SUCHE
Beta
News
Magazin
Flottenmanagement
Messe
Flotte! Der Branchnetreff
die nächste
"Flotte! Der Branchentreff" 2020
RSS

Elektroauto Renault K-ZE: So gut und günstig kann stromern sein

2019-12-07

Wenn Jeremie Coiffier über Tesla spricht oder über Audi und Mercedes, hat er für deren elektrische Luxusmodelle nur ein Lächeln übrig. Ein Akku-Auto mit imposanten Fahrleistungen zu entwickeln, ist heute keine Kunst mehr. Erst recht nicht, wenn man dabei nicht aufs Geld achten muss. Der junge Renault-Ingenieur dagegen hatte für die Entwicklung seines K-ZE ungleich schwerer Bedingungen. Coiffier sollte etwas schaffen, was bis dato einzigartig in der Branche war: Ein alltagstaugliches Elektroauto zu bauen, dass nicht mehr kostet als ein konventioneller Kleinwagen. Coiffier zielt mit seinem K-ZE nämlich auf Winzlinge von Zotye, JAC oder BYD, die in China die Basis bilden für den Boom der Elektromobilität. Sie kosten dort nach Abzug der Subventionen oft nicht viel mehr als umgerechnet 10.000 Euro. Angesichts der CO2-Auflagen aus Brüssel und dem absehbaren Ende konventionell angetriebener Kleinwagen könnte Renault genau wie alle anderen großen Hersteller ein kleines Elektroauto allerdings schon bald auch in Europa benötigen. Gilles Normand, im Konzern für die Elektromobilität verantwortlich, hat gegenüber dem britischen Magazin Autoexpress die Ausbreitung des K-ZE gen Westen bereits bestätigt: Schon in wenigen Jahren soll der Wagen vermutlich als Dacia mit Kampfpreisen um etwa 10.000 Euro den Markt für Elektroautos von unten aufrollen. Fotostrecke 10  Bilder Renault K-ZE: "Wir müssen nur ein ESP einbauen und eine andere Steckdose, schon können wir loslegen", bestätigt Projektleiter Coiffier. "Und in der Fabrik haben wir schon jetzt eine Kapazität von 120.000 Autos im Jahr. Die können wir jederzeit erweitern." Coiffier hat den Entwicklungsprozess unkonventionell gestaltet. Das Auto wurde nicht in der Zentrale in Paris konzipiert, wo sich üblicherweise Tausende Ingenieure um ein neues Modell kümmern. Sondern in einem Joint-Venture mit Dongfeng in China, das im neuen Entwicklungszentrum lediglich 300 Mitarbeiter beschäftigt. "Entsprechend kurz sind die Wege, entsprechend schnell fallen die Entscheidungen". So hat Coiffier das Auto in drei statt sonst vier Jahren auf die Räder gestellt und neben einem Viertel der Zeit auch ein Viertel des Budgets gespart. Sparen, sparen, sparen Die Produktion in China mit den dort niedrigen Lohnkosten trug zudem einen wesentlichen Teil dazu bei, dass das Sparziel erreicht werden konnte. Statt bei etablierten Zulieferern aus dem Westen kaufen die Franzosen nur bei lokalen Anbietern. "Die sind nicht nur deutlich billiger, sondern gerade in Sachen Elektromobilität einfach weiter," sagt Coiffier. Das Auto selbst zeugt ebenfalls vom konsequenten Sparwillen: Die Schalter für die elektrischen Fensterheber sind in der Mittelkonsole installiert. Damit spart man jeweils einen halben Meter Kabel, außerdem ist die Türverkleidung weniger aufwändig zu produzieren ist - sie braucht keine Aussparungen für die Schalter. Zudem spart man so ein paar Minuten in der Montage und obendrein noch ein paar Gramm Gewicht. Ähnlich war es bei den Sitzen mit den integrierten Kopfstützen: Für die hat sich Coiffier nicht etwa entschieden, weil sie sportlicher aussehen, sondern allein, weil sie aus einem statt aus zwei Teilen bestehen und so wieder ein paar Cent einsparen. Das Ergebnis ist ein Auto, das zwar billig ist, aber nicht so aussieht und sich auch nicht so anfühlt. Klar, sind die Türverkleidungen und das Cockpit aus Plastik und die Sitze nur mit Stoff