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Der Kompaktklasse-Kombi ist längst keine Notlösung mehr für knappe Budgets. Seit selbst die Kleinwagen erwachsen geworden sind und teils vier Längenmeter überschreiten, darf im Kontext mit der unteren Mittelklasse von erwachsenen Allroundern gesprochen werden, die eigentlich auch nicht mehr kompakt sind. Sie messen in der Länge durchweg 4,60 Meter, reichen im Einzelfall gar an die 4,70 Meter-Marke heran – das war vor noch nicht allzu langer Zeit Mittelklasse. Entsprechend vielseitig lässt sich das Segment einsetzen und ist dabei kostentechnisch auf erschwinglichem Level. Um die ausladenden Abmessungen zu relativieren: In der Limousinen-Ausführung sind die Vertreter des Segments durchweg rund 30 Zentimeter kürzer. Dagegen scheint den Herstellern wichtig zu sein, ihre Kombivarianten wirklich fit zu halten für Transportaufgaben, was sich in den Laderaumvolumen manifestiert. So fassen die Kofferräume der meisten Vertreter zwischen 1.500 und 1.700 Litern – allein die beiden Lifestyle-Kandidaten Audi A3 Sportback und Mercedes-Benz CLA Shooting Brake sind Ausreißer nach unten mit 1.200 respektive 1.370 Litern. Lifestyle oder Nutzwert, das ist hier sozusagen die Frage.

Ziemlich eindeutig hingegen ist die Frage der Motorisierung. Flottenmanagement hat sich gegen den Selbstzünder entschieden und stattdessen für den Benziner in der 110 kW/150 PSKlasse. Obwohl der Diesel absolut betrachtet immer noch eine starke Stellung in der Flotte einnimmt, haben die Abgasdiskussionen der letzten Jahre die Benziner-Quote nach oben getrieben. Jüngst gewinnt indessen der Plug-in-Hybrid stark hinzu, was sowohl an den Fördermaßnahmen liegt (hier werden die Hürden kommendes Jahr allerdings höher) als auch am deutlich wachsenden Modellangebot. Gab es vom PHEV früher eine einzige Offerte – wenn man so will, als Alibi-Modell, sind es inzwischen gleich mehrere Leistungsstufen.

Grund genug für Flottenmanagement, auch den PHEV einmal zu betrachten vor allem in seiner Kostenbilanz. Zum zweiten Mal hat sich die Redaktion die Mühe gemacht, die realen Betriebskosten zu ermitteln nach dem Schlüssel 30 Prozent Fahranteil im rein elektrischen und 70 Prozent Antriebsanteil im hybridischen Betrieb. Weiterhin geht Flottenmanagement basierend auf der empirischen Beobachtung davon aus, dass die Fahrzeuge etwa fünf Mal so viel Kraftstoff verbrauchen wie der nach dem WLTP-Verbrauchszyklus ermittelte Wert, der einen in der Praxis meist nicht abgebildeten Fahranteil ohne Verbrennungsmotor unterstellt.

Dass am Ende nur drei Plug-in-Kandidaten übrig geblieben sind, lässt sich durch das grundsätzlich noch kleine Angebot erklären. Der Volkswagen Golf beispielsweise wird nur mit dem Kurzheck als Plug-in geliefert, und für Škoda Octavia wie Seat Leon ST lassen sich aktuell keine Leasingraten im Onlinekalkulator ermitteln. So konkurrieren hier und heute lediglich Kia Ceed Sportswagon PHEV, Mercedes-Benz CLA Shooting Brake und Renault Mégane Grandtour E-TECH miteinander – drei Autos, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Mercedes-Benz gibt nicht nur formal den Lifestyler, sondern legt auch knackige Werte vor: Mit einer Systemleistung von 218 Pferdchen sprintet er binnen 6,9 Sekunden auf 200 km/h. Solche Werte können und wollen die sachlicheren Kandidaten Ceed und Mégane nicht bieten – sie lassen es mit 141 respektive 158 PS Systemleistung ruhiger angehen.

Solche Unterschiede machen sich in den Leasingkosten natürlich bemerkbar – der Renault ist ein echtes Schnäppchen mit 467 Euro netto, während man für den Kia schon 512 Euro (netto) monatlich bezahlen muss bei einer Laufleistung von 20.000 Kilometern. Immer im Hinterkopf behalten sollten die Interessenten, dass PHEV-Modelle mit einer elektrischen Reichweite von mehr als 40 Kilometern (ab 2022 werden es 60 Kilometer) steuerlich begünstigt werden. Wer einen Dienstwagen fährt und dessen private Nutzung pauschal versteuert, wird mit lediglich einem halben Prozent vom Brutto-Listenpreis zur Kasse gebeten – das spürt man drastisch im Portemonnaie. Für wenige Wochen werden die jetzt am Markt befindlichen PHEV-Modelle noch im Vorteil sein, aber die Vorzeichen ändern sich. Denn bei vielen Autos müssten die Ingenieure strukturelle Veränderungen vornehmen, um die Akkukapazität selbst moderat anheben zu können.

