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Viele Abläufe konnten in den letzten Jahren im Zuge der Digitalisierung optimiert werden. Daraus ergaben sich verschlankte Prozesse und eine Menge brauchbarer Daten zur Kontrolle und Steuerung der Flotte. Die Beschaffung und Rückgabe der Fahrzeuge, das Schadenmanagement, das Controlling, die Führerscheinkontrolle und der Winter-/Sommerräderwechsel laufen überwiegend rund. Die Elektromobilität, als wahrscheinlich auffälligste Veränderung der letzten Jahre, ist inzwischen fester Bestandteil der Unternehmensmobilität und entwickelt sich sehr dynamisch.

Die Berechtigung für einen Firmenwagen inklusive der privaten Nutzung stellt für die Mitarbeiter eines Unternehmens schon immer einen großen Reiz dar. Außer der flexiblen Beweglichkeit auf Dienstreisen, dem eigentlichen Zweck eines Firmenwagens, und der Möglichkeit der privaten Nutzung wird damit die Bestätigung des eigenen beruflichen Engagements verbunden. Der damit verbundene Status des Mitarbeiters wird deshalb seitens der Personalabteilung gerne als Motivationsinstrument eingesetzt.

Wenn man mit offenen Augen und Ohren das Weltgeschehen beobachtet, stellt man allerdings fest, dass schon seit längerer Zeit einige Dinge „in der Luft“ liegen. Die physikalische Klimaveränderung geht zeitgleich mit einer immer mehr spürbaren gesellschaftlichen Klimaveränderung einher und an dieser Stelle stellt sich die Frage, ob und wie man zukünftig die Unternehmensmobilität an die daraus resultierenden Erwartungen der jüngeren Mitarbeitergeneration anpassen soll. Hierbei ist sicherlich die Hinwendung zur Elektromobilität in den Fuhrparks ein wichtiger Schritt mit hoher Signalwirkung bezüglich der Anstrengungen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Unternehmenskultur.

Gerade die Elektromobilität mit den von ihr anfangs ausgelösten äußerst kontroversen Diskussionen hat ja beispielhaft gezeigt, wie neue Technologien und Anwendungen das Leben verändern und bereichern können. Anfängliche Bedenken sind inzwischen oft purer Begeisterung gewichen. Diese Erfahrung sollte Mut machen, zukünftig weitere Türen zu öffnen, um das Mobilitätsangebot in Firmenflotten zu ergänzen.

Wenn man mit jüngeren Fachund Führungskräften ins Gespräch kommt, fällt auf, dass der Reiz eines Firmenwagens gemäß der Einstufung in der Firmenwagenrichtlinie nicht mehr in jedem Fall so ausgeprägt ist wie noch vor ein paar Jahren. Wurde früher noch mit dem Fuhrparkleiter um Metalliclackierung und Leichtmetallfelgen gefeilscht, haben inzwischen Connectivity und flexible Transportmöglichkeiten für die HobbyGerätschaften einen höheren Stellenwert als die Motorleistung. Gerade die (noch) nicht in einer klassischen Familiensituation lebenden Mitarbeiter haben oft von Mobilität eine ganz andere Vorstellung als der Vertriebsdirektor kurz vorm Ruhestand. Man wohnt im oder nahe am Stadtkern, oft auch aus Kostengründen in einer Wohngemeinschaft, um das Stadtleben zu genießen. Parkplätze sind dort absolute Mangelware und zu Fuß mit dem Rad oder den „Öffis“ ist man in ein paar Minuten im Büro, falls das zukünftig aufgrund des weiter zunehmenden Arbeitens im Homeoffice überhaupt noch nötig ist. Viel passender wäre für diesen Mitarbeitertypus in seiner aktuellen Lebensphase das Angebot einer dem situationsgerechten Mobilitätsbedarf angepassten Fortbewegungsart. Der Kleintransporter für den Umzug am nächsten Wochenende, das flotte Cabrio für eine Wochenendtour, der Land Rover für ein Offroad-Trial, das E-Mountainbike am Samstagnachmittag für die Tour durch den Wald, das Sharing-Micro-Car für den schnellen Einkauf in der Shopping-Mall am Stadtrand, der Camper für den Besuch eines Open-Air-Konzerts am langen Wochenende.

In einer Familienund Elternlebensphase kann dann plötzlich der Family-Van für ein paar Jahre durchaus die erste Wahl als Firmenwagen sein. Auch hier wird die Flexibilität des Unternehmens gegenüber den persönlichen und privaten Bedürfnissen der Mitarbeiter ein gutes Werkzeug sein, um kluge und erfolgreiche Mitarbeiter zu bekommen und zu behalten.

Bei dem bisher Geschriebenen handelt es sich natürlich nicht um Ketzerei zur Inszenierung einer Palastrevolution im Fuhrpark. Vielmehr geht es darum, früh genug neue Denkweisen und Erwartungen bei der firmenwagenberechtigten Belegschaft zu erkennen, zu bewerten und eventuell etwas Neues umzusetzen. Die Firmenwagenflotte wird weiterhin das Rückgrat der betrieblich erforderlichen und privaten Unternehmensmobilität bleiben, insbesondere für den Serviceund Vertriebsaußendienst. Gegebenenfalls und situationsbedingt könnte eine Erweiterung des Mobilitätsangebots jedoch für das Unternehmen und bestimmte Mitarbeiter eine Win-win-Situation darstellen.

Wie könnte die Lösung zu einer solchen Ergänzung der Unternehmensmobilität aussehen?

Den Firmenwagen-Pool um diverse geeignete Fahrzeugtypen erweitern und/oder ein festes Kontingent von Sharing-Fahrzeugen auf dem Betriebsgelände vorhalten, könnte eine Möglichkeit sein. Auch eine Kombination aus (Firmen-)E-Bike und Poolwagenberechtigung oder Kleinwagen und bedarfsgerechtem Leihfahrzeug für Sonderfälle wäre denkbar, um die Mobilitätsansprüche dieser Mitarbeitergruppe abzudecken.

Auch Mobilitätspauschalen in Verbindung mit einer mit „Mobi-Coins“ aufgeladenen App wären vielleicht in Zukunft denkbar. Damit kann der Mitarbeiter sich frei für den jeweilig passenden Verkehrsträger und das passende Fahrzeug entscheiden.

Sicher gibt es viele weitere Ideen und umsetzbare Lösungen. Fest steht, man muss das Ganze wollen, umsetzen, beobachten und eventuell nachregulieren. Die Welt dreht sich immer weiter und das Bessere ist der Feind des Guten!