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Corona-Pandemie, Halbleitermangel, UkraineKrieg und Höchstpreise bei den Energiekosten – das sind alles Faktoren, die sich auf die Auslieferungszeiten und letztlich auch auf die Preise von Neufahrzeugen auswirken. Bestimmte Segmente scheinen herstellerübergreifend besonders betroffen, wie Kai Marnet, Head of Procurement bei Holman, weiß: „Insbesondere die Hersteller mit Zulieferunternehmen aus Krisengebieten sind stark betroffen. Im Bereich Fahrzeugsegmente sind dies Folgende: klassische Fuhrparkmodelle wie Kombi und SUV sowie leichte Nutzfahrzeuge. Terminverschiebungen von neun bis zu zwölf Monaten sind keine Seltenheit. In bestimmten Bereichen sind die Verschiebungen sogar länger.“ Mancher vermutet auch, dass Hersteller ihre Wertstrategie so ausrichten, dass zunächst Fahrzeuge produziert werden, die einen hohen Ertrag erwirtschaften.

Die Gesamtlage verursacht schließlich einen Dominoeffekt, der das Gebrauchtwagenangebot und die Verfügbarkeit von Mietwagen schmälert, was in allen Fahrzeugbereichen zu steigenden Preisen führt. Die Folgen beklagte unser Redaktionsbeirat und Fuhrparkleiter Peter Insam bereits in seinem Meinungsbeitrag in der Ausgabe Flottenmanagement 1/2022: „Planbarkeit? Mitnichten. Alle mühsam ausgearbeiteten Prozesse, die uns bislang eine sichere und kontinuierliche BereitstellungvonAutomobilenermöglichthaben,sind für die Tonne. Neubestellungen wegen endender Leasingverträge müssten rein theoretisch ein Jahr im Voraus geplant werden, doch angesichts der Pandemie sind personelle Entwicklungen unsicher.“ Wie andere Fuhrparkverantwortliche die aktuellen Lieferverzögerungen einschätzen beziehungsweise mit der Lage umgehen, lesen Sie auch in unserer Online-Umfrage zum Thema auf Seite 20.

Die mangelnde Verfügbarkeit der Fahrzeuge stellt Unternehmen insbesondere im Rahmen der Elektrifizierung des Fuhrparks vor große Herausforderungen, wie Eva Rothe, Commercial Director bei Arval Deutschland, zu Recht anmerkt: „Denn zum einen benötigt die Einführung alternativer Antriebe in der Flotte viel Zeit und sorgfältige Planung. Andererseits aber stehen Unternehmen unter Zeitdruck. Der Grund: Für die Anwendung der BAFA-Förderung (Innovationsprämie) ist das Datum der Erstzulassung beziehungsweise das Datum der Überlassung an den Arbeitnehmenden ausschlaggebend. Gemäß Koalitionsvertrag der Bundesregierung soll die aktuelle Förderung jedoch ab 2023 schrittweise reduziert werden. Weiterhin sind auch Veränderungen bei der Dienstwagenversteuerung zu erwarten. Wir gehen davon aus, dass die konkreten neuen Regelungen im zweiten Halbjahr 2022 kommuniziert werden.“ 

Wenn dann nacheiner längeren Zeit der Homeoffice-Nutzung mit verminderten Fahrzeug-Laufleistungen nun vermehrt wieder Außentermine anstehen und die Flotte dank prosperierenden Geschäften und personellem Zuwachs aufgestockt werden soll, müssen pragmatische Lösungen für die ungeduldige Gruppe der Nutzenden und das strapazierte Budget her. Frühere Bestellfreigaben zählen zu möglichen Optionen. Doch auch dies hilft nur bedingt, wenn Lieferzeiten von mehr als zwölf Monaten durchaus keine Seltenheit mehr sind. „Bei unseren Gesprächen mit den Fuhrparkverantwortlichen weisen wir immer wieder darauf hin, dass eine möglichst frühzeitige Bestellung – rund sechs bis neun Monate vor Ablauf des Leasingvertrags – sehr zu empfehlen ist“, betont Armin Villinger, Generalbevollmächtigter und Leiter Vertrieb Deutschland der Volkswagen Leasing GmbH. „Bei Lieferzeiten von teilweise zwölf Monaten lassen sich dann die letzten drei Monate sehr gut durch Vertragszeitüberschreitungen abdecken.“

Auch Bestellstopps für bestimmte Fahrzeuggruppen erfordern sowohl Änderungen der Beschaffungsstrategien als auch Fingerspitzengefühl in der Kommunikation mit den Bestellenden. „Im Hinblick auf die Kommunikation mit Fahrern und Fuhrparkleitern ist der Handel sehr stark eingebunden, beispielsweise wird individuell geprüft, ob ein bestimmtes Fahrzeug mit einer anderen Ausstattung schneller ausgeliefert werden kann“, so Karsten Rösel, Geschäftsführer der ALD AutoLeasing D GmbH. „Es ist wichtig, die Fahrzeugnutzer, die in Kürze ein neues Fahrzeug bestellen, für die aktuelle Thematik zu sensibilisieren und dabei aufzuzeigen, was die langen Lieferzeiten konkret für den Nutzer bedeuten, und Alternativen anzubieten. Alternativen können zum Beispiel die Vertragsverlängerung für das aktuelle Leasingfahrzeug, Langzeitmietangebote für die Überbrückung der Lieferzeit oder der Wechsel zu einem anderen Hersteller mit einer deutlich geringeren Lieferzeit sein.“