Also werden die reinen Verbrenner noch einige Jahre im Rennen sein, bevor elektrische Autos immer mehr die Oberhand gewinnen. In unserer 150 PS-Liga der kompakten Kombis ist der Renault Mégane der absolute Preischampion mit einer Leasingrate von gut 320 Euro netto bei einer Jahresfahrleistung von 20.000 Kilometern. Der Mercedes-Benz kostet in dieser Kon  guration über 200 Euro mehr (533,06 Euro), bietet allerdings auch sportlichere Fahrleistungen. Der drahtigste Kandidat im Trio hingegen ist der Audi – und fordert in unserem Kalkulationsprofil immer noch eine kostspielige Rate ein von 457 Euro netto monatlich in der 20.000 Kilometer- Betrachtung. Allerdings fallen die zur Premiumkategorie zählenden Produkte aus Stuttgart und Ingolstadt naturgemäß teurer aus. Spurtstark und günstig zugleich geht auch – mit dem tollen Allrounder Ford Focus, und er ist mit 383 Euro monatlicher Leasingrate bei 20.000 Euro Jahresfahrleistung erfreulich günstig. Obendrein punktet er mit einem maximalen Laderaumvolumen von 1.653 Litern bei umgeklappten Rücksitzlehnen – ein durchaus wichtiger Punkt.

Zu einer anderen Modellentscheidung kommen Sparfüchse womöglich, wenn es sich um einen Kauffuhrpark handelt. So günstig der Mégane in der Leasingbetrachtung auch sein mag, sein mit dienstwagenrelevanter Ausstattung kon  gurierter Grundpreis beträgt mit 28.420 Euro netto fast 3.000 Euro mehr als der Kia-Neuwagentarif (25.655 Euro netto). Hinzu kommt, dass Kia auch noch mit sieben Jahren Garantie glänzt. Dass er in diesem Kostenvergleich siegt, liegt an verschiedenen Punkten. Zu seinem erschwinglichen Kurs und der langen Garantielaufzeit gesellt sich noch das große Laderaumvolumen von 1.694 Litern. Nur der Octavia Übertrifft alle anderen Vergleichsteilnehmer mit 1.700 Litern. Unter den PHEV-Kandidaten markiert der Kia Ceed die Spitze mit 1.506 Liter.

Keine wirklichen Schwächen leisten sich sämtliche Vergleichskandidaten beim Thema Ausstattung. Autonome Notbremsung und ein Notrufsystem sind immer vorhanden. Die Features, die ein Geschäftswagen haben sollte, können alle entweder serienmäßig oder aber gegen Aufpreis liefern. Keinesfalls sollten Langstrecken-Nutzer auf eine Lendenwirbelstütze verzichten. Navigationssystem und Smartphone- Integration müssen ohnehin an Bord, umso erfreulicher ist, dass viele Autos in dieser Klasse hiermit schon serienmäßig gesegnet sind. Das gilt für den Tempomat ebenso, nicht aber für den aktiven Tempomat, der selbsttätig bremst. Hier muss der Kunde teilweise um die 1.000 Euro (netto) Extrakosten einkalkulieren.

Bei den Mehrwertausstattungen geht er oft leer aus, selbst wenn er das Zusatzbudget dafür sogar einplant. Man kann darüber diskutieren, ob man eine elektrische Heckklappe wirklich braucht – praktisch ist sie, wenn man mit vollen Händen aus dem Supermarkt kommend gerade keine weitere Hilfe vor  ndet. Häufig lassen sich die Klappen mit einer Fußbewegung öffnen. Am günstigsten ist der Audi mit einem elektrischen Heckdeckel auszurüsten (302 Euro), während Seat für den motorgesteuerten Kofferraumdeckel seines Leon knapp 664 Euro sehen möchte. Beim Kia werden zwar rund 916 Euro fällig, aber hier ist auch noch das automatische Einparken inbegriffen.

