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Debatte über Spritpreiserhöhung: Autoland ist wutentbrannt

2019-12-06

Mal Hand aufs Herz: Als Sie Ihr letztes Auto gekauft oder den neuen Dienstwagen ausgesucht haben - wie sind Sie da vorgegangen? Welche Motorisierung haben sie ausgewählt: Die Sparsame oder die mit der meisten Leistung fürs Geld? Haben Sie sich für ein möglichst kleines und leichtes Fahrzeug entschieden, oder doch für ein SUV, weil der einfach mehr hermacht? Und spartanische Buchhalterausstattung oder mit Komfort-Extras ausstaffiert? Und, letzte Frage: Schmale Leichtlaufreifen oder die schicken Alufelgen mit breiten Schlappen, damit der Wagen mit seinen schmalen Pneus nicht dasteht wie der Storch im Salat? Ich frage deshalb, weil gerade mal wieder ein Schmerzensschrei durch Deutschland gellt. Es gibt Überlegungen des Umweltbundesamtes, die Steuervorteile für Diesel zu streichen und Benzin grundsätzlich teurer zu machen. Grund für diese Überlegungen ist die unverrückbare Tatsache, dass der Verkehrssektor ein massives Problem darstellt bei allen Bemühungen, die Klimakrise doch noch irgendwie abzuwenden. Während in vielen anderen Bereichen der CO2-Ausstoß sinkt, steigt er im Verkehrssektor beharrlich an. Trotzdem führen alle Denkspiele für Gegenmaßnahmen verlässlich zum Sturm der Entrüstung. ADAC-Chef Gerhard Hillebrand, sozusagen Vereinsvorstand der deutschen Autofahrerseelen, beschwört in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung soziale Unruhen herauf, ignoriert dabei aber das eigentliche Problem: "Auch der ADAC will Fortschritte beim Klimaschutz. Aber Mobilität muss bezahlbar bleiben…", sagt er. Es ist eine Basisregel der Konfliktkommunikation, dass alles, was vor einem "Aber" gesagt wird, nicht ernstgemeint ist. Der ADAC steht also, könnte man sagen, mit seiner Position, die den Ernst der Lage verkennt, in bedenklicher Nähe zu Klimaleugnern. Hauptsache sportlich Ja, es ist richtig: Es gibt viele Regionen in Deutschland, in denen das Auto als Verkehrsmittel bislang schwer ersetzbar ist. Viele der neuen Mobilitäts-Angebote, die gerade in aller Munde sind, existieren nur in urbanen Gebieten und Ballungsräumen. Vielerorts ist noch nicht mal ein nennenswerter ÖPNV vorhanden. Trotzdem ist die Annahme, dass ein hoher Spritpreis ungerecht wäre, oder, wie Hillebrand fabuliert, "jenseits von Gut und Böse", falsch. Denn in Wahrheit ist den Menschen der Spritpreis egal. Oder wie haben Sie, der oder die sich gerade über einen möglichen Aufschlag von 70 Cent aufregt, die Fragen am Anfang des Textes beantwortet? Fakt ist: Wäre der Spritpreis eine kritische Größe und von derart existenzbedrohender Bedeutung wie es Hillebrand und Gesinnungsgenossen beschwören, würden die Deutschen andere Autos kaufen. Es würde nicht Quartal für Quartal steigende Absatzzahlen für SUV geben. Der Lupo 3L, das erste, echte drei-Liter-Auto von Volkswagen, wäre nicht als kompletter Flop in die Automobilhistorie eingegangen. Das Angebot der Hersteller wäre ein vollkommen anderes. Man kann angesichts der inzwischen breit diskutierten und wissenschaftlich validierten Bedrohungen durch die Klimakrise die Hybris kaum fassen, wenn man sich mit der Modellpolitik auch und vor allem der deutschen Hersteller beschäftigt. Am unteren Ende des Portfolios wird auch das letzte Massenmodell noch zum Haustuner geschickt, auf dass es dort sportlich verbrämt werde. Am oberen Ende der Produktskala wird mit Mega-SUV wie X7, Audi-Q8 oder Mercedes GLS eskaliert. Doch die Hersteller sind nur ein Teil des Problems. Denn diese Autos sind eben keine Ladenhüter wie die Spritsparmodelle, die sie - verschämt zwar, aber meist trotzdem - im Angebot haben. Die, verzeihen Sie mir bitte an dieser Stelle den Kampfbegriff, Spritschlucker werden den Herstellern aus den Händen gerissen. Und das ist unsere Verantwortung. Wir versagen, Tag für Tag Angesichts dessen, wie schlampig wir mit dieser Verantwortung umgehen, ist der Widerstand gegen jede Form von Regulierung unverständlich. Die Lenkungswirkung der Kunden, das kann man nach den vergangenen Jahren getrost bilanzieren, ist allerhöchstens Null, in Wahrheit wohl eher negativ. Wer vor diesem Hintergrund von einer Einschränkung der Freiheit und einem Faible für eine Verbotskultur schwadroniert, ist schlicht naiv. Ohne die mühsam verhandelten strengeren CO2-Grenzwerte der EU, ohne das straffere Verbrauchsmessverfahren WLTP, ohne verpflichtende Emissionsmessungen auf der Straße statt im Labor würde es überhaupt keine Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit geben. Die Hauptmotivation der Hersteller zur Schubumkehr in Richtung nachhaltiger Mobilität - und das geben sie auch relativ offen zu - ist die Aussicht, mit Elektroautos die CO2-Vorgaben einhalten und Strafzahlungen vermeiden zu können. Ohne diese Regulierung würden wir wohl weiter mit Vollgas in Richtung Abgrund fahren. Wenn der Staat sich endlich zur Streichung von Steuervorteilen für bestimmte fossile Brennstoffe durchringen würde, sodass über den Spritpreis eine Lenkungswirkung entstehen würde, wäre das im Übrigen noch lange kein Verbot. Und es wäre auch kein "Kreuzzug gegen das Auto", wie Hillebrand kreischt. Es wäre so etwas wie eine Gehhilfe auf dem Weg zu ökologisch vernünftigen Autos und wir, die Kunden, hätten trotzdem immer noch die volle Freiheit. Also, zurück zum Anfang dieses Artikels. Wenn Sie demnächst ein Auto kaufen oder einen Dienstwagen auswählen, wie werden Sie sich entscheiden?

Quelle: https://www.spiegel.de/auto/aktuell/klimakrise-debatte-ueber-spriterhoehung-autoland-ist-wutentbrannt-a-1300105.html#ref=rss

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