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Flottenmanagement: Herr Kemmerer, zuletzt hatten wir Anfang 2020 Gelegenheit, mit Ihnen im Rahmen eines Interviews zu sprechen. Wie hat sich der Bereich Flottenmanagement bei Mercedes-Benz Cars seitdem entwickelt? 

Frank Kemmerer: 2021 war ein komplettes Jahr unter den Bedingungen der COVID-19-Pandemie, wobei wir 2020 schon Erfahrungen im Umgang mit den neuen Herausforderungen gemacht hatten. Vor allem die Aufrechterhaltung des Kontakts und der persönlichen Kommunikation mit unseren Kunden steht dabei im Fokus. Der enge Austausch ist insbesondere in dieser Phase großer Veränderungen essenziell. Hierfür haben wir unser Team beispielsweise im Umgang mit Online-Videomeeting-Plattformen geschult, um dabei auch die Effizienz dieses Mediums insbesondere aufgrund des Verzichtes auf Fahrtzeiten und einer präziseren Kommunikation herauszuarbeiten. Gleichzeitig setzen wir in der Kommunikation mit den Kunden aber auch auf ein hybrides Modell, bei dem wir physische Kontakte, wo es sicher und sinnvoll ist, ermöglichen. Somit hat die Pandemie dazu geführt, dass wir die Kommunikation mit den Kunden sogar verbessern konnten. Aufgrund der Auswirkungen durch den gegenwärtig weltweit bestehenden Lieferengpass an bestimmten Halbleiterkomponenten kommt es derzeit zu Einschränkungen im Ausstattungsangebot bei verschiedenen Baureihen und zu längeren Lieferzeiten. Das ist eine weitere Herausforderung. Wir müssen deshalb früher in die Planung mit den Kunden gehen, um die Vorlaufzeiten anzupassen, die Leasingausläufer früher anzufragen, und diese neuen Prozesse in das Fuhrparkmanagement unserer Kunden implementieren. Erfreulicherweise stößt dieses Vorgehen bei unseren Kunden auf ein hohes Verständnis, da diese oftmals, genauso wie wir, von den weltweiten Auswirkungen der Pandemie betroffen sind und gemeinsam mit uns nach Lösungen suchen wollen, um die Mobilität aufrechtzuerhalten. 

Flottenmanagement: Mitte Juli dieses Jahres stellte Mercedes-Benz die Weichen für eine vollelektrische Zukunft. Könnten Sie kurz die Pläne beschreiben und welche Auswirkungen diese auch auf den Vertrieb haben? 

Frank Kemmerer: Unser Ziel ist und bleibt die emissionsfreie Mobilität. Bis 2039 ist unsere Ambition eine komplett CO2-neutrale Pkw-Neuwagenflotte. Dabei nutzen wir alle Möglichkeiten, um Emissionen schnell und nachhaltig zu verringern. Wir entwickeln neue und immer effizientere Antriebstechnologien und bringen sie auf die Straße. Als wichtigen Meilenstein auf dem Weg dahin haben wir uns das Ziel gesetzt, bereits im Jahr 2030 mehr als 50 Prozent des Pkw-Absatzes mit Plug-in-Hybriden oder rein elektrischen Fahrzeugen zu erzielen. Auf der diesjährigen IAA Mobility in München haben wir dazu die gesamte Bandbreite unseres aktuellen Elektromobilitäts- Portfolios gezeigt: vom Kompaktmodell über die Performance-Luxuslimousine bis hin zur Großraumlimousine. Wichtig ist uns dabei, den Weg zur emissionsfreien Mobilität gemeinsam mit unseren Kunden zu gehen. Durch ein breit gefächertes Portfolio elektrifizierter Fahrzeuge hat der Flottenverantwortliche die Möglichkeit, sich dem Thema Elektromobilität zu nähern und das passende Modell für das jeweilige Fahrprofil zu finden. Dank des hocheffizienten Batteriesystems, das nun auch in der neuen C-Klasse mit Plug-in-Hybrid verfügbar sein wird, bieten sich völlig neue Möglichkeiten elektrischer Mobilität: Rein elektrische Reichweiten von bis zu 100 Kilometern sowie sehr schnelles Nachladen über Gleichstrom. Mit den Dieselhybriden, die ebenfalls folgen werden, zeigen wir zudem, dass für Langstrecken ebenso effiziente Lösungen angeboten werden können und diese auch im Hinblick auf die Total Cost of Ownership (TCO) optimal einsetzbar sind. 

