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Flottenmanagement: Herr Mögelin, vor etwas mehr als zwei Jahren haben Sie die Wheelworld GmbH als Geschäftsführer übernommen. Welche Entwicklungen hat das Unternehmen seitdem vollzogen? 

Thomas Mögelin: Die Phase zwischen der Übernahme und dem Eintreten von Corona war relativ kurz. Dennoch haben wir parallel zu diesen neuen Herausforderungen unsere Strategie entwickelt und auch mit Nachdruck mit der Umsetzung begonnen. Vor allem das Thema Warenverfügbarkeit war von Beginn an eines der Kernthemen. Hier haben wir in den Vereinbarungen mit unseren Partnern und bei unseren internen Prozessen eine deutliche Verbesserung angestrebt. Die Auswirkungen von Corona in den Lieferketten lassen diese heute noch nicht sichtbar werden. Wir sind aber für die Nach-Corona- Zeit gut aufgestellt.

Flottenmanagement: Erst im Juni wurde bekannt, dass Sie das Unternehmen neu am Markt positionieren wollen. Welche Ziele hat die Neupositionierung und welche Änderungen folgen hieraus? 

Thomas Mögelin: Nach 20 Jahren in leitender Position im Vertrieb bei deutschen Premiumherstellern ist mir bewusst, wie wichtig die Marke und vor allem das Kundenversprechen als Basis für erfolgreiche Vertriebsarbeit ist. Diese Erfahrung galt es nun, auf ein im Vergleich kleines und feines Unternehmen zu übertragen.

Mit der Entwicklung unserer Strategie haben wir auch unsere Positionierung genau analysiert und entschieden, die Marken trennscharf zu positionieren. Der etablierte Name Wheelworld steht nun als Dachmarke für unsere gesamte Kommunikation – insbesondere auch bezogen auf Online-Content auf wheelworld.de. Damit ging bereits eine komplette Neugestaltung unseres Firmenauftritts inklusive Website einher. Entsprechend haben wir die Marke 2DRV („to drive“) geschaffen, die auch im Flottengeschäft die wesentliche Rolle spielen wird. Attraktive, moderne Designs werden hier gepaart mit hoher Anwendungsbreite auch für Hybridfahrzeuge und Elektroautos. Selbst für die Kategorie „Van“ (von Vito bis VW-Transporter) haben wir attraktive Designs mit hoher Traglast. AXXION hingegen wird zur reinen Design- und Tuningmarke. Somit haben wir die Voraussetzung geschaffen, unser Markenportfolio zukünftig noch zu erweitern, auch mit Produkten rund um das Rad. 

Flottenmanagement: Welche Auswirkungen hat die Neupositionierung auf das Geschäft mit Flotten- und Gewerbekunden? Wie unterscheidet sich Wheelworld hier vom Wettbewerb? 

Thomas Mögelin: Wir sind mit vielen unserer Handelspartner schon heute im Flottengeschäft vertreten. Mit der Marke 2DRV bieten wir eine sehr breite Designauswahl, die wir dem User-Chooser gerne zugänglicher machen möchten. Das geht natürlich mit einer entsprechenden Verfügbarkeit einher. Wir haben auch besondere Stärken in der Logistik und in der Beratung. Unsere Mitarbeiter stehen für jeden Flottenmanager zur Verfügung, um die optimale Lösung für den jeweiligen Fuhrpark zu finden. In der Abwicklung können wir sowohl mit verschiedenen Handelsketten/Händlern kooperieren als auch innerhalb von 24 Stunden an jeden beliebigen Werkstattpartner versenden.

Flottenmanagement: Insbesondere in Deutschland hat der Dienstwagen einen hohen Stellenwert in Bezug auf die Mitarbeitermotivation. Welchen Einfluss hat Ihrer Erfahrung nach der User-Chooser auf die Wahl von Rädern und Reifen in Unternehmen? Welche Entwicklungen und Trends sehen Sie hier? 

