten Platz. Den geringsten Verbrauch hat der Stadtstaat Bremen mit durchschnittlich 199 g/km (2018 noch 177 g/km). Fast alle Bundesländer haben einen höheren durchschnittlichen realen CO2-Ausstoß als im letzten Jahr. Nur Nordrhein-Westfalen, im vergangenen Jahr Schlusslicht, konnte seinen CO2-Ausstoß von 248 Gramm CO2 im Jahr 2018 auf 241 Gramm verringern. Im Parteienvergleich auf Landesebene weisen die Fahrzeuge der Vertreter von Bündnis90/Die Grünen die niedrigsten Werte auf. Dagegen sind die Emissionen gegenüber dem Vorjahr bei SPD, FDP, CSU und CDU gestiegen. Die Christdemokraten belegen im Parteienvergleich den letzten Rang. Zahl der Plug-In-Hybride gestiegen Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil von Plug-In-Hybriden von 67 auf 74 an. Plug-In-Hybride sollen den Verbrauch deutlich senken, da sie über kurze und mittlere Strecken elektrisch bewegt werden können. Praxistests und Studien zufolge werden diese Fahrzeuge jedoch vorwiegend im Verbrennermodus betrieben und haben daher oft keinen positiven ökologischen Effekt. Die besonders geschützten Fahrzeuge der Bundeskanzlerin, der Verteidigungsministerin, des Finanz-, Innen- und Außenministers wurden von der DUH nicht gewertet. Ab dem kommenden Jahr gilt dann ein neuer, deutlich niedrigerer EU-Flottengrenzwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer. cfr