PDF DOWNLOAD

Flottenmanagement: Herr Krumnikl, seit Oktober 2020 verantworten Sie die Abteilung Gewerbekunden- und Gebrauchtwagenstrategie. Mit welchen Plänen sowie Vorstellungen sind Sie an diese Position herangetreten und auf welche Erfahrungen können Sie hierbei zurückgreifen? Was versteckt sich in diesem Zusammenhang hinter „Hyundai Promise“? 

Tobias Krumnikl: Für mich persönlich war es nach 13 Jahren bei einem deutschen Automobilhersteller der erste Wechsel zu einem anderen Unternehmen. Daher waren die ersten Wochen vor allem dadurch geprägt, sich mit den neuen Strukturen und Prozessen vertraut zu machen und das Team kennenzulernen. Durch den zweiten Lockdown und die damit einhergehenden Reisebeschränkungen wurde dann aber das eigentlich geplante Kennenlernen der Handelspartner deutlich erschwert. Dies hoffe ich nun bald nachholen zu können, denn gerade die Beziehung zu den Händlern ist im Vertrieb von enormer Bedeutung. Im Bereich Flotte lag das Hauptaugenmerk zunächst auf den Fleet Business Centern: Das dahinterstehende Konzept haben wir nochmals effizienter gestalten können, um die gewerblichen Kunden mit deren Bedürfnissen in den derzeit 48 Fleet Business Centern besser abholen zu können. Diese Aktualisierung und Überprüfung des Konzepts erfolgt jährlich. Im Bereich Gebrauchtwagen stand die Maximierung der Effizienz im Vordergrund. Ein Eckpfeiler unserer Gebrauchtwagenstrategie ist das erwähnte „Hyundai Promise“: Dabei handelt es sich um ein seit Sommer 2020 europaweit verfügbares Gebrauchtwagenprogramm, das dem Kunden flächendeckend Komfort, Sicherheit, Transparenz und Vertrauen beim Kauf von gebrauchten Hyundai-Fahrzeugen vermitteln soll. Um dies zu gewährleisten, gibt es ein sogenanntes Neun-Punkte-sorglos-Paket, welches unter anderem Leistungen wie Gebrauchtwagengarantie, Umtauschrecht und Probefahrt beinhaltet, aber auch ein Alleinstellungsmerkmal unserer Gebrauchtwagenmarke umfasst: Das Batteriezustands-Zertifikat, was den Käufern von gebrauchten elektrifizierten Modellen nochmals mehr Vertrauen in diese ermöglicht. In Deutschland ist „Hyundai Promise“ aktuell bei 115 Händlern implementiert. 

Flottenmanagement: Wie in vielen anderen Bereichen kam es wegen der COVID-19-Pandemie auch in der Automobilbranche zu Beeinträchtigungen und Shutdowns. Welchen Einfluss hatte insbesondere der zweite Shutdown auf Ihr Geschäft und mit welchen Strategien sowie Maßnahmen haben Sie darauf reagiert? 

Tobias Krumnikl: In der zweiten Welle hatte man natürlich den Vorteil, wenn man dies so sagen kann, dass man ein paar Erfahrungen aus dem ersten Lockdown gewonnen hatte. Daher haben wir sehr schnell nochmals den Handel unterstützt, um weiterhin dessen Liquidität sicherzustellen. Gleichermaßen haben aber auch der Hyundai Online-Showroom, den wir seit Februar letzten Jahres betreiben, sowie das Thema Online-Leasing dazu beigetragen, den Kontakt zum Kunden aufrechtzuerhalten. Natürlich profitiert der Handel zusätzlich davon, dass Kunden per Click & Meet unter Einhaltung der geltenden Bestimmungen auch in das Autohaus kommen konnten. Unterm Strich gelang es uns so, die Neuzulassungen im zweiten Halbjahr 2020 auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums zu halten. Auch der Marktanteil lag Ende 2020 mit 3,6 Prozent auf Vorjahresniveau. Der Jahresbeginn 2021 war im Flottengeschäft mit minus 3,9 Prozent nur leicht unter Vorjahresniveau, wohingegen der Gesamtflottenmarkt ein Minus von 13,9 Prozent verzeichnet. Betrachtet man den Anteil der Flottenzulassungen an den Hyundai-Gesamtzulassungen in Deutschland, dann können wir im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar ein Plus von 5,9 Prozent vermelden.

Flottenmanagement: Angefangen beim Kleinstwagen i10 über den kompakten i30 mit seinen verschiedenen Derivaten bis hin zum großzügigen Santa Fe bietet das Portfolio von Hyundai eine Vielzahl von flottenrelevanten Modellen. Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Nachfrage im Großkundenbereich nach bestimmten Segmenten verändert? Welche Modelle sind Ihre Topseller im Gewerbekundenbereich?