Thomas Mögelin: Die Frage ist doch, warum haben wir in Deutschland dieses Flottenmodell, das nahezu einzigartig ist? Weil gerade in Deutschland das Automobil immer noch Ausdruck des Erfolgs des Unternehmens, aber auch des einzelnen Beschäftigten ist: Es ist in den meisten Fällen Bestandteil der Entlohnung. Auch wenn jetzt die Entwicklung zum Plug-in-Hybrid oder Elektrofahrzeug geht, sind Design und Optik wichtige Kriterien für den User-Chooser. Leider hört der gute Eindruck in vielen Fällen beim Fahrzeug an sich auf. Beim Winterrad soll es dann das 17-Zoll-Rad in einfacher Optik „in Asphaltschneiderbreite“ tun. Das muss aus unserer Sicht nicht sein. Die Flotte als Aushängeschild des Unternehmens auf der Straße und als Motivation des Mitarbeiters kann auch in den Wintermonaten perfekt aussehen.

Der Spagat des Flottenmanagements zwischen den Ansprüchen der User-Chooser und den Vorgaben des Unternehmens hinsichtlich geringer Komplexität und Kosteneffizienz ist schwierig. Wir glauben aber, dass wir einen Beitrag leisten können, um beiden Seiten gerecht zu werden.

Flottenmanagement: Die bloße Bandbreite an Produkten und Services im Bereich Räder und Reifen ist überwältigend. Wie können Sie Fuhrparkverantwortliche und Dienstwagenberechtigte in diesem Bereich unterstützen? 

Thomas Mögelin: Wie oben schon kurz angesprochen gilt es, die Komplexität zu minimieren. Warum also nicht einmal direkt mit uns in Kontakt treten und mögliche Konzepte besprechen. Ich denke, die Festlegung auf Lieferanten, die ein breites Spektrum anbieten, kann hier helfen. So sind auch individuelle Konfiguratoren für Zubehör et cetera umsetzbar. Das gilt aus meiner Sicht für Felgen und Reifen gleichermaßen. Im Fahrzeugbereich werden die Rahmenbedingungen auch zwischen Hersteller und dem Unternehmen direkt besprochen, um dann im Prozess die Servicepartner einzubinden. Für solche Gespräche stehen wir zur Verfügung. Flottenmanagement: Mit dem Erscheinen dieser Ausgabe beginnt die Wechselsaison für Reifen. Welche Trends vernehmen Sie beim saisonalen Geschäft? Inwieweit unterscheidet sich hier der Gewerbekunde vom Privatkunden? Wie steht es aber auch um das Ersatzgeschäft?

Thomas Mögelin: Wir arbeiten ausschließlich im B2B-Bereich. Das Wintergeschäft wird nach unserer Einschätzung von zwei wesentlichen außergewöhnlichen Faktoren bestimmt werden: 
1. Die zurückgehenden Zulassungszahlen aufgrund des Engpasses bei Halbleitern 
2. Die eingeschränkte Warenverfügbarkeit aufgrund der Lieferkettenthematik auch in der Räderlieferung

Dies betrifft aber nach unserer Einschätzung auch einige Fahrzeughersteller, die in einigen Fällen auch keine passenden Winterräder für neue Modelle verfügbar haben.

Bei Privatkunden sieht es etwas anders aus. Hier profitieren auch wir von der hohen Zahl an Besitzumschreibungen. Bei seinem „neuen“ Gebrauchten ist der Privatkunde gerne bereit, in ein neues und dann brandaktuelles Felgendesign zu investieren. Hier sind wir in der glücklichen Lage, dass die Felge immer auch einen starken emotionalen Treiber bei der Kaufentscheidung darstellt. Das ist beim Reifen nicht gleichermaßen der Fall. Insgesamt geht der Trend sowohl beim Fahrzeugdesign als auch in der Nachrüstung zu großen Rädern. Selbst im Winter sind 19 Zoll bis 22 Zoll immer öfter zu vermarkten. Ein Blick auf die Designstudien und neuen Modelle auf der IAA zeigt, dass dieser Trend anzuhalten scheint.