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Flottenmanagement: Herr Czora, zuletzt hatten wir 2019, kurz bevor Sie Leiter Vertrieb an Großkunden wurden, Gelegenheit, mit Ihnen vor Ort zu sprechen. Wie hat sich der Bereich Vertrieb an Großkunden bei Volkswagen Nutzfahrzeuge seitdem entwickelt? Inwieweit konnten Sie Ihre Pläne umsetzen? 

Axel Czora: Die Zeit war vor allem im vergangenen Jahr von dem einen Thema geprägt, nämlich Corona. Für uns war es wichtig, den engen Kontakt zum Handel sowie zu den Kunden zu behalten und weiterhin an gemeinsamen Lösungen zu arbeiten. Im Großkundengeschäft haben wir zudem die internen Prozesse sehr genau angesehen und diese optimiert. Die Umstrukturierung unserer Vertriebszentrale war hier der Kern der Aktivitäten. Hierdurch ist es uns gelungen, im operativen Vertrieb über die Key-Account-Manager zusätzliche Kundenpotenziale zu erschließen – insbesondere beim Thema alternative Antriebe. 

Flottenmanagement: Wie in vielen anderen Bereichen kam es wegen der COVID-19-Pandemie auch in der Automobilbranche zu Beeinträchtigungen und Shutdowns. Welchen Einfluss hatten insbesondere die verschiedenen Lockdown-Phasen auf Ihr Geschäft und mit welchen Strategien sowie Maßnahmen haben Sie darauf reagiert? 

Thomas Schulz: Das Großkundengeschäft hat sich während der Lockdown-Phasen als eine stabile Säule im Vertrieb unserer Marke gezeigt. Das lag insbesondere auch daran, dass wir über die Zeit der Schließungen im Handel mit den Verkäufern den Kontakt aufrechterhalten haben und vermehrt über digitale Kommunikationswege das Geschäft fortgeführt haben. In den vergangenen Monaten hat sich zusätzlich das Thema der eingeschränkten Lieferfähigkeit belastend entwickelt. Die weltweite Knappheit an Chips, aber auch an anderen Zulieferteilen – auch durch die Auswirkungen der Pandemie – erschwert das Geschäft enorm. Wir haben bereits frühzeitig Abläufe installiert, die insbesondere bei Tenderprozessen eine Belieferung in einem für den Kunden akzeptablen Zeitraum sicherstellen sollen. Dies wurde und ist noch immer eine Herausforderung, die uns noch den Rest des Jahres weiter begleiten wird.

Flottenmanagement: Im März dieses Jahres wurde auf der Jahrespressekonferenz die Unternehmensstrategie GRIP2025+ bestätigt. Können Sie einmal kurz die Inhalte der Unternehmensstrategie GRIP2025+ erläutern und wie sich diese auf den Vertrieb auswirken? 

Thomas Schulz: Unsere Unternehmensstrategie basiert im Wesentlichen auf drei strategischen Handlungsfeldern: europäischer Marktführer bei Gewerbekunden, Premiumanbieter für Privatkunden und führender Anbieter von MaaSund TaaS-Systemen – als Mobility und Transportation as a Service. Zusammengefasst sind diese drei Elemente in unserem Markenleitbild: Wir transportieren Erfolg, Freiheit und Zukunft. Für uns im Großkundenvertrieb sind aktuell vor allem die ersten beiden Felder die wichtigen, in denen wir mit unseren Lösungen für unterschiedlichste Transportanforderungen Kunden überzeugen. Neben unseren eigenen Angeboten, insbesondere mit den digitalen Flottenservice- Angeboten, schauen wir zudem natürlich mit unseren Aufbauhersteller-Partnern, welche Auf- und Umbauten wir gemeinsam für unsere Kunden umsetzen können.

Flottenmanagement: Mit dem Amarok, Caddy, Crafter und Multivan/Transporter steht nahezu für jeden gewerblichen Bereich die passende Baureihe bereit. Auf welchen Hauptsäulen bezogen auf die Modellreihen steht das Flottengeschäft in Deutschland? Welche Branchen sind die Kernmärkte für die Nutzfahrzeugpalette von VW? 

Axel Czora: Wir bieten mit unserem Produktportfolio ein Sortiment an, das den sehr unterschiedlichen Bedürfnissen unserer Kunden entspricht. Absolut richtig. Insbesondere möchte ich auch hier nochmals auf die enge Zusammenarbeit mit verschiedensten Aufbauherstellern hinweisen. Zusammen mit unserer klaren Gewerbekundenorientierung im Großkundengeschäft haben wir unser Angebot an individuellen Branchenlösungen stark ausgebaut.