Bei den PHEV-Modellen gewinnt übrigens der Renault Mégane knapp, während der Kia auf dem zweiten Platz landet. Die kleinste Traktionsbatterie im Trio sowie seine teureren Betriebs- und Leasingkosten verhageln ihm den Sieg.

Falls Sie sich wundern, warum der Ford Focus trotz 5,4 Litern Verbrauch eine grüne Markierung bekommt und der Mercedes-Benz CLA mit 5,9 Litern eine neutrale: Sowohl in Köln wie auch in Stuttgart verzichtet man mittlerweile auf die optimistischen NEFZ-Angaben und ist bereits vollends auf die WLTPSchiene gegangen. Allerdings verhalten sich die Betriebskosten außer bei Hyundai i30 und Seat Leon bei der Bewertung proportional zu den Leasingraten.

 

So haben wir gewertet

Der Flottenmanagement-Kostenvergleich setzt sich aus fünf Hauptkriterien – den Kosten über Laufzeit und -leistung, den technischen Daten, den flottenrelevanten Daten, der Ausstattung und den einmaligen Kosten beim Kauf – zusammen. Dabei erhalten die jeweils drei günstigsten Modelle eine grüne Markierung und die drei teuersten eine rote Markierung. Ebenfalls werden flottenrelevante Fakten wie die Dichte des Servicenetzes und die Garantiezeiten grün beziehungsweise rot markiert und dementsprechend bewertet. Die technischen Daten eines jeden Modells werden unter den Gesichtspunkten des Durchschnittsverbrauchs in l/100 km laut WLTP- Fahrzyklus (zurückgerechnet auf NEFZ-Werte), des CO2-Ausstoßes in g/km, der Reichweite in km sowie der Ladungsdaten – Kofferraumvolumen in l, maximales Laderaumvolumen in l und Zuladung in kg – beurteilt und entweder mit Grün für die drei Bestwerte beziehungsweise Rot für die drei schlechtesten Werte gekennzeichnet. Zusätzlich erhalten segmentspezi  sche technische Daten, wie beispielsweise die Anhängelast gebremst bei mittelgroßen SUV, eine entsprechende Grün-Rot-Bewertung.

Daneben wird eine besonders lange Laufzeit der Fahrzeuggarantie mit einem Pluspunkt respektive einer grünen Markierung hervorgehoben. Falls dienstwagenrelevanten Ausstattungsmerkmale nicht lieferbar sind, werden diese rot gekennzeichnet und dementsprechend gewertet. Eine grüne Kennzeichnung im Bereich Ausstattung kann aufgrund einer hohen Anzahl an serienmäßig verbauten dienstwagenrelevanten Ausstattungselementen beziehungsweise einer Mehrwertausstattung erzielt werden, ebenso erfolgt eine Negativwertung bei einer geringen Anzahl. 

Bereits zum zweiten Mal hat die Redaktion den Versuch unternommen, die Treibstoffkosten für Plug-in-Hybride realistisch darzustellen. Dabei legen wir einen konservativen elektrischen Fahranteil von 30 Prozent zugrunde und stützen uns auf die Strom- Verbrauchsangaben der Hersteller. Der verbleibende Fahranteil von 70 Prozent wird hybridisch absolviert – hier unterstellen wir ausgehend vom werksangegebenen Gesamtverbrauch (mit hohem elektrischen Fahranteil) den Faktor Fünf. Dieser Wert ist realistisch, wie wir auf unseren selbst durchgeführten Verbrauchsrunden über die letzten Jahre ermittelt haben. Die Hürde bei den PHEV, mehr Strecke elektrisch zurückzulegen, bilden nicht nur die teils geringen Akkukapazitäten, sondern ebenso mangelnde Lademöglichkeiten.

Dienstwagenrelevante Ausstattung im Segment der Kompaktklasse: 
• Rundum-Airbag-Schutz für Fahrer und Beifahrer (Front-, Kopf- und Seitenairbags) 
• adaptiver Tempomat 
• aktiver Bremsassistent 
• Bluetooth-Freisprechanlage 
• E-Call/Notrufsystem 
• Einparkhilfe 
• Klimaanlage 
• LED-Scheinwerfer 
• Smartphone-Integration 
• Navigationssystem 
• Rückfahrkamera 
• Lendenwirbelstütze 
• Sitzheizung vorn 
• Spurhalteassistent 
• Totwinkel-Assistent 
• Verkehrszeichenerkennung 

Mehrwertausstattung im Segment der Kompaktklasse: 
• elektrische Heckklappe 
• schlüsselloses Schließystem 
• volladaptive Scheinwerfer / LED-Matrixlicht 
• Regensensor 
• Head-up-Display