Flottenmanagement: Das Produktportfolio von Mercedes-Benz ist heute so breit gefächert wie noch nie und bietet neben Pkw-, SUV- sowie Van-Modellen auch mehrere elektrisch fahrende Modelle. Welches sind Ihre Topseller im Flottengeschäft und wie wird sich Ihrer Meinung nach der gewerbliche Markt weiterentwickeln? 

Frank Kemmerer: Der deutsche Markt selbst hat eine hohe Affinität zur Praktikabilität, weswegen nach wie vor die Kombiform, sei es in der C- oder E-Klasse, zu den beliebtesten Varianten gehört. Ergänzt wird dies durch den GLC beziehungsweise GLE, welche letztendlich ein ähnliches Platzangebot bieten. Hier ist zu erkennen, welche Trends sich auch in Hinblick auf Elektromobilität derzeit abzeichnen: So bieten wir ein C-Klasse T-Modell, das die klassischen Werte bietet und zugleich durchgängig elektrifiziert ist. Allein die rein elektrische Reichweite von etwa 100 Kilometern, ob als Benzin- oder später als Diesel-Plug-in-Hybrid, zeigt, welche Bedeutung diese Varianten haben werden. Auf der anderen Seite können wir rein elektrische Modelle wie den EQB oder EQC anbieten, die ebenfalls diese Praktikabilität besitzen. 

Flottenmanagement: Nachdem der EQS bereits Anfang dieses Jahres seine Premiere feierte und die Auslieferung Ende September begann, folgt mit der Markteinführung des EQE Mitte 2022 eine zweite Elektro-Limousine. Wie unterscheiden sich diese Modelle von ihren der Nomenklatur nach Geschwistern mit Verbrennungsmotor?

Frank Kemmerer: Beide EQ-Modelle basieren auf einer eigens dafür entwickelten Elektroarchitektur, die in jeder Hinsicht skalierbar und modellübergreifend einsetzbar ist: Radstand und Spurweite sowie alle übrigen Systemkomponenten, insbesondere die Batterien, sind dank des modularen Systembaukastens variabel. Das Fahrzeugkonzept ist damit für die Anforderungen einer zukunftsorientierten, batterieelektrischen Modellfamilie optimiert. Das spiegelt sich auch in den Reichweiten wider, von bis zu 660 Kiometer beim EQE und sogar bis zu 780 Kilometer beim EQS. Dadurch werden auch Einsatzbereiche möglich, für die in der Vergangenheit vollelektrische Fahrzeuge eher nicht berücksichtigt wurden. Zu erwähnen ist hierbei auch die Ladeleistung. Für das Laden mit Gleichstrom ist beim EQE ein DC-Schnellladesystem mit einer Ladeleistung von bis zu 170 kW an Bord. Durch Temperatur- und Lademanagement können hohe Ladeströme lange gehalten werden. Schon nach 15 Minuten ist Strom für bis zu weitere 250 Kilometer nachgeladen, beim EQS sind es in der gleichen Zeit sogar bis zu 300 Kilometer. Im Vergleich mit dem EQS weist der EQE einen um nur 90 Millimeter kürzeren Radstand auf, der vollständig den Passagieren zugutekommt: So übertreffen die Innenraummaße des EQE die heutige E-Klasse deutlich. Auch in puncto Aerodynamik gibt es viele Überschneidungen mit dem großen Bruder, dem EQS, der mit einem cw-Wert von 0,20 weltweit Spitzenreiter ist. Die aerodynamischen Vorteile tragen bei beiden Modellen ebenso zur Vermeidung von Vibrationen sowie Geräuschen und so zum exzellenten Fahrkomfort bei. Nicht zuletzt ist für den EQE ebenfalls der mit dem EQS vorgestellte MBUX Hyperscreen optional erhältlich, der das gesamte Cockpit und den Innenraum nochmals ästhetisch aufwertet.

