Schon bald kann die EU ablesen, wie viel Sprit jeder Einzelne verbraucht. Das Ganze dient einer guten Idee. Es könnte für manchen aber auch teure Konsequenzen haben, warnen Kritiker. Wer weiß schon, wie viel Sprit er in diesem Jahr bereits verbraucht hat? Vermutlich nur wenige. Die EU-Kommission hingegen weiß es künftig ganz genau. Denn dann werden unsere Autos nicht nur ihren Verbrauch an Kraftstoff oder Energie im gesamten Fahrbetrieb genau messen. Sondern diese Daten werden obendrein an die Kommission übermittelt. Dazu wird künftig in jedem Neuwagen ein standardisiertes Messgerät (On-Board Fuel Consumption Meter, kurz: OBFCM) eingebaut. Start im Januar 2020 Schon im Januar 2020 geht es los – zunächst für Autos mit ganz frischer Typgenehmigung, also für neue Modelle. Die ersten Daten erhält die EU-Kommission im Jahr 2021. Ein Jahr darauf wird die Regelung auf alle Neuwagen ausgeweitet – zunächst in einer Erprobungsphase, die im Jahr 2026 endet. Foto-Serie mit 11 Bildern Ein jährlicher Bericht soll währenddessen zeigen, wie hoch der Mehrverbrauch auf der Straße gegenüber der Herstellerangabe liegt. Einer Untersuchung zufolge führt er für einen durchschnittlichen Autofahrer zu Mehrausgaben von rund 400 Euro pro Jahr. Und um diesen Mehrverbrauch geht es bei dem EU-Vorhaben. Die Kommission will ehrliche Verbrauchsangaben – die Hersteller wollen sie nicht. Kommission will ehrliche Angaben erzwingen Um realistischere Verbrauchsangaben zu erzwingen, wurde bereits das entsprechende Messverfahren umgestellt: Seit 2018 muss nach dem WLTP-Verfahren statt des völlig veralteten NEFZ-Tests gemessen werden. Das hat aber nicht viel gebracht: Der Realverbrauch liegt im Schnitt 39 Prozent über der Angabe des Herstellers. Vorher waren es 42 Prozent. Dafür stehen die KürzelNEFZ: Neuer Europäischer FahrzyklusWLTP: Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure (Weltweit einheitliches Leichtfahrzeug-Testverfahren) Deshalb soll ein Gesetz die Autohersteller zu ehrlicheren Angaben zwingen und zu hohe Unterschiede bestrafen. Dafür lässt sich die EU-Kommission aber noch reichlich Zeit – im Extremfall bis zum Jahr 2030. Ist WLTP wirklich besser?Das Testverfahren zur Messung des Verbrauchs unserer Autos gilt seit dem 1. September. Es ersetzt das 26 Jahre alte Verfahren NEFZ. Der neue WLTP-Test nutzt den Autofahrern, sagen seine Verfechter: Er soll die Autohersteller endlich zu praxisnäheren Verbrauchsangaben zwingen.Realistisch sind die Angaben trotzdem nicht, entgegnen Kritiker. So werde die Reichweite der Neuwagen bei exakt 23 Grad gemessen – obwohl wir meist ganz andere Temperaturen haben. Außerdem bleiben Heizung und Klimaanlage bei der Messung ausgeschaltet, was den Spritverbrauch senkt. Das haben die Autohersteller durchgesetzt – sie wirkten an der Gestaltung des neuen  Testverfahrens aktiv mit. Einiges an dem Vorhaben der EU-Kommission ist noch unklar – zum Beispiel, wie die Daten von dort zur Kommission gelangen. Denkbar wäre, dass sie automatisch direkt aus dem Auto versendet werden. Kritik gibt es dennoch reichlich. So könnte es aufgrund der Messergebnisse nicht nur den Herstellern der Autos an den Kragen gehen – sondern auch deren Fahrern. Denkbar wäre etwa eine personalisierte CO2-Steuer, heißt es in einem Bericht von "Spiegel Online". Wer viel verbraucht, müsste dann auch viel bezahlen. Derzeit gibt es allerdings keinen Grund zu dieser Annahme. Denn die Daten sollen anonymisiert werden.  Großer Deutschland-Check: Wo Sie am billigsten tankenNeu an der Tankstelle: Diese Sprit-Symbole müssen Sie jetzt kennenTanken: Wofür steht der Pfeil neben der Tankuhr? Und wer eine weitere Überwachung befürchtet, sollte wissen: In vielen Autos sammelt die Technik bereits heute fleißig Daten. Die Hersteller haben sie bislang lediglich nicht mit der EU-Kommission geteilt.