Tobias Krumnikl: Im Gesamtmarkt ist eine deutliche Entwicklung hin zu alternativen Antrieben zu beobachten, die sich auch im Gewerbekundenmarkt zeigt. Über alle Hersteller hinweg ist der Marktanteil der alternativen Antriebe im vergangenen Jahr auf 24,7 Prozent gestiegen. Aufgrund unserer fortschrittlichen Modellpolitik und des vielfältigen Angebots liegen wir mit einem Anteil der alternativen Antriebe von 30,7 Prozent deutlich darüber. Insbesondere die batterieelektrischen Fahrzeuge trugen anteilig mit 15,2 Prozent dazu bei. Im Gesamtmarkt lag der Anteil an batterieelektrischen Fahrzeugen lediglich bei 6,7 Prozent. Und wir gehen davon aus, dass dieser Trend 2021 noch deutlich ausgeprägter sein wird: So beläuft sich der Anteil bei den alternativen Antrieben in den ersten beiden Monaten 2021 auf 68,2 Prozent. Modellseitig war der Kona mit 41 Prozent unser mit Abstand erfolgreichstes Modell in der Flotte im vergangenen Jahr. Darauf folgten i30 und Tucson mit jeweils rund 16 Prozent. Wie bereits angesprochen, ist die Nachfrage der Flottenkunden nach alternativen Antrieben enorm: 65 Prozent entschieden sich beim Kona für die rein elektrische Variante. Das sind beste Voraussetzungen für die Plugin- Hybrid-Varianten des Santa Fe und des Tucson, die noch im Frühjahr in den Markt eingeführt werden. Das gilt auch für den IONIQ 5, der in der zweiten Jahreshälfte zu den Händlern kommt und bereits jetzt auf enormes Interesse bei Flottenkunden stößt.

Flottenmanagement: Mit „IONIQ“ geht nun eine neue Submarke von Hyundai an den Start. Können Sie kurz beschreiben, was sich hinter diesem Markennamen verbirgt? Wie gestaltet sich der Vertrieb dieser Marke im Großkundenbereich? 

Tobias Krumnikl: Mit „IONIQ“ ist neben „N“ für unsere Hochleistungsmodelle eine zweite Submarke unter der Dachmarke Hyundai entstanden. Der Name „IONIQ“ setzt sich dabei aus den Begriffen „ION“ sowie „UNIQUE“ zusammen. Dies weist auch darauf hin, um was es bei „IONIQ“ geht: um einzigartige und zugleich zeitlos elegante batterieelektrische Modelle. Mit dem IONIQ 5 kommt in diesem Jahr das erste von drei bereits publizierten Modellen auf den Markt. Alle Modelle basieren auf der Electric Global Modular Platform, kurz E-GMP, welche für schnelles Aufladen der Hochvoltbatterie und sehr große elektrische Reichweiten steht. Die ungeraden Zahlen hinter dem IONIQ bedeuten, dass es sich bei dem Modell um ein SUV handelt; gerade Zahlen stehen hingegen für Limousinen. Somit handelt es sich bei IONIQ 5 und 7 um SUV. Mit dem IONIQ 6 steht im kommenden Jahr eine rein elektrische Limousine bei den Händlern. Der Vertrieb der IONIQ-Modelle ist ganz regulär in die Vertriebsaktivitäten von Hyundai eingebunden.

Flottenmanagement: Ende Februar feierte der IONIQ 5 als erstes Modell der Marke IONIQ seine Weltpremiere. Welche Zielgruppen möchten Sie mit dem Elektro- CUV ansprechen? Was hält der IONIQ 5 für den Dienstwagennutzer bereit?

Tobias Krumnikl: Beim IONIQ 5 handelt es sich um ein mittelgroßes SUV, das auf dem Elektro-Konzept 45 basiert und eine Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft schlagen soll. Der IONIQ 5 ist dank fortschrittlicher Technologie für die Zukunft bereit: Die 800-Volt- Technologie ermöglicht bei fünf Minuten Ladedauer eine Reichweite von 100 Kilometern und über die Augmented-Reality- Funktion können alle wichtigen Informationen auf einer Fläche von 42 Zoll direkt in das Sichtfeld des Fahrers eingeblendet werden. Damit spricht der IONIQ 5 eine Kundenklientel an, die hohes Interesse an Digitalisierung, Komfort, Ökologie und auch Ökonomie hat. Die Preise beginnen bei 41.900 Euro brutto, was dazu führt, dass Kunden in Kombination mit der staatlichen Innovationsprämie und dem Herstelleranteil einen IONIQ 5 mit sehr guter Serienausstattung bereits für 32.330 Euro brutto bekommen. Dies macht ihn natürlich auch sehr interessant für Dienstwagenberechtigte, die zusätzlich von der 0,25-Prozent-Besteuerung profitieren und ein langstreckentaugliches Fahrzeug mit einer sehr guten Serienausstattung bekommen.

Flottenmanagement: Mit dem neuen Kona, Santa Fe und Tucson wurden kürzlich gleich drei Modelle präsentiert, die sich mit neuem und ausdrucksstarkem Design deutlich von ihren Vorgängern unterscheiden. Welche Bedeutung kommt dem Fahrzeugdesign heutzutage zu? 