Die Leasinggesellschaften lassen sich durchweg auf unkomplizierte Vertragsverlängerungen, unter Umständen sogar zu den bisherigen Konditionen, sowie die Bereitstellung von kurzfristigen Mobilitätslösungen wie Mietwagen oder AutoAbos ein. Die Vertragsverlängerung gilt aus Sicht der Anbieter als die kostengünstigste und administrativ unaufwendigste Lösung für die Flotte. „Für die ersten Monate der Verlängerung bietet sich die stillschweigende Verlängerung an, die von beiden Seiten keine Aktivität erfordert und sehr flexibel ist“, beschreibt Frank Hägele, Mitglied der Geschäftsleitung Deutsche Leasing AG, Geschäftsfeld Mobility, das Procedere seines Unternehmens. „Mit zunehmender Verlängerungsdauer wird eine Vertragsanpassung notwendig. Die Kundenlösungen sind auch hier flexibel. Schließlich wollen wir unsere Kunden mobil und den Administrationsaufwand auf beiden Seiten gering halten.“

Unterschiedliche Herausforderungen ergeben sich bei Funktionsflotten und Motivationsfahrzeugen. Nutzende der ersten Gruppe zeigen sich deutlich flexibler, Herstelleralternativen zu nutzen, die eine bessere Verfügbarkeit versprechen. „Gerade die asiatischen Hersteller sind lieferfähig und werden immer mehr im Fuhrpark als Alternative aufgenommen. Aber auch die vertrauensvolle Partnerschaft mit unseren Händlern trägt hierbei Früchte. So erhalten wir immer wieder Tranchen von verfügbaren Fahrzeugen (VAG, BMW, Opel) und geben diese weiter in den Markt“, berichtet Kai Marnet für Holman. Aber auch Änderungen bei der Fahrzeugkonfiguration hält Doris Brokamp, Chief Commercial Officer von Athlon Germany, aktuell für ein probates Mittel: „Wenn das gewünschte Fahrzeug als Leasingfahrzeug nicht lieferbar ist, empfehlen wir ein vergleichbares Modell zu leasen, um die Kosten für den Fuhrpark unserer Kunden in einem vergleichbaren Rahmen zu halten. Eine Alternative kann das Auto-Abo sein. Das höchste Maß an Flexibilität können wir über unsere Business-/Premium-Line mit einer Mindestlaufzeit von einem Monat anbieten.“

Für Probezeiten, Projektarbeiten und Überbrückungen bieten sich gleichfalls Langzeitmieten oder Auto-Abos an, die tatsächlich innerhalb kürzester Zeit verfügbar sind. „Die Fahrzeuge aus unserem eigenen Miet-Fuhrpark sind in der Regel sofort verfügbar und werden innerhalb weniger Tage an den Bestimmungsort geliefert“, spricht Eva Rothe für Arval. „Auch in Zeiten des erhöhten Bedarfs möchten wir die gewünschte Mobilität kurzfristig bereitstellen und auf spezielle Fahrzeuganforderungen eingehen, um dem Nutzerbedarf gerecht zu werden. Dies erfordert eine entsprechende Vorlaufzeit von ungefähr vier Wochen.“ Ebenfalls um Elektromobilität zu erfahren, können Dienstwagenberechtigte das Langzeitmietangebot der Dienstleister nutzen. „Das eignet sich hervorragend, um Elektromobilität kennenzulernen und Hemmnisse abzubauen“, weiß Christopher Schmidt, Commercial Director bei der LeasePlan Deutschland GmbH. „Zusätzlich hat LeasePlan mit AboCar ein Angebot geschaffen, das insbesondere den kurzfristigen Mobilitätsbedarf abdeckt. Hier können vorkonfigurierte Fahrzeuge teilweise innerhalb kurzer Lieferzeit über eine Dauer von sechs Monaten genutzt werden. Um den Langzeitmietbedarf kurzund mittelfristig zu decken, haben wir auch unsere eigene Mietwagenflotte deutlich vergrößert.“

Das Ende der derzeitigen Lieferengpässe scheint noch nicht absehbar und stellt die Fuhrparkverantwortlichen vor viele Zielkonflikte: Die Nutzenden zufriedenzustellen, die Fuhrparkkosten im Rahmen zu halten, Konflikte in Lieferantenbeziehungen zu vermeiden und die Kommunikation zwischen allen Beteiligten transparent und informativ zu gestalten. Bestimmt sind es noch einige mehr. Als Zwischenglied ermöglichen die Leasinggesellschaften unkomplizierte Lösungen und zielgerichtete, transparente Kommunikation. Auch wenn sie ebenfalls abhängig von ihren Lieferanten sind, wissen sie, dass regelmäßige Information, das Verständnis für die Bedürfnisse der Fuhrparkkunden und die darauf ausgerichtete Beratung das A und O in der Kundenbeziehung sind.