Gleichzeitig befindet sich der Markt insgesamt und damit auch unser Geschäft in einer tiefgreifenden Veränderung. Auch wir sind auf dem Weg zu emissionsarmen und lokal-emissionsfreien Fahrzeugen mit elektrifiziertem Antrieb. Unser Angebot wächst kontinuierlich. Der eCrafter ist im Markt, der neue Multivan kommt von Beginn an mit PHEV-Antrieb und im kommenden Jahr folgt dann der vollelektrische ID. BUZZ – sowohl als Nutzfahrzeugvariante Cargo als auch als People Mover für Privatnutzer. 

Flottenmanagement: Noch in diesem Jahr kommt das e-Bike Cargo und erweitert das Spektrum der klima- und ressourcenschonenden Mobilitätslösungen bei Volkswagen Nutzfahrzeuge weiter. Welche Bedeutung kommt der klima- und ressourcenschonenden Mobilität bei Volkswagen Nutzfahrzeuge allgemein zu? Inwiefern hat sich die Nachfrage nach elektrifizierten Modellen im Bereich Großkunden in den letzten Jahren verändert?

Thomas Schulz: Moderne Mobilität muss neben der klaren Lösungsorientierung für den Kunden – und damit meine ich Hard- und Software – immer auch den Aspekt nachhaltiger Mobilität erfüllen. Im Volkswagen Konzern steht dafür das Motto „Volkswagen Way to Zero“. Darunter fällt sowohl die Reduzierung des Einflusses auf die Umwelt während der Produktion als auch der lokal- emissionsfreie Betrieb. Unsere Kunden setzen sich ebenfalls intensiv mit dem Thema der Elektrifizierung auseinander. Und da kann auf der letzten Meile ein elektrifiziertes Lastenfahrrad unter Umständen die passgenaue Lösung sein. Gar keine Frage! Im Kundengespräch bekommen Themen wie Ladeinfrastruktur und Lastenmanagement sowie die Förderstruktur immer größere Bedeutung. Dem werden wir durch die Einbindung von Fachpersonal zum Elektrifizierungsthema oder auch bei der Unterstützung der Gesamtkostenberechnung gerecht. 

Flottenmanagement: Bereits Anfang 2020 wurde die nächste Generation des Caddy präsentiert. Welche Highlights bietet der neue Caddy auch für Dienstwagennutzer? Auf welche Neuerungen können sich Interessenten noch in diesem Jahr freuen? 

Axel Czora: Der komplett neue Caddy hat dank des aktuellen MQB-Baukastens aus dem Konzern innovative Assistenzsysteme für mehr Sicherheit und Komfort, vernetzte Infotainment- und digitalisierte Bediensysteme, die einmalig sind in seiner Klasse. Das neue Cockpit ist Top-Pkw- Niveau für ein Nutzfahrzeug, das Platzangebot ist enorm, Schiebetüren ermöglichen unkompliziertes Beladen, modernste Motorentechnik ist Standard. Ich könnte diese Liste noch lange fortführen (lacht). Diese ganzen Updates und Features wollen wir jetzt erst einmal im Markt etablieren. Der neue Caddy hat ein enormes Potenzial, gerade auch im Flotteneinsatz.

Flottenmanagement: Mitte Juni feierte die neueste Generation des Multivans ihre Weltpremiere. Auf welche Neuerungen sind Sie besonders stolz und weshalb? Ab wann dürfen sich gewerbliche Kunden über die Einführung der neuen Transportervariante (T7) freuen? Und mit welchen Besonderheiten wartet diese auf? 

Axel Czora: Hieß es bisher immer: „Ein Bulli für alle“, haben wir mit dem neuen Multivan einen Paradigmenwechsel eingeleitet – nämlich für jeden Kunden das passende Modell. Den T6.1 als Transporter werden wir weiterhin anbieten, der neue flexible Multivan startet dann mit Hybridantrieb und ab dem kommenden Jahr folgt der vollelektrische ID. BUZZ. Der neue Multivan kommt ebenfalls als komplette Neukonstruktion auf MQB-Basis mit innovativen Sicherheits- und Komfort-Updates. Sein Raumangebot bleibt weiterhin nicht nur groß, sondern enorm variabel. Hier gewinnt der neue Multivan mit innovativen Lösungen wie dem komplett verschiebbaren Tisch, der auch Mittelkonsole zwischen den Vordersitzen sein kann, deutlich hinzu. Zur Markteinführung im vierten Quartal wird es von Beginn an den Plug-in-Hybrid geben, mit dem wir im Großkundensegment insbesondere im User-Chooser-Segment Potenziale sehen. 

