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Flottenmanagement: chargeBIG versteht sich als Corporate Start-up von MAHLE. Können Sie kurz beschreiben, wie chargeBIG in den MAHLEKonzern integriert ist und welche Ziele Sie verfolgen?

Nicole Heinrich: chargeBIG ist 2017 im Rahmen des MAHLE-Incubator-Programms entstanden. Das globale Programm motiviert MAHLE-Mitarbeiter, eigene Ideen für neue Geschäftsmodelle zu entwerfen, weiterzuentwickeln und am Markt zu erproben. Die Teams und Ideen, die sich dabei durchsetzen, werden durch die Geschäftsführung mit Ressourcen und Budget ausgestattet und als Corporate Start-ups in den Konzern integriert. Hier können sie agil und in kleinen Teams eigenständig an ihren Geschäftsmodellen arbeiten und gleichzeitig die Vorteile eines Großkonzerns in Bezug auf Know-how, Entwicklungsmöglichkeiten und Infrastruktur nutzen. chargeBIG hat sich mit seiner neuartigen skalierbaren Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge mittlerweile erfolgreich am Markt etabliert. Wir sind mittlerweile aus der Start-upRolle herausgewachsen und gehören fest etabliert zur Konzernmutter.

Flottenmanagement: Welche Vorteile bietet eine skalierbare Ladeinfrastrukturlösung Fuhrparks und deren Verantwortlichen? Welche Nutzungsszenarien lassen sich hieraus ableiten?

Nicole Heinrich: Die Vorteile unserer zentralisierten Ladeinfrastruktur liegen in der Skalierbarkeit. Statt einzelne Wallboxen oder Ladesäulen aufzubauen, können ganze Parketagen im Parkhaus oder viele Parkplätze im Außenbereich unkompliziert mit Lademöglichkeiten ausgestattet werden. Dabei sind die Kosten für Hardware und Netzausbau im Vergleich zu klassischen Wallbox-Lösungen geringer. Dazu kommt ein erheblicher Kostenvorteil in der jährlichen Wartung durch die Zentralisierung der Elektronikkomponenten im Ladeschrank. Unsere Ladelösung ist zukunftssicher, da sie erweiterbar ist und in mehreren Ausbaustufen installiert werden kann. Ebenso leistet unser System einen wesentlichen Beitrag zur Netzstabilisierung aufgrund der intelligent gesteuerten Ladepunkte und des dynamischen Lastmanagements.

chargeBIG ist eichrechtskonform, das heißt, die Abrechnung von Ladevorgängen entspricht den Anforderungen des deutschen Messund Eichrechts. Für den Nutzer ist eine Anbindung an die Transparenzplattform S.A.F.E. realisiert. Die Bedienbarkeit durch das fest montierte Ladekabel am Parkplatz und die Freischaltung per App ist sehr nutzerfreundlich. MAHLE chargeBIG bietet ein vollumfängliches Leistungsangebot aus einer Hand: neben Ladehardware, Beratung, Installation, Wartung und Service auf Wunsch auch den Betrieb der Infrastruktur. chargeBIG eignet sich überall dort, wo Fahrzeuge mit längeren Standzeiten ab vier Stunden geladen werden. Das sind zum Beispiel Firmenparkplätze, öffentliche Park&Ride-Parkplätze oder Logistikhubs, wo Fahrzeuge über Nacht geladen werden. chargeBIG ermöglicht das Nachladen der Pendlerstrecke von circa 50 Kilometern sowie die Elektrifizierung von 18 bis 100 oder mehr Stellplätzen an einem Standort.

Flottenmanagement: Die Elektrifizierung von Fahrzeugen nahm in den letzten Jahren auch durch die staatlichen Förderungen enorm zu. Welche Entwicklungen zeichnen sich für Sie mittel- und langfristig dabei ab? Welche Herausforderungen ergeben sich hieraus für Firmenfuhrparks und wie können Sie diese bei der Bewältigung dieser Herausforderungen unterstützen?

Nicole Heinrich: Wir sehen fahrzeugseitig einen Trend hin zu einphasigen Ladeleistungen, abhängig vom im Fahrzeug verbauten Ladegerät, sowie einen hohen Bedarf an AC- und DC-Ladeinfrastruktur. Mit Blick auf den AC-Bereich stellen wir fest, dass die Mehrzahl der Fahrzeuge nur mit bis zu 7 kW Ladeleistung ausgestattet ist und das 22-kW-Laden den Premiumfahrzeugen vorbehalten bleibt. Um Ladeinfrastruktur bezogen auf einen Anwendungsfall aufzubauen, ist es wichtig, alle Fahrzeugmodelle und deren Ladeverhalten im Blick zu haben. Wir sehen, dass parallel zu der Fahrzeugförderung auch attraktive Bundesoder Landesförderprogramme für den Aufbau von Ladeinfrastruktur angeboten werden. Firmenfuhrparkverantwortliche müssen sich nun neben der Kaufoder Leasingentscheidung für die unterschiedlichen Fahrzeugmodelle auch mit dem Aufbau von Ladeinfrastruktur auseinandersetzen. MAHLE chargeBIG kann hier unterstützen. Unsere Beratung umfasst die Wahl von passenden Förderprogrammen, den Bedarf an ACund DC-Ladeinfrastruktur, die Verwendung von Grünstrom beziehungsweise den Aufbau von Photovoltaik und Speichersystemen.