Tobias Krumnikl: Die Bedeutung zeigt sich insbesondere bei der vierten Generation des Tucson, die der neuen Hyundai-Designphilosophie „Sensuous Sportiness“ folgt und den Erfolg der Modellreihe fortschreiben möchte. Diese Philosophie soll den Fahrzeugen ein unverwechselbares Aussehen verleihen und gleichzeitig einen emotionalen Wert für die Kunden schaffen. Natürlich bleiben weiterhin klassische Attribute wie Alltagstauglichkeit und Preis- Leistungs-Verhältnis gewahrt. Das Fahrzeug ist bei Design und Technik State of the Art. Ich bin überzeugt, dass wir damit auch Gewerbekunden überzeugen: Als einziger Hersteller bietet Hyundai alle Antriebsarten in Serie an – seien es 48-Volt-Hybride, Hybridfahrzeuge, Plug-in- Hybride, batterieelektrische Fahrzeuge oder auch Brennstoffzellenfahrzeuge – zusätzlich zu den Verbrennervarianten. Insbesondere mit den Plug-in-Hybriden, die ab dem zweiten Quartal für Santa Fe und Tucson verfügbar sind, können wir Dienstwagenfahrer überzeugen, auch aufgrund der Förderungen von diesen Modellen.

Flottenmanagement: Ein erfolgreiches Flottengeschäft ist heute nicht allein von der Modellpalette abhängig. Es gehören ebenso Aufbau und Pflege von Beziehungen zu Flottenkunden dazu wie ein ausgetüfteltes Rahmenprogramm in den Bereichen Full-Service-Leasing, Garantiebedingungen und Finanzdienstleistungen. Was bietet Hyundai hier von Haus aus im Einzelnen an? 

Tobias Krumnikl: Ein wichtiger Baustein ist die eingangs beschriebene Professionalisierung der 48 Fleet Business Center. Daneben begleiten auch drei erfahrene Distriktleiter Flotte den Handel vor Ort und treten mit Direktkunden in Kontakt. Unerlässlich für ein erfolgreiches Flottengeschäft ist es meiner Meinung nach, alle Services aus einer Hand anzubieten: Durch die Übernahme der Sixt Leasing seitens der Hyundai Capital Bank Europe möchten wir dies in Zukunft sicherstellen und unseren Kunden eine vollumfängliche  Servicepalette anbieten, ganz gleich um welche Beschaffungsform es sich handelt. Nicht zuletzt ist aber auch die Garantie ein wichtiges Argument im Kontakt mit Gewerbekunden. So verfügen alle Modelle über eine Garantie von fünf Jahren; batterieelektrische Fahrzeuge wie der Kona Elektro sogar über acht Jahre auf Batterie und Fahrzeug. Das Ganze gilt natürlich ohne Kilometerbeschränkungen. Damit können wir nicht nur bei den Restwertprognosen punkten, sondern auch bei der Wiedervermarktung. 

Flottenmanagement: Gerade in den letzten Monaten – auch beeinflusst durch die COVID- 19-Pandemie – wird bei Unternehmen sowie Dienstwagennutzern der Ruf nach mehr Flexibilität, aber auch nach digitalen Angeboten immer lauter. Was bietet Hyundai in diesen Bereichen und wohin geht der Weg aus Ihrer Sicht in Zukunft?

Tobias Krumnikl: In der Tat wünscht der Kunde flexiblere Mobilitätslösungen und das hat Hyundai sehr frühzeitig erkannt. So haben wir im Oktober 2020 gemeinsam mit ViveLaCar das Hyundai Auto Abo eingeführt. Hierüber können die Hyundai-Vertragshändler ihre Fahrzeuge im Abo anbieten und denjenigen Kunden, die sich vielleicht noch nicht langfristig an ein Fahrzeug binden wollen, ein entsprechendes Angebot machen. Ende 2020 nahmen bereits rund 200 Händler daran teil; Tendenz steigend. Damit eröffnet sich aber auch eine neue Zielgruppe für uns im gewerblichen Umfeld: Dienstwagenberechtigte, die zeitweise an anderen Orten eingesetzt werden, sowie Mitarbeiter in der Probezeit. Mit unserem Telematikdienst Bluelink in all unseren neuen Modellen und insbesondere im IONIQ 5 können Fahrer viele Fahrzeugfunktionen bereits aus der Ferne steuern, wie beispielsweise das Starten des Ladevorgangs. Der nächste Schritt werden Softwareupdates „over the air“ sein, um das Angebot von Bluelink zu erweitern. Ein weiterer Baustein, auf den ich eingehen möchte, ist der Hyundai Online-Showroom: Seit Februar 2020 bieten wir eine Online-Fahrzeugberatung an. Vier Beraterinnen und Berater informieren gleichzeitig täglich von 10 bis 22 Uhr Interessenten zu den Hyundai-Modellen; dies geschieht teilweise in Eins-zu-eins-Beratungen, aber auch mit mehreren Interessenten gleichzeitig. Hierüber ergaben sich bis Ende 2020 rund 2.900 Gespräche sowie etwa 1.150 qualifizierte Leads an den Handel, was dort sehr positiv bewertet wurde. Damit arbeiten wir für den Kunden auch in puncto Digitalisierung sehr eng zusammen mit dem Handel.