PDF DOWNLOAD

Wenn Unternehmen den Umstieg auf Elektromobilität angehen (siehe auch S. 60), steht zwar das Fahrzeug im Vordergrund, doch auch geeignete Ladelösungen am Arbeitsplatz und/oder im heimischen Umfeld spielen eine wichtige Rolle für einen gelungenen Einsatz der neuen Technologie. Zeitgleich mit der Auslieferung der E-Fahrzeuge sollte auch die passende Ladeinfrastruktur einsatzbereit sein. Dafür bieten die von uns befragten Leasinggesellschaften kombinierte Angebote aus Fahrzeug und Stromversorgung oder sogar Komplettlösungen für den gesamten Fuhrpark an. Wie genau diese aussehen, hängt immer von den Anforderungen ab. Das Spektrum verläuft von intelligenten Wallboxen für das Heimladen bis hin zu Schnellladestationen am Unternehmensstandort. Auch Ladekarten für das öffentliche Laden unterwegs gehören dazu.

Während vor einiger Zeit über Angebote von Fahrzeugen zusammen mit Wallboxen die Verbreitung der neuen Technologie auf der Komfortschiene – also Sicherheit durch die Lademöglichkeit im heimischen Umfeld – vorangetrieben werden sollte, finden sich solche „Pakete von der Stange“ kaum noch. Bei der LeasePlan Deutschland GmbH setzt man aus gutem Grund auf folgenden Ansatz, wie Commercial Director Christopher Schmidt ausführt: „Das Thema Elektromobilität ist sehr komplex, individuell und beratungsintensiv, sodass es im B2B-Umfeld, wo es um die Elektrifizierung von größeren Fuhrparks geht, keine Sonderangebote von der Stange gibt.“ Doch auch bei der Ladeinfrastruktur lassen sich die Vorteile des Leasings über LeasePlan ausnutzen: „Unsere Angebote zur Ladeinfrastruktur sind flexibel aufgestellt. Eine Ladesäule für zu Hause oder am Arbeitsplatz kann über LeasePlan gekauft oder geleast werden. Auch staatliche Subventionen, wie der Umweltbonus, können flexibel so eingesetzt werden, wie es dem Kunden am besten nutzt. So kann beispielsweise ein Teil des Umweltbonus auch für die Finanzierung der Ladesäule genutzt werden.“

Bei Holman (vormals ARI Fleet) geht man ähnlich vor, wie Sebastian Fruth, Head of Sales bei Holman, zusammenfasst: „Wir setzen im Leasing auf volle Flexibilität. Kunden können sich aus verschiedenen Servicebausteinen ihr Angebot zusammenstellen. So bieten wir bei Bedarf auch rabattierte Komplettangebote an. An dieser Stelle ist wichtig zu erwähnen, dass wir nicht irgendeinen Rabatt auf ein Bundle anbieten. Wir arbeiten Kunden die Lösung aus, die am besten und nachhaltigsten zum jeweiligen Unternehmen passt. Auf Basis unseres offenen Abrechnungsmodells wird sichergestellt, dass das Geld nicht in einem undurchsichtigen Gesamtpreis verschwindet. Gerade im Bereich E-Mobilität bemerken wir noch einen zusätzlichen Trend zum „Bundling“ bei Angeboten. Und genau hier setzen wir mit unseren Services an.“

Die Alphabet Fuhrparkmanagement GmbH arbeitet mit den Partnern Shell Recharge und der TotalEnergies GmbH und kann ihren Kunden verschiedene Komplettpakete für den effizienten Umstieg auf E-Mobilität anbieten. Mathias Martin, Produktmanager eMobility: „Auch im Hinblick auf das öffentliche Laden haben wir die passenden Lösungen: Mit unserer eigenen Alphabet Ladekarte (ChargeNow for Business) und der integrierten Tank-Ladekarte von Shell ermöglichen wir unseren Kunden das Laden an über 60.000 Ladepunkten in Deutschland und über 250.000 Ladepunkten in Europa.“