Flottenmanagement: Der Auf- und Ausbau von Ladeinfrastruktur am Firmenstandort kann mitunter ein teures Unterfangen sein. Welche Bedeutung kommt einer individuellen Beratung zur Ladeinfrastruktur zu? Welche Voraussetzung muss ein Firmenstandort für den Einsatz des chargeBIG-Ladesystems erfüllen?

Nicole Heinrich: Jeder Standort ist individuell. Daher führen wir vor Angebotsabgabe eine Vor-Ort-Begehung mit den ausführenden Elektrikern durch. Wir geben Empfehlungen ab, welche Stakeholder in die Entscheidung zum Ladeinfrastrukturaufbau einbezogen werden sollten, wo auf dem Firmengelände der Aufbau von Ladepunkten Sinn macht und welche technischen Gegebenheiten vorliegen müssen. Es gilt zu klären, ob der Ladeschrank im Innenoder Außenbereich aufgestellt wird, ob Bedarf an Fundamenten oder an Tiefbauarbeiten besteht und wie der Kabelweg umsetzt werden soll. Auch die Integration in die Gebäudeleittechnik oder in ein Energiemanagement sowie die Einbindung der Ladeinfrastruktur in das Brandmeldesystem müssen berücksichtigt werden. Diese Informationen fließen in eine Angebotserstellung ein und werden in einer Installationsplanung dokumentiert, um ein potenzielles Projekt effizient und auf Basis der vereinbarten Rahmenbedingungen realisieren zu können.

In Bezug auf den Netzanschluss gilt, dass mindestens 2 kW Ladeleistung an Kapazität pro elektrifizierten Stellplatz verfügbar sein sollte. Üblicherweise ist maximal ein Drittel der Flotte zeitgleich vor Ort. Dazu kommen die Fahrzeuge zu unterschiedlichen Zeiten dort an. Das bedeutet, dass sie in der Regel mit 4 bis 7 kW laden.

Flottenmanagement: Könnten Sie in einem kurzen typischen Szenario die Projektierung einer Ladeinfrastruktur beginnend von der Beratung über die Installation und Nutzung der Ladeinfrastruktur bis hin zur Abrechnung und zu weiterführenden Services wie Lade-App und Roaming beschreiben?

Nicole Heinrich: Nach der Vor-Ort-Begehung, der Angebotsabgabe und dem Verhandlungsprozess wird ein Projekt beauftragt und geht damit in die Phase der Projektierung über.

Für diese setzen wir zum Teil auf erfahrene Partner oder auf eigene Projektmanager im chargeBIG-Team. Die Projektierung umfasst die Zeitplanung sowie die Koordination der ausführenden Parteien wie Elektriker und Tiefbauer und baut auf der Installationsplanung aus der Vor-Ort-Begehung auf. Die Zugänge zum Gelände, Sperrungen und die Anlieferung von Material werden geplant. Die Installation wird in der Regel bei einem vollausgerüsteten Ladeschrank mit 36 Ladepunkten in zwei Wochen realisiert, danach wird die Anlage abgenommen. Ab diesem Moment sind die Ladepunkte nutzbar. Abrechnungsdienstleistungen, das heißt die Anbindung an das Backend, die Freischaltung per chargeBIG-Lade-App über einen QR-CodeScan oder NFC und eRoaming sind auf Wunsch realisierbar und in der Regel zum Zeitpunkt der Abnahme umgesetzt. Wenn der Kunde erst zu einem späteren Zeitpunkt weitere Services von chargeBIG wünscht, wie zum Beispiel auch Wartung oder Support, so können wir diese flexibel innerhalb des Projekts anbieten. Der Kunde kann sich aber auch entscheiden, bestimmte Services selbst durchzuführen, oder einen Dritten beauftragen.

Flottenmanagement: Im März gab chargeBIG bekannt, dass die Ladelösung das Zertifizierungsverfahren beim Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V. (VDE) erfolgreich durchlaufen hat. Was bedeutet in diesem Zusammenhang „eichrechtskonform“ und welche Vorteile ergeben sich hieraus für Ihre Kunden?

Nicole Heinrich: MAHLE chargeBIG hat das Zertifizierungsverfahren beim VDE im März erfolgreich abgeschlossen. chargeBIG kann nun mit Unterstützung der jeweiligen Landeseichbehörde eichrechtskonform abrechnen. Als erster Anbieter in Deutschland bietet chargeBIG seinen Kunden zudem die Möglichkeit, das Laden per Zählerfortschrittsanzeige eichrechtskonform auf dem Smartphone mitzuverfolgen. Über die chargeBIG-Lade-App können entsprechend vorgerüstete Ladepunkte via QR-Code-Scan oder NFC freigeschaltet werden. Die Abrechnung erfolgt über die gängigen Zahlungsmittel. Die App bietet dem wiederkehrenden Nutzer die Möglichkeit, ein Nutzerkonto zu erstellen und Zahlungsmittel zu hinterlegen. Dadurch kann der Ladevorgang mit wenigen Klicks gestartet werden. Für Flottenkunden, Besucher oder das Laden von Dienstwagen beim Arbeitgeber bietet die chargeBIG-Lösung auch Zugangscodes zur Freischaltung und Kostenstellenverrechnung an. Wir freuen uns darüber, dass viele Kunden uns in den letzten Monaten ihr Vertrauen geschenkt und die eichrechtskonforme Vorrüstung gleich mit bestellt haben. Jetzt können wir diese nun leicht aufrüsten.