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Canyon Grail AL: Rennrad fürs Grobe

2019-08-13

Canyon Grail AL Rennrad fürs Grobe Gravelbikes sind Zwitter aus Rennrädern und Mountainbikes - das macht sie für viele Pendler attraktiv. Beim Grail AF setzt Hersteller Canyon auf Alu statt Carbon. Eine gute Entscheidung. Der erste Eindruck: Leicht, wendig, schnell. Ein Rennrad eben - aber eines, das statt auf Slicks auf breiteren Reifen mit kleinen Stollen daherrollt. Das sagt der Hersteller: Schnell unterwegs sein - das geht mit einem Gravelrad sowieso, sagt Thorsten Lewandowski vom Koblenzer Fahrradhersteller Canyon Bicycles. Doch wer von der Straße abbiegen will, auf einen Feld- oder Waldweg, auf Kies oder Schotter, der könne das einfach tun. Ein Platten wie beim Rennrad ist nicht gleich zu befürchten. Am Grail sind 40 Millimetern breite Reifen aufgezogen. Das ist selbst bei einem Gravelrad recht viel. Die Pneus verbessern Traktion und Komfort, versichert Lewandowski. Statt knallharter sechs oder noch mehr bar wie bei Rennrädern, genügten bei einem durchschnittlich schweren Fahrer 2,5 bar. Nachdem der Hersteller mit einem teureren Carbonrad in das Segment eingestiegen ist, gibt es für das Modelljahr 2019 ein Grail mit Alurahmen, das Grail AL. Der Einstiegspreis sinkt damit von wenigstens 2199 Euro auf 1199 Euro, auch weil günstigere Schaltkomponenten erhältlich sind. Hydraulische Scheibenbremsen, hochwertige DT Swiss-Laufräder sowie Gabel und Sattelstütze aus Carbon sind dann aber schon an Bord. Was das Grail AL von anderen Gravel- oder Allroad-Rädern abhebt, ist nicht unbedingt der recht niedrige Preis. Andere Hersteller wie Specialized mit dem Sequoia (ab 1299 Euro; 12,5 kg) oder Bulls mit dem Grinder 2 (ab 1499 Euro; 12,2 Kilo) bieten ebenfalls Gravelbikes in der Preisklasse. Das Grail AL ist mit weniger als zehn Kilo aber sehr leicht und damit nur ein Kilo schwerer als die Carbon-Version. Möglich macht es vor allem der 1,9-Kilo-Alurahmen. Besonders ist auch die große Auswahl an Rahmengrößen, darunter sind Damenmodelle mit kleineren Laufrädern. Vom großen bis zum kleineren Menschen sollen alle in der Palette fündig werden - Canyon hält das Gravel-Konzept für massenkompatibel. Das muss man wissen: Die bissfesten Scheibenbremsen gehören zur DNA der Gravelbikes. Der Hype um die Offroadrennräder wäre ohne die Discs womöglich so nicht eingetreten: Denn seit die Bremsmechanik von der Felge an die Achse gewandert ist, werden Gabeln weiter gebaut und nehmen breitere Reifen auf. Canyon Grail AL 7.0 Preis: 1499 EuroGewicht: 9,4 KilogrammRahmenmaterial: Aluminium (Gabel und Sattelstütze: Carbon)Schaltgruppe: Shimano 105 RX7000 GS, 2x11-Gang, Kassette: 11–34 Bremse: Shimano 105 Scheibenbremsen, Discs: 160 mmLaufräder: DT Swiss E1850, 27,5 ZollReifen: Schwalbe G-One Bite, 40 mm Um die Traktion zu erhöhen, hat Canyon mit dem Reifenhersteller Schwalbe einen Gravelreifen entwickelt, der auf glattem Untergrund weniger Rollwiderstand leistet, auf Abwegen aber Rutschpartien unterbinden soll. Der mit 60 Euro recht teure G-One Bite macht Kurvenfahrten auch abseits befestigter Wege tatsächlich stabiler, dank verstärkter Außenblocks im Profil. Gravelbikes stammen von Cyclo-Cross-Rädern ab, die konsequent als Sportgeräte für Querfeldeinrennen konzipiert sind. Sie lassen den Fahrer gestreckter sitzen, die Reifen dürfen laut Weltradsportverband UCI nicht breiter als 33 Millimeter sein. Weil das Reglement oft kurze Rennen vorsieht, sind die Gänge eng abgestuft. Die Schaltungen mit einem Ritzel bieten weniger Bandbreite, hohe Geschwindigkeiten werden ohnehin nicht erreicht. Das Tretlager sitzt höher, damit das Kurbeln in Kurven möglich ist. Andere Schwerpunkte setzen Gravelbikes wie das Grail AL: Als Alltagsrad verfügt es über einen längeren Radstand für besseren Geradeauslauf. Die Bandbreite der 2x11 105er-Rennradsschaltung am Grail AL nimmt Anstiegen den Schrecken und ermöglicht Tempo dank hoher Maximalübersetzung. Etwas kleinere Gangsprünge für längeres Bergauffahren mit wechselnden Steigungen hätten wir uns aber dennoch gewünscht. Das ist uns aufgefallen: Das Grail AF rollt über sämtliche Wege gut, für die es laut Hersteller geeignet ist. Beim Pendeln in die Stadt auf glattem Grund entwickelt das Laufflächenprofil zwar leise Geräusche. Doch die feinen Unterschiede beim Rollwiderstand wird nur spüren, wer Rennradslicks im Alltag kennt. Radelt man mit dem Grail AL durch den Wald, sind die Schläge von Wurzeln oder Schottersteinen zwar erträglich - Asphaltabschnitte lassen dennoch aufatmen. 2,2 bar Luftdruck in den Reifen erweisen sich als komfortabel, mit 2,5 bar nimmt der Federungseffekt spürbar ab. Klar, Rennrad und Mountainbike performen auf ihren Terrains besser. Doch das Gefühl einer Kompromisslösung kommt im Sattel des Grail nicht auf. Wer nur offroad die Berge hoch will, für den ist ein Gravelbike wie das Grail nichts. Sportlichen Fahrern, die es in ihren Alltag integrieren wollen, zeigt es neue Perspektiven. Genügt die Aluvariante? Es kommt auf den Anspruch an. Mit dem Carbonrad holt man bei sportlicher Fahrweise beim Pendeln vielleicht ein paar Minuten raus. Das Grail CF fühlt sich auch im Gelände einen Hauch luftiger an. Das Alurad vermittelt aber eine verblüffende Leichtigkeit, gemessen an der Preisklasse, in der es spielt. Das günstigere Rad ist auch die bessere Lösung für Ausflüge, Wochenendtrips, Radreisen. "Wenn es ein Reiserad werden soll, würde ich zu Aluminium raten", sagt Lewandowski. Carbon neigt bei heftigen Stürzen zu Haarrissen, die schwer zu reparieren sind. Das Alurad bietet zudem mehr Ösen und Aufnahmen, falls Taschen, Flaschen oder Schutzbleche befestigt werden sollen. Das werden wir nicht vergessen: Wie die Gattung Gravel wirklich neue Wege eröffnet. Und dass - wie im Falle des Grail AL - das bessere Reiserad sogar billiger sein kann.

Quelle: https://www.spiegel.de/auto/aktuell/canyon-grail-al-das-rennrad-fuers-grobe-a-1270534.html#ref=rss

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