Flottenmanagement: Welche Dienstleistungen bietet Mercedes-Benz Cars Flottenverantwortlichen und Dienstwagennutzern im Bereich Elektromobilität an? 

Frank Kemmerer: Das Thema Dienstleistungen beginnt immer bei den Finanzdienstleistungen, die wir mitunter im Bereich der Elektrofahrzeuge flexibler darstellen können. So bieten wir hier beispielsweise Abo-Modelle mit flexibleren Laufzeiten an, die den Einstieg in die E-Mobilität erleichtern und es ermöglichen, sich ohne längerfristige Verpflichtung mit der neuen Fahrzeugtechnologie auseinanderzusetzen. Ein weiterer, wesentlicher Aspekt im Bereich der Elektromobilität ist das Thema Laden. Hier bieten wir mit „Mercedes me Charge“ Lösungen für den privaten und kleingewerblichen Bereich an, um möglichst auch bei den Plug-in-Hybriden größtenteils elektrisch zu fahren. Für größere gewerbliche Kunden haben wir NewMotion als Partner mit an Bord, über den auch die Ladeinfrastruktur auf eine intelligente Art und Weise sowohl am Arbeitsplatz als auch zu Hause dargestellt und abgerechnet werden kann. Das betrifft dann auch die sogenannten Hybrid-Tankkarten, mit denen die Abrechnung von Kraftstoff und Ladestrom möglich ist. Der Wunsch nach höchster Transparenz ist etwas, womit Flottenkunden an uns herantreten – wir kommen dem gern nach. Abgerundet wird das Angebot mit dem Service „connect business“, worüber der Kunde sehr umfangreiche Auswertungen erhält, die teils auch kundenspezifisch programmiert werden.

Flottenmanagement: Seit März dieses Jahres ist die neue C-Klasse bestellbar. Welche Neuerungen und Ausstattungshighlights sind Ihrer Meinung nach besonders für Flottenkunden interessant? 

Frank Kemmerer: Die C-Klasse ist eine unserer volumenstärksten Baureihen und natürlich auch für das Flottengeschäft von entsprechender Bedeutung. Ich hatte das große Vergnügen, bei der Fahrvorstellung der neuen C-Klasse dabei zu sein, und so auch die Möglichkeit, das direkte Feedback einiger Flottenkunden einzuholen. Zu vernehmen waren unter anderem die positiven Rückmeldungen zur Weiterentwicklung des Designs, sowohl beim Exterieur als auch im Innenraum, sowie der Fahreigenschaften, nicht zuletzt auch durch die optional verfügbare Hinterachslenkung. Daneben sind natürlich die Total Cost of Ownership für Flottenkunden von enormer Bedeutung: Neben der Wertbeständigkeit der Fahrzeuge, die sich auch in den Leasingraten ausdrückt, bieten wir mit den Plug-in-Hybriden, zunächst als Benziner, später auch als Diesel-Plug-in-Hybrid, Fahrzeuge an, auf die Flottenkunden bereits sehnsüchtig warten. Natürlich ist die neue C-Klasse auch mit dem neuesten Mediasystem ausgestattet und verfügt über Mercedes me, worüber sich viele Funktionen im Fahrzeug über die Sprache steuern lassen. Kurzum: ein Fahrzeug zum Reinsetzen, Losfahren und Wohlfühlen.

