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Seit dem 1. Mai 2021 sind nicht mehr einzig Reifenlieferanten und -händler, sondern auch Fahrzeuglieferanten und Autohändler verpflichtet, Kunden nach Artikel 7 der EU-Verordnung 2020/740 über die Kennzeichnung von Reifen bezüglich Kraftstoffeffizienz, Nasshaftung und externer Rollgeräusche von Reifen aufzuklären. Zudem können die bei der Auslieferung auf einem Neufahrzeug montierten Reifen Angaben über die Schneeund Eisgriffigkeit enthalten. Mit dem neuen Reifenlabel will die EU dem Autofahrer eine seriöse Orientierungsmöglichkeit bieten, die er durchaus nutzen sollte bei seiner Entscheidung zum Kauf eines Reifens mit guten Haftungsund Verbrauchseigenschaften. So soll schließlich für mehr Sicherheit bei winterlichen Straßenverhältnissen gesorgt werden. Laut der Empfehlung des ADAC sollten besonders dann, wenn es um die sicherheitsrelevanten Nassbremseigenschaften geht, Reifen der Klassen C oder besser ausgewählt werden. Der Rollwiderstand respektive die Energieeffizienz der Reifen wird jetzt in die Klassen A bis E eingeteilt, vormals A bis G. Der Unterschied zwischen dem besten A-Reifen und dem E-Reifen beträgt wie beim älteren Label circa 0,5 Liter auf 100 Kilometer Kraftstoffersparnis. Das Außenfahrgeräusch, beim alten Label durch Schallwellen eingeordnet, wird auf dem neuen EU-Label mit Buchstaben von A bis B klassifiziert. Mit A gekennzeichnete Reifen unterschreiten den Grenzwert um 3 dB(A) oder mehr, B gibt an, dass das externe Rollgeräusch des Reifens den ab 2016 geltenden EU-Grenzwerten entspricht oder um bis zu 3 dB darunter liegt.

Hohe Ansprüche an Winterreifen
Einen aktuellen Winterreifen erkennt selbst der Laie an dem Kürzel M+S, welches für Matsch und Schnee steht, sowie am Alpine-Symbol, einem Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Bis zum 30. September 2024 gelten mit M+S gekennzeichnete Reifen auch dann als wintertauglich, wenn diese bis zum Jahresende 2017 produziert worden sind. Ein guter Winterreifen qualifiziert sich erst durch Tests hinsichtlich seines Fahrverhaltens unterhalb des kritischen Grenzwertes wie etwa Geradeauslauf, Lenkansprechverhalten und Seitenführung. Zudem werden das Fahrverhalten im Grenzbereich, wie zum Beispiel ein Fahrspurwechsel, und die Kurvenstabilität geprüft. Beim Bremstest mit einer Bremsweglänge bei ABS-Bremsung von 100 bis 1 km/h durchläuft das Reifenmodell fünf Messfahrten. Seine besonderen Qualitäten muss der Winterreifen dann auf nasser und schneebedeckter Fahrbahn sowie auf der Eisfahrbahn zeigen. Nach Vorschrift des Gesetzgebers darf die Mindestprofiltiefe eines Winterreifens in Deutschland noch 1,6 Millimeter betragen. Aus Sicherheitsgründen empfiehlt der ADAC jedoch eine Profiltiefe von mindestens vier Millimetern. Hinsichtlich des Kraftstoffverbrauchs und Reifenverschleißes spielt die Materialmischung die wichtigste Rolle. In jedem Fall sollte ein Austausch spätestens nach Ablauf von sechs Jahren vorgenommen werden, auch wenn der Reifen optisch noch gut und nicht sonderlich abgenutzt zu sein scheint: Denn dann ist das Aushärten der Gummimischung so weit fortgeschritten, dass Traktion und Grip bei niedrigen Temperaturen deutlich nachlassen. Als bequeme und bei Flotten beliebte Alternative zum Winterreifen gelten Ganzjahresreifen, können jedoch nur noch für rund zwei Jahre anstatt eines Winterreifens eingesetzt werden. K.o.-Kriterium für viele Ganzjahresreifen ist, dass sie lediglich mit der M+S-Kennzeichnung ausgestattet sind, die jedoch nur noch bis zum 30. September 2024 gilt. Sie wird dann durch das bekannte Schneeflockensymbol abgelöst. Mit diesem sind dann nur noch Reifen für stark winterliche Verhältnisse ausgestattet womit auch auf die Flotte künftig der unattraktive Wechsel zwischen Sommerund Winterreifen zukommt.