Doch Ladeinfrastruktur und Fahrzeug sollten nicht in einer Leasingrate berechnet werden: Es sprechen diverse Gründe gegen die Bündelung von Fahrzeug und Wallbox, die sich schließlich beim Nutzer zu Hause befindet, wie Karsten Rösel, Geschäftsführer Autoleasing D GmbH, richtigerweise bemerkt: „In der Regel besteht der Wunsch, die Rückerstattung der Stromkosten an die Fahrzeugnutzer und die Ladekarten über uns abzubilden, die Ladeinfrastruktur jedoch unabhängig davon zu finanzieren beziehungsweise diese durch den Fahrer direkt erwerben zu lassen. Schließlich soll bei einem Ausscheiden des Fahrzeugnutzers die Ladeinfrastruktur nicht demontiert werden müssen.“ Sascha Iff, Santander Consumer Leasing GmbH, Leiter Vertrieb Leasing Großkunden, stützt die Argumentation insofern, als die unterschiedlichen Nutzungsdauern von E-Mobilitätsbausteinen (zum Beispiel Fahrzeug versus Wallbox) sowie die sehr individuellen Kundensituationen eine individuelle Preiskalkulation zwingend erforderlich machen.

Das gängigste Argument gegen standardisierte Paketlösungen ist der individuelle Bedarf. Volkswagen Leasing hat sich laut Armin Villinger, Generalbevollmächtigter und Leiter Vertrieb Deutschland der Volkswagen Leasing GmbH, bewusst dagegen entschieden, da die Elektrifizierung von Fuhrparks viel zu individuell ist und sich die Kundenbedürfnisse sowie infrastrukturellen Voraussetzungen von Flotte zu Flotte zu sehr unterscheiden. Grundsätzlich können Volkswagen-Leasing-Kunden aus einer breiten Palette an Dienstleistungen wählen. Dazu zählen unter anderem Beratungsangebote zur Ladeinfrastruktur und Fördermöglichkeiten, daneben Leasingund Finanzierungsmöglichkeiten mit Full-Service-Dienstleistungen sowie Tankund Ladekarten.

Für eine vertragliche Trennung von Ladeinfrastruktur und Fahrzeug spricht sich auch Matthias Birkle, Advisor E-mobility Key Accounts bei der Allane SE, aus: „Die Ladeinfrastruktur wird aus diversen nachvollziehbaren Gründen losgelöst vom Fahrzeug-Leasingvertrag betrachtet. Über die reine Beschaffung von PHEV/BEV sehen wir eine erhöhte Nachfrage nach Möglichkeiten, wie dem Nutzer am Unternehmensstandort und zu Hause eine geeignete Ladeinfrastruktur zur Verfügung gestellt werden kann. Hier ist unter anderem wichtig, dass eine einfache Abrechnung erfolgt. Auch die bislang konservativen Ansätze, hauptsächlich deutsche Hersteller im Portfolio zu bedienen, werden aufgeweicht, um modernere und effizientere Technologien anbieten zu können.“ 

Bei der Abrechnung des Ladestroms wird ebenfalls der Beratungsbedarf deutlich: Gefragt sind derzeit vor allem Ladelösungen mit integrierter Abrechnung, wie Frank Hägele, Mitglied der Geschäftsleitung Deutsche Leasing AG, Geschäftsfeld Mobility, berichtet: „Mit unserer Service-Card Tanken & Laden kann der Fahrer zu Hause, am Arbeitsplatz oder unterwegs laden. Die Abrechnung erfolgt dann gesammelt am Monatsende. Dies reduziert eindeutig den Verwaltungsaufwand, insbesondere beim Fuhrparkverantwortlichen, aber auch beim Fahrer durch den Entfall einer Reisekostenabrechnung.“ Dieses Bild spiegelt sich auch bei Arval Deutschland wider: „In Zusammenarbeit mit unserem Partnernetzwerk bieten wir unseren Kunden gerne auch individuelle Komplettangebote an, die sowohl das Fahrzeug als auch die gewünschte Ladeinfrastruktur beinhalten – rabattiert werden diese allerdings nicht. Derzeit herrscht bei unseren Kunden vor allem eine große Nachfrage nach integrierbaren Abrechnungssystemen beim Laden zu Hause, im Büro und öffentlich, mit einer einheitlichen Abrechnung und Rückerstattung an den Nutzer für den Home-Charging-Bereich. Arval hat bereits 2018 diesen Bedarf antizipiert und mit den Partnern Lösungen zur einheitlichen monatlichen Abrechnung mit ausschließlich einer Hybrid-Ladekarte integriert“, so Katharina Schmidt, Head of Consulting, Arval Mobility Observatory & Leitung Fuhrpark. Bei Bezug der kombinierten Tank& Ladekarte von euroShell über Arval werden die Kosten des Stroms monatlich über Arval in Rechnung gestellt. Die Ladefunktion der euroShell Tank& Ladekarte funktioniert im gesamten Netzwerk des Kooperationspartners Shell Recharge. Ergänzend zu den Tankkarten können Arval-Kunden „Shell Recharge“Wallboxen beziehen. Von Shell Recharge gibt es eine automatische Rückerstattung der Kosten, die zu Hause für das Laden anfallen. Der Anbieter stellt zudem ein Online-Portal zur Verfügung, das die Wallboxen konfiguriert und übersichtliche Dashboards erstellt.

