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Der Sommer ist wettertechnisch in Deutschland angekommen, da erwarten wir eigentlich das übliche Geplänkel zum Sommerloch. Aber dafür ist vielleicht gerade ein bisschen zu viel los in der Welt.

Natürlich, die üblichen Tempolimit-Forderungen werden ausgepackt, wenn gerade mal eine Titelseite frei ist. Gern mal nicht nur die 130, sondern auch mal 110 auf Autobahnen und 80 auf Landstraßen oder 30 in Städten. Ich persönlich habe schon vor 30 Jahren oft gedacht, „bald“ sei es mit dem freien Fahren auf Deutschlands Autobahnen vorbei. Es kam dann aber immer anders. Vielleicht „löst“ die Elektromobilität dank Reichweitenangst der Fahrer das Tempolimit-Problem bald von allein.

Wirklich viel Energie sparen würden wir derzeit damit ohnehin nicht, es wäre eher ein politisches Statement. Denn schon heute fahren nur noch wenige Fahrzeuge mit wirklich hohen Geschwindigkeiten über die Autobahnen. Gönnen wir uns doch den gelegentlichen Spaß.

Apropos Energie sparen. Die Gas-Angst geht um in Europa, und das ist durchaus berechtigt. Denn Russland kann jederzeit das Gas abstellen und natürlich hätten dann zahlreiche Branchen und Privathaushalte Probleme, die bis hin zu Düngermangel, fehlenden Medizinprodukten oder Glasflaschen gehen, von der Heizung mal abgesehen. Allerdings gibt es eine wechselseitige Abhängigkeit, bei der eine Eskalation keine Gewinner bringen würde: Europa braucht einerseits, trotz Aufbau alternativer Energieversorgungswege, noch etliche Jahre russisches Gas. Russland andererseits benötigt wohl die gleiche Zeit, Pipelines zu alternativen Abnehmerländern zu bauen, braucht also Europa noch etliche Jahre als Absatzmarkt. Dennoch oder gerade deshalb ist die Energiewende in Europa so wichtig.

War sonst noch was? Ach ja, Corona. Die Inzidenzen steigen wieder fröhlich an, atypisch für den Sommer, aber außer Karl Lauterbach scheint das keinen zu kümmern. Kaum Masken, kaum Vorschriften – die Politik kann sich ja nicht mal auf potenzielle Maßnahmen für den Herbst einigen. Das wird spannend.

Aber abseits von Krieg, Corona und natürlich der Inflation läuft die Wirtschaft blendend – wenn es denn genügend Vorprodukte (und natürlich Energie) gibt. Die Fuhrparkentscheider kämpfen nach wie vor mit Lieferschwierigkeiten bei der Neuwagenbeschaffung, die Industrie könnte viel mehr verkaufen, wären denn Fahrzeuge verfügbar. Findige Start-ups und inzwischen auch Hersteller und Leasinggesellschaften halten mit flexiblen Abound anderen Modellen dagegen. Eine grundsätzliche Entspannung der Liefersituation dürfte vor Ende nächsten Jahres allerdings nicht zu erwarten sein.

Ralph Wuttke 
Chefredakteur