Situative Wechselpflicht
Eine generelle Winterreifenpflicht gibt es in Deutschland nicht, stattdessen eine situative. Diese schreibt vor, dass Autofahrer bei winterlichen Straßenverhältnissen mit Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisoder Reifglätte nur mit Winterreifen fahren dürfen, montiert auf allen vier Radpositionen. Dass die Folgen eines unvorhergesehenen Ausrutschers durch ein Versäumnis dieser Regel kostspielig sein können, wird manchem dennoch sicher bekannt vorkommen. Denn auch in eher wenig winterlichen Regionen kann ein plötzlicher Wetterumschwung mit Kälteeinbruch und Reifglätte für eine unliebsame Überraschung sorgen. Die folgende Empfehlung bietet hier eine Orientierungshilfe, ist aber rechtlich nicht bindend: Wer sicher gehen will, sollte vom Spätherbst an bis in die Osterzeit Reifen mit dem M+S respektive Alpine-Symbol an seinem Fahrzeug montiert haben.

Im Ausland gelten andere Regeln für die Benutzung von Winterreifen und Schneeketten. Wen es in die Alpen oder andere Skiregionen zieht, der ist gut beraten, sich vorher über die geltenden Bestimmungen zu informieren, Winterreifen aufzuziehen oder Schneeketten einzupacken. In Österreich und der Schweiz gibt es zum Beispiel keine generelle Winterreifenpflicht für die Wintermonate, aber wie auch in Deutschland eine Pflicht, die Winterreifen oder Schneeketten vorschreibt, sobald winterliche Straßenverhältnisse herrschen. In Österreich gilt diese Bedingung vom 1. November bis zum 15. April des Folgejahres. In Italien gilt für Südtirol eine Winterreifenpflicht auf der Brennerautobahn A 22 bis Affi vom 15. November bis zum 15. April und im Aostatal vom 15. Oktober bis zum 15. April. Im November 2021 hat Frankreich eine permanente Winterreifenpflicht in Bergregionen eingeführt. Diese ist zwischen dem 1. November und dem 31. März des Folgejahres in den Alpen, Pyrenäen und Vogesen, im Juraund Zentralmassiv sowie auf Korsika einzuhalten. Versäumnisse können sowohl hierzulande als auch im Ausland zu empfindlichen Strafen führen.

Verstöße sind gefährlich und teuer
In Deutschland wird das Fahren ohne Winterreifen bei entsprechenden Verhältnissen für den Fahrer neben einem Punkt in Flensburg mit einem Bußgeld in Höhe von 60 Euro geahndet, 20 Euro kommen bei Behinderung anderer hinzu. Für Flotten relevant ist die Tatsache, dass auch der Halter mit 75 Euro zur Kasse gebeten wird und ebenfalls einen Punkt kassiert. Frankreich treibt bei Zuwiderhandlung den doppelten Betrag ein, in Italien werden Verkehrssünder sogar mit einem Bußgeld von bis zu 345 Euro belangt. Österreich setzt sich hier jedoch einsam an die Spitze, ein Verstoß kann hier mit bis zu 5.000 Euro extrem teuer werden. Abgesehen von drohenden Bußgeldern wird es teuer, wenn es im Winter mit Sommerreifen zu einem Unfall kommt. Wegen grober Fahrlässigkeit können Leistungen der Kaskoversicherung gekürzt werden und sogar bei einem unverschuldeten Unfall können Probleme mit der Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallgegners entstehen. Gefährlich werden kann auch der umgekehrte Fall: Keineswegs zu empfehlen ist die Weiterverwendung der Winterreifen im Sommer, da diese im ADAC-Test signifikante Schwächen beim Bremsen zeigten. Auf trockener Straße fiel der Bremsweg der Winterreifen aus Tempo 100 deutlich länger aus als beim Sommerreifen, im extremsten Fall gar um 16 Meter. Auch Autovermietungen können zur Kasse gebeten werden, wenn diese den Mietwagen nicht mit witterungsgerechter Bereifung übergeben. Dann kann der Mieter die Übernahme des Fahrzeugs verweigern.

In Bezug auf die Preisentwicklung für Winterreifen ist laut dem Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. (BRV) ein spürbarer Anstieg der Preise in Sicht, begründet durch steigende Kosten bei den Herstellern. Pünktlich zur Winterumrüstsaison rechnet der Verband mit weiteren spürbaren Preisanstiegen in allen Reifensegmenten, geschuldet den gestiegenen Kosten für Naturkautschuk, synthetischen Kautschuk und Energie. Mit Premiumhersteller Michelin setzt eine der Branchengrößen schon jetzt auf die Verwendung alternativer Rohstoffe. Ein Mix aus recyceltem Styrol und Biomasse soll das Butadien auf Erdölbasis ersetzen. Bereits heute werden fast 30 Prozent der Bestandteile, die von Michelin für die Reifenproduktion eingesetzt werden, aus nachhaltigen Rohstoffen gewonnen.