bezogen. Doch wenn man die Türen zuwirft, hat man nicht den Eindruck, dass gleich das ganze Auto auseinanderfällt. Allerdings ist der K-ZE schon in der Basisversion besser bestückt als manche gehobene Modellvariante aus europäischer Fertigung: Eine Klimaanlage ist genau wie die elektrischen Fensterheber Standard. Ebenfalls Standard ist ein großer Touchscreen mit Online-Navigation, WiFi-Hotspot und Smartphone-Integration. Die Materialien sehen ordentlich aus, die Verarbeitung wirkt wertig und die Zeiten, in denen einem in Autos aus China nach einer halben Stunde wegen der Ausdünstungen schwummrig wurde, sind offenbar vorbei: Der K-ZE produziert weder draußen noch drinnen irgendwelche Abgase. Leichtgewicht mit 921 Kilogramm Dazu gibt es, dem großen Radstand von 2,43 Metern sei Dank, trotz der bescheidenen 3,74 Meter Länge überraschend viel Platz in beiden Reihen, sodass auch hinten zur Not mal ein Erwachsener sitzen kann. Und der Kofferraum fasst mit 300 Litern mehr als beim ähnlich geschnittenen Twingo, weil hier kein Motor mehr im Heck steckt. Bei einer Jungfernfahrt auf der Teststrecke in der Elf-Millionen-Stadt Wuhan hat der Stromer dann noch eine Überraschung parat. Er fährt vergleichsweise gut, er ist mit 921 Kilo zwei, drei Zentner leichter als die Konkurrenten und trotz der 26,8 kWh großen und sicher 150 Kilo schweren Akkus selbst vielen konventionellen Kleinwagen voraus. Und er hat eine fast ausgeglichene Gewichtsverteilung, so dass man keine Angst vor Kurven haben muss. Ein elektrischer VW Up oder der Smart eq fahren jedenfalls kaum besser. Wunder darf man vom K-ZE allerdings trotzdem keine erwarten - schließlich surrt er mit einem Motor von 33 kW. Wenn man den Drehschalter auf dem Mitteltunnel auf D stellt und kräftig aufs Pedal tritt, beschleunigt er zwar in sieben Sekunden auf Tempo 60, oberhalb davon wird es zäh und bei 105 km/h ist Schluss. Was dem K-ZE ebenfalls fehlt, ist eine vernünftige Rekuperation. Der Kleinwagen rollt einfach aus, wenn man den Fuß vom Fahrpedal nimmt und bremst über konventionelle Bremsen. Die Reichweite für den NEDC-Zyklus beziffert Coiffier mit 271 Kilometern. Wenn man nicht schneller als 60 fährt, sollten sogar 350 Kilometer drin sein. Auch deutsche Hersteller tüfteln an Billig-Autos Mit der Idee für ein batteriebetriebenes Billigauto aus China für den Export in alle Welt ist Renault freilich nicht alleine, auch andere westliche Konzerne haben diesen Weg eingeschlagen, nur dass sie dabei noch lange nicht so weit gekommen sind. BMW zum Beispiel hat sich mit Great Wall Motors zusammengetan, um einen elektrischen Mini auf den Markt zu bringen. Daimler hat die Hälfte von Smart auch deshalb an Geely verkauft, weil die Chinesen besser wissen, wie man ein kleines Auto zu kleinen Preisen baut. Sorgen, dass diese Rechnung nicht aufgehen könnte, müssen sich die Hersteller nicht machen. Zumindest nicht, wenn sie, so wie es Coiffier für den K-ZE verspricht, tatsächlich fernöstliche Preise und westliche Standards unter einen Hut bringen. Wer daran zweifelt, der sollte nur mal darauf schauen, wo die allermeisten Smartphones herkommen, die wir in unserer Tasche haben.

Quelle: https://www.spiegel.de/auto/aktuell/renault-k-ze-kommt-der-elektro-dacia-auch-nach-deutschland-a-1294724.html#ref=rss

TOP RSS Meldungen
GDPR Flotte.de

Flotte Medien möchte Ihnen den bestmöglichen Service bieten. Dazu speichern wir Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies, um die Seite für Sie zu verbessern und nutzerrelevant zu gestalten. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Webseite erhalten Sie hier.

Einverstanden