Flottenmanagement: Von einem Premiumhersteller erwarten die Kunden auch Premiumservice. Welche Dienstleistungen bieten Sie hier für den Fuhrparkleiter und insbesondere auch für den Fahrer? 

Frank Kemmerer: Das Wichtigste im Dialog mit unseren Kunden ist und bleibt natürlich unser Handel vor Ort: Entsprechend sind unsere Ausbildungsprogramme so ausgelegt, dass jeder Verkäufer in der Lage ist, mit Businesskunden umzugehen. Darüber hinaus gibt es spezielle Qualifikationen für Flottenverkäufer, um sich im Umgang mit Flottenkunden zu professionalisieren. Durch dieses Konzept sind wir in der Lage, unseren Kunden für alle Bedarfe einen Ansprechpartner an die Hand zu geben. Wenn der Anspruch darüber hinausgeht, also der Kunde national und international agieren möchte, haben wir die Möglichkeit, dies kundenindividuell über ein zentrales Key-Account-Management abzudecken. Für diese individuellen Bedarfe haben wir unsere Marke „FlottenSterne“ etabliert. Dabei richten wir uns der Nomenklatur nach mit FlottenSterne 1+ an kleingewerbliche Kunden, FlottenSterne 5+ an mittelgroße gewerbliche Kunden, die mindestens fünf Fahrzeuge im Fuhrpark haben und drei Fahrzeuge pro Jahr abnehmen, sowie FlottenSterne 100+ an Fuhrparks in der Größenordnung von 100 bis 200 Fahrzeugen, die dann optional auch durch einen Key-Accounter betreut werden können. Ergänzt wird das Ganze durch unsere Servicekollegen, die mit „FleetSite“ eine Lösung für den Markt haben, worüber alle Serviceaufträge automatisiert koordiniert und klar abgerechnet werden können. 

Flottenmanagement: Gerade in den letzten Monaten – auch beeinflusst durch die COVID- 19-Pandemie – wird bei Unternehmen sowie Dienstwagennutzern der Ruf nach mehr Flexibilität, aber auch nach digitalen Angeboten immer lauter. Was bietet Mercedes-Benz Cars in diesen Bereichen und wohin geht der Weg aus Ihrer Sicht in Zukunft?

Frank Kemmerer: Wie bereits angesprochen bleibt der Handel für uns die absolut wichtigste Säule als Ansprechpartner vor Ort. Gleichwohl sich das Kundenverhalten geändert hat und die Kunden nun auch Angebote haben möchten, ganz unabhängig davon, wo sie sich befinden und über welches Medium sie mit uns in Kontakt treten. Damit setzen wir uns im Rahmen der Digitalisierung intensiv auseinander: Einen Online- Store für Privatkunden haben wir bereits erfolgreich installiert. In einem Projekt mit ausgewählten Flottenkunden sammeln wir zudem auch Erfahrungen über einen Online-Store für Businesskunden. Auch hier ist uns wichtig, unabhängig davon, wo der Kunde kauft, den Handel mit zu integrieren, sodass es auch möglich sein wird, nahtlos von einem Medium in das andere zu wechseln und hier den Kaufprozess abzuschließen. Diese Flexibilität erwartet der Kunde auch im Bereich der Laufzeiten: Eine Kaufsituation bietet natürlich maximale Flexibilität. Dennoch ist in den letzten Jahren der Leasinganteil weitergewachsen, wobei wir uns im Bereich einer Fahrzeughaltedauer ab 24 Monaten bewegen. Eine kürzere Haltedauer decken wir momentan speziell im Bereich Mercedes-EQ mit unseren Abo-Modellen ab. Wie bereits beschrieben, hat sich gezeigt, dass beim Einstieg in die Elektromobilität ein höherer Bedarf besteht, sich mit der Technologie vertraut zu machen.