Die Full-Serviceund All-in-one-Lösungen werden von vielen Anbietern digital und innovativ umgesetzt: Athlon arbeitet mit mehreren Anbietern zusammen, die Lösungen für die verschiedensten Kundenbedürfnisse bereithalten. Mit Shell Recharge Solutions hat der Mobilitätsanbieter einen Partner an der Seite, wenn es um „Alles aus einer Hand“-Lösungen im Rahmen der intelligenten und vernetzten Ladeinfrastruktur gehen soll. Das passende Produkt dazu ist Athlon FullServiceLease als All-in-one-Lösung. Alle gewünschten Dienstleistungen werden gemäß den Angaben von Carsten Claßen, Innovation& Product Manager E-Mobility bei Athlon Germany GmbH, in die monatlichen Raten der individuellen Servicepakete inkludiert. „Zusätzlich haben die Fahrer:innen unserer Kunden Zugang zu einer Partner-App, die die Abrechnung von Kraftstoffen, Strom und zusätzlichen Services über eine Rechnung ermöglicht.“

Bei Renault Financial Services kann der Kunde Ladesäulen (AC und DC) aller anerkannten Hersteller beziehen. „Unser Backend ist offen und kann grundsätzlich alle intelligenten Produkte integrieren. Für Flottenkunden bieten wir unsere eigene App und als Ladekarte den Mobilize Business Pass mit über 250.000 Ladepunkten in Europa an. Hier arbeiten wir natürlich mit den klassischen Plattformen und großen Ladestationsbetreibern direkt zusammen; dabei sollen zukünftig auch Flatrates abgebildet werden können“, so Ulrich Iwan, Pressesprecher der RCI Banque S. A., Niederlassung Deutschland. Free2move arbeitet an digitalen Produkten, die das Laden einfacher machen sollen, wie Oliver Gottwald, Produktmanager Free2move Lease, erläutert: „Mit Free2move eSolutions sollen noch in diesem Jahr weitere innovative und maßgeschneiderte elektrische Lösungen für private und geschäftliche Kunden angeboten werden. Bei der Ladekarte wird beispielsweise mit Free2move Charge My Car eine eigene Lösung angeboten, die das Aufsuchen von / Zahlen an Ladesäulen ermöglicht sowie eine dynamische Routenplanung in Abhängigkeit des aktuellen Stromverbrauches (insbesondere Klimaanlage, Heizung oder Ähnliches) und eine Send-to-Navi Funktion aufweist, die das Übertragen auf das bordeigene Navigationssystem ermöglicht.“

Fazit: Die Elektromobilität boomt, die staatlichen Förderungen reichen derzeit aus, um die Nachfrage deutlich anzukurbeln. Da die Liefersituation bei vielen Fahrzeugen zudem angespannt ist, braucht es keine besonderen Rabatte, um Kunden zu locken. Bei den Leasingund Mobilitätsanbietern legt man großen Wert darauf, Pakete zu schnüren, die dem Bedarf des Kunden entsprechen. Und sind den individuellen Wünschen nahezu keine Grenzen gesetzt: Die Mobilitätsspezialisten können in Bezug auf ihr Dienstleistungsangebot und ihr Partnernetzwerk aus dem Vollen schöpfen. Und wer als Kunde gut verhandelt, kann wie immer auch hier die besten Konditionen herausschlagen.