Flottenmanagement: Neben den Modellen ist auch der zu erwartende Service ein wichtiges Kriterium für den Flottenkunden. Welche Dienstleistungen bieten Sie hier für den Fuhrparkleiter, wie sieht die flottenspezifische Aufstellung in Ihren Niederlassungen und an den Vertriebsstandorten aus? Welchen Stellenwert nimmt die Zusammenarbeit mit VW Leasing sowie herstellerunabhängigen Leasinggesellschaften ein?

Thomas Schulz: Rund 200 Großkundenleistungszentren in ganz Deutschland bieten mit spezialisiertem Personal und modernen Prozessen die passende Unterstützung für die Belange unserer Kunden. Darüber hinaus gibt es neben dem klassischen Vertriebsaußendienst ein Team von Service-Key-Account-Managern, die das operative Geschäft bei Fragen rund um kundenindividuelle Servicethemen begleiten. So bieten wir unseren Kunden eine sehr breite und auch tiefgehende Unterstützung, zu jedem Zeitpunkt. Die Volkswagen Leasing ist zudem ein wichtiger strategischer Partner im Großkundengeschäft, das sich durch einen hohen Leasinganteil auszeichnet sowie eine große Anzahl an Servicebausteinen. Mit intelligenten digitalen Angeboten wie We Connect Fleet bieten wir unseren Kunden dann Lösungen für den Alltag. Sie sehen, wir haben ein starkes Netzwerk zur professionellen Ausgestaltung des Gesamtpaketes für unsere Kunden. 

Flottenmanagement: Mit dem neuen We Connect Fleet möchte Volkswagen Nutzfahrzeuge das Flottenmanagement für Fuhrparkmanager und Fahrer so einfach wie möglich gestalten. Was beinhaltet We Connect Fleet? Und inwieweit lassen sich diese Features in Modellen anderer Hersteller oder Bestandsfahrzeugen nutzen?

Axel Czora: Die Vernetzung von Flottenfahrzeugen mit digitalen Diensten ermöglicht es insbesondere auch den Betreibern kleinerer und mittlerer Flotten, auf Services zuzugreifen, die aktuelle Fahr- und Fahrzeugdaten über ein Webportal direkt an die Fuhrparkmanager liefern. Durch das Fuhrparkmanagementsystem We Connect Fleet greifen Fuhrparkmanager schnell und unkompliziert im neuen Webportal auf wichtige fahrzeug- und halterrelevante Daten zu. Fahrerinnen und Fahrer können mit der We Connect Fleet App zum Beispiel leichter Belege einreichen oder ein digitales Fahrtenbuch führen. Darüber hinaus bietet das System das proaktive Anzeigen von Warnmeldungen mit Weitergabe an den präferierten VWN Servicebetrieb. Und selbstverständlich ist We Connect Fleet mit Modellen anderer Hersteller kompatibel. Das ermöglicht der Leitung des Fuhrparks ein schnelles und flexibles Eingreifen im Bedarfsfall und trägt wesentlich zu einem reibungslosen Flottenbetrieb bei. 

Flottenmanagement: Gerade in den letzten Monaten – auch beeinflusst durch die COVID- 19-Pandemie – wird bei Unternehmen sowie Dienstwagennutzern der Ruf nach mehr Flexibilität, aber auch nach digitalen Angeboten immer lauter. Was bietet Volkswagen Nutzfahrzeuge in diesen Bereichen und wohin geht der Weg aus Ihrer Sicht in Zukunft?

Axel Czora: Einige der Themen haben wir ja gerade bereits besprochen. In der mittel- bis langfristigen Perspektive sprechen Sie mit Ihrer letzten Frage das dritte Element unserer Unternehmensstrategie an – den Bereich Mobility und Transportation as a Service. Wenn wir über Flotten sprechen, die teil- oder vollautonom Menschen oder Waren transportieren, eröffnen sich für die Betreiber solcher Flotten vollkommen neue Angebotsmöglichkeiten. Das wird dann die nächste große Veränderung der gesamten Branche sein, nach der aktuellen Transformation hin zur Elektromobilität.