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Golf GTI? Nein, GTE – interessanterweise leisten beide Varianten exakt 245 PS, womit gleich klargestellt wäre, in welchem Revier der Semi-Stromer wildert: richtig, im Sportler-Territorium. Doch im GTE trägt der Verbrenner nicht den ganzen Beitrag zum Output, dieser ist mit 1,4 Litern (150 PS) betont ökologisch. Schützenhilfe gibt es von einem immerhin 110 PS kräftigen Elektromotor, der mit Drehmoment nicht geizt. Um die rein elektrische Reichweite in einen praxistauglichen Bereich zu hieven, hat sich das Ingenieur-Team ins Zeug gelegt und die Kapazität der Traktionsbatterie von ehemals knapp neun auf jetzt 13 kWh angehoben. Damit sind rund 60 Kilometer lautlose Fahrt möglich, bis der Antriebsstrang in den hybridischen Modus umschalten muss. Was die beiden Aggregate dann genau tun, also wie sie vom elektronischen „Betriebsmanager“ zusammengeschaltet werden, davon merkt der Fahrer nichts. Als Kraftübertragung dient ein sechsstufiges Doppelkupplungsgetriebe, das sogar die Zugkraft der E-Maschine splittet.

Also nichts wie rein in den schlicht gehaltenen GTE, den die meisten Außenstehenden kaum als Power-Vehikel ausmachen dürften. Selbst die trapezförmigen Blenden im Stoßfänger als ästhetisches Designschmankerl fallen eher elegant aus und erinnern zwar daran, dass unter dem Blech noch ein konventionelles Herz schlägt. Aber Sportauspuff sieht definitiv anders aus. Auf den Druck des Startknopfs folgt nicht immer Maschinenton – je nach Ladefüllstand des Akkus und Betriebssituation schweigt der Direkteinspritzer oder springt eben an. Der Wählhebel ist längst zu einem kleinen Schalter geschrumpft, um ein bisschen mehr Platz in der Mittelkonsole zu schaffen. Vor der Fahrt noch schnell umschauen, und ja, auch der GTE trägt das traditionelle Stoff Karo, mit dem schon der Golf I sportiv angehauchte Innenarchitektur-Fans begeisterte. Allerdings sind die Sessel des GTE mehr Langstrecken-Fauteuils als Trackschalen, wenngleich durchaus straff, aber doch irgendwie auch bequem. Schließlich soll der Traditionswolfsburger Allrounder sein und kein Rennspezialist.

Aber als – Achtung, Wortwitz – Golf im Schafspelz könnte man den GTE schon irgendwie einstufen, steckt in ihm doch durchaus mehr Feuer, als das zurückhaltende Erscheinungsbild des reflexsilbernen Kompakten Glauben macht. So ist es keine besondere Kunst, die Pneus mit dem rechten Pedal zum Scharren zu bringen. Startet man die Beschleunigungsorgie von einem Geschwindigkeitspunkt aus, an dem Traktionsmangel kein Thema mehr ist, schiebt der Fronttriebler doch beflissen. Mit 6,7 Sekunden für den Standardsprint auf 100 km/h kann man heute zwar nicht mehr gegen die ganz Schnellen antreten, aber das Adjektiv „souverän“ alleine beschriebe den Antrieb nicht passend. Der Druck im Kreuz bei Abruf der maximalen Leistung ist schon markant, der GTE fühlt sich definitiv sportiv an. Und je nach Fahrmodus sorgt ein Soundmodul auch noch für angemessene klangliche Begleitung, so dass sportliche Fahrer ohne Zweifel auf ihre Kosten kommen. Entspannt dahincruisen kann er allerdings genauso gut.

Doch entscheidend ist hier ja die Frage, wie sich die automobile Allzweckwaffe im elektrischen Fahrbetrieb schlägt. Ein Verkehrshindernis ist man ohne Verbrenner jedenfalls nicht, schließlich sind 110 Pferdchen ja auch nicht ganz schwächlich. Und da der Stromer ja allenfalls für Richtgeschwindigkeit ausgelegt ist, passt die Übersetzung – heißt, er spielt sein Drehmoment unten herum gut aus. Ohne den Benziner operiert der GTE mit 330 Nm Zugkraft, was bedeutet, dass er immer noch quirlig ist. Geht der Strom zur Neige, kann mit bis zu 3,6 Kilowatt per Typ 2-Stecker geladen werden. Nach etwa dreieinhalb Stunden ist die Batterie wieder vollgeladen. Sicher, die Sinnhaftigkeit eines Plug-in-Hybriden steht und fällt mit dem Anwendungsbereich. PHEV-Kritiker müssen aber auch wissen: Wer über die Möglichkeit verfügt, zu Hause und/oder auf der Arbeit zu laden, kann es ganz klar schaffen, im Laufe des Fahrzeuglebens zehntausende Kilometer ohne Benzin zurückzulegen und auf diese Weise seinen Beitrag zur CO2-Reduktion zu leisten.

Technikaffine Fahrer dürften anfangs häufiger mal auf den großen Screen schauen, der im Golf 8 selbstverständlich das klassische Kombiinstrument mit mechanischen Anzeigen verdrängt hat. Hier gibt ein Balken nämlich Aufschluss darüber, ob der untere Mittelklässler gerade durch Abbremsen elektrische Energie zurückgewinnt oder powert. Doch keine Sorge, der konventionelle Drehzahlmesser hat noch lange nicht ausgedient und ist auch beim GTE am Start. Zur vielfältig konfigurierbaren Tachoeinheit (die für Nostalgiker natürlich auch die traditionellen Rundskalen bereithält) gesellt sich der große Zentral-Touchscreen, über den so ziemlich alle Fahrzeugfunktionen abgehandelt werden. Um das Maß an Modernität zu vervollständigen, arbeitet auch die Klimatisierung mit einem Hauch von Intelligenz und gehorcht auf Befehle wie „Füße wärmen“ oder „freie Sicht“. Es geht natürlich auch konventionell, indem man auf „Classic Climate“ tippt. Wem das alles ein bisschen zu wenig an Schaltertum ist, kann ja noch auf das Lenkrad ausweichen, wo man beispielsweise auch diverse Assistenz-Funktionen ansteuern kann.

Dass sich Volkswagen hier nicht lumpen lässt, ist ja klar. Es gibt alle erdenklichen Sicherheitsextras, zu denen freilich auch die komplette Klaviatur des assistierten Fahrens gehört. Wichtig ist aber auch, dass der aktive Tempomat beispielsweise sauber abgestimmt ist und sein Bremsverhalten harmonisch. So beschleunigt der Golf zackig wieder hoch, nachdem er die zuvor eingestellte Geschwindigkeit wegen des Spurwechsels eines anderen Verkehrsteilnehmers zurücknehmen musste und behindert den fließenden Verkehr nicht. Auch das automatisierte Herunterbremsen bis zum Stillstand gelingt völlig ruckfrei. Mindestens 35.243 Euro netto muss der GTE-Kunde bezahlen, bekommt aber von Hersteller und Staat gemeinsam 6.750 Euro Förderung. Attraktiv ist auch die Bemessungsgrundlage für die pauschale Versteuerung von Privatfahrten – sie beträgt hier nur 0,5 statt einem Prozent des Bruttolistenpreises. Überdies ist der GTE auch recht gut ausstaffiert mit autonomer Notbremsung, LED-Scheinwerfern, Parkpiepsern sowie Smartphone-Integration.