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Sportbrake, so umschreibt Jaguar die nutzwertigere Form des XF – klingt edel und bedeutet ja schließlich auch, dass der Brite hinsichtlich Praktikabilität mehr kann als die natürlich nicht minderschicke Limousine. Im Jahr 2021 macht Jaguar XF-kaufwilligen Menschen die Entscheidung etwas leichter; dass die Sechszylinder entfallen, soll unsere Zielgruppe nicht stören, in der Flottenbetrachtung liegt der Schwerpunkt schließlich auf Effizienz. Und das soll keineswegs bedeuten, dass der XF jetzt schwächlich den Händlerhof verlässt. Mit dem renovierten Zweiliter- Vierzylinderdiesel hält auch eine 48 Volt-Komponente Einzug in den oberen Mittelklässler – ab sofort gibt es also einen Riemen-Startergenerator, der den Selbstzünder nicht nur geschmeidig und blitzschnell anwirft, sondern auch auf die Kurbelwelle boostet – so merzen die Ingenieure die systembedingte Anfahrschwäche aus, knapp über Leerlaufdrehzahl spricht eben auch der flexibelste Turbolader noch nicht an. Exakt 204 PS liefert das klassischerweise längs eingebaute Powerpack an die Hinterachse.

Damit steht der Kombi auf dem Papier hinreichend gut im Futter – und in der Praxis? Gemach, gemach. Entern wir den Gentleman und lassen doch zunächst wirken, was die Architekten optimiert haben. Edle Materialien und wertige Verarbeitung können sie bei Jaguar. Hier haben die Kreativen feine Werkstoffe wie Hölzer und Leder zu einem ansehnlichen Gesamtkunstwerk zusammengefügt. Aber Moment! Vollständig wird es erst mit dem neu geschaffenen Touchscