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E-Karts im Test: "Ist ja wie bei Mario Kart"

2019-03-16

In der "Mega Kart"-Halle in Norderstedt bei Hamburg bietet sich ein klassisches Szenario: Haarsträubende Schikanen, quietschende Reifen, röhrender Motorsound. Alles wie damals, als man das hart ersparte Taschengeld für zwölf Minuten auf der Rennstrecke ausgab. Für den Bleifuß, die Überholmanöver, das Adrenalin. Wirklich alles? Nicht ganz. Wer ein feines Näschen hat, merkt schnell: Hier gibt es keine Abgase. Etwa zwanzig Jahre lang war das anders bei "Mega Kart". Der Benzingeruch gehörte dazu wie Zielflagge und Schutzhelm. Im Juli 2018 kam die Zäsur, die Strecke wurde restauriert und dabei gleich die gesamte Flotte ausgetauscht. Jetzt besteht sie aus 24 E-Karts. Zwölf von ihnen können gleichzeitig auf die Piste, die anderen werden währenddessen geladen. "Sinus Ion" heißen die Renner der Marke Rimo, Deutschlands größtem Karthersteller. Rimo ist nach eigenen Angaben die einzige Firma in Deutschland, die Elektrokarts mit TÜV, Soundmodul und WLAN-Zugang baut. Angetrieben werden die etwa 240 Kilogramm schweren Boliden von zwei 2,8 kW Motoren an den Hinterrädern, die bis zu 31 PS Spitzenleistung auf den Asphalt bringen. Das garantiert eine Höchstgeschwindigkeit von rund 65 Kilometer pro Stunde und - im Vergleich zu den Benzinern - um bis zu drei Sekunden schnellere Rundenzeiten. Die Energie in den Lithium-Ionen-Batterien reicht für zirka eine Stunde. Unser Test beginnt rasant: Das volle Drehmoment ist sofort da, der Renner kommt auf Hochtouren und liegt perfekt auf der Strecke. Die starken Vibrationen von Verbrennerkarts, die meist einen hohen Kraftaufwand erforderten, sind passé. Daraus folgt: ein sehr geschmeidiges Lenkverhalten. Falls man sich doch einen Dreher erlaubt, schafft der "Reverse"-Button Abhilfe, der Rückwärtsgang. Kein Warten mehr auf einen Mitarbeiter, der einen wieder in Position bringt. Knopf drücken, kurz gegenlenken, Gaspedal durchdrücken - sofort mischt man wieder im Renngeschehen mit. Bei den alten Verbrennern mit Fliehkraftkupplung undenkbar. Ein Knopf für den Extra-Kick Und dann gibt es da noch den "Boost"-Button, der ein Mal pro Runde betätigt werden kann. Das Gimmick macht Spaß: Drückt man den Knopf am Kurvenausgang, bekommt der Flitzer einen Extra-Kick; und setzt man den Boost beim Überholmanöver ein, bleibt für die Gegner nur noch die Heckansicht. Auch Steffen Mechow, Leiter der Rennbahn bei "Mega Kart", ist begeistert. "Erst war ich skeptisch, dann wurde ich neugierig", berichtet er. "Aber das Fahrverhalten und die Beschleunigung haben mich sofort überzeugt. Heute würde ich immer das E-Kart wählen." Mechow arbeitet seit 20 Jahren auf Kartbahnen. Die Resonanz der Gäste sei ebenfalls positiv. "Für viele ist das etwas Neues", sagt Mechow, "aber dann steigen sie mit einem Lächeln wieder aus. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. E-Karts sind die Zukunft." Mehr Frauen auf der Kartbahn dank E-Antrieb Michael Petter und Jonas Just sitzen heute zum ersten Mal im E-Kart. Seit mehr als zehn Jahren teilen Vater und Sohn das Hobby auf der Rennstrecke. Ihr Fazit nach dem Rennen: "Das volle Drehmoment vom Start weg ist unschlagbar", sagt Petter, "wir kommen definitiv wieder." Auch Linda Khonsari, die mit ihrem Sohn Nima und dessen Freund Joshua ins Rennen geht, ist begeistert. "Ich finde es toll, dass man sich und seine Kinder nicht mehr den ungesunden Abgasen aussetzen muss", sagt sie. "Da setze selbst ich mich heute mal hinter das Lenkrad." Für die Betreiber von "Mega Kart" sind derartige Reaktionen alltäglich. Viele Gäste würden sich über die Erfahrung freuen. "Vor allem von Frauen bekommen wir das Feedback, dass sie sich in den Karts sicherer fühlen", berichtet Mechow. Das hänge vor allem mit dem leichteren Handling zusammen. "Ist ja wie bei Mario Kart", hört Mechow oft, wenn er bei der Einweisung den Boost-Button erklärt - wie in einem Videospiel eben. Krach machen sie auch Geblieben ist bei den E-Karts der Motorsound. Er wird künstlich erzeugt und imitiert einen V8-Motor. "Ein psychologisches Ding", sagt Mechow. Zwar könne man den Sound auch abschalten, aber viele wünschten das akustische Feedback vom Fahrzeug. "Künstlichen Sound gibt's bei uns nicht", sagt Norbert Raible, Betreiber des "Kartpalast" in Bergkirchen bei München, der ersten E-Kartbahn in Deutschland. Hier säuseln schon seit 2011 ausschließlich elektrische Renner über die Pisten. Auch Raible setzt Rimo-Karts vom Typ "Sinus Ion" ein. Mehr Fahrgäste (auch hier: mehr Frauen), schnellere Rundenzeiten, besseres Fahrgefühl - die Umstellung auf E-Antrieb hat sich als voller Erfolg erwiesen. "Die Verbrenner-Karts waren einfach nicht mehr zeitgemäß", begründet Raible die Entscheidung, "die Akzeptanz der Leute hatte messbar nachgelassen." Mehr als 200 Einstellungen sind möglich Für viele sei ein E-Rennen im Kartpalast die erste Begegnung mit der Elektromobilität, sagt Raible. "Wir haben keine Emissionen, keinen Sound und keinen Abgasgeruch. Die E-Karts bieten die größtmögliche Sicherheit. Die Kunden mögen das." Und es habe sich ausgezahlt. Seit der Umstellung auf E-Antrieb und dem Ausbau auf drei Bahnen steigerte das Unternehmen den Umsatz nach eigenen Angaben um "weit mehr als hundert Prozent". Außerdem bieten E-Karts mehr Möglichkeiten, denn sie können per WLAN-Verbindung angesteuert werden. Mehr als 200 Einstellungen sind möglich: Lenkung und Geschwindigkeit können an das Geschick der Fahrer angepasst werden, zudem gibt es Fun-Faktor-Funktionen, etwa quietschende Reifen beim Bremsen. Neunzig normale E-Karts und zwölf für Kinder, die in der Lenkung noch geschmeidiger sind, sind im Kartpalast im Einsatz. Mit Verbrennern würde Raible heute nicht mehr arbeiten. "Der E-Antrieb bringt einfach zu viele Vorteile mit sich. Verbrenner-Karts wird es in Zukunft nicht mehr geben", prognostiziert Raible. Erst im vergangenen Jahr hat er mit anderen Kartbahnbetreibern die "IG deutscher E-Kartbahnen" gegründet, eine Interessengemeinschaft, die in Zukunft auch Meisterschaften veranstalten will. Sechs von bislang insgesamt zwanzig E-Kartbahnen sind schon mit dabei, sechs weitere wollen sich in diesem Jahr anschließen.

Quelle: http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/e-karts-immer-mehr-e-kartbahnen-in-deutschland-a-1250776.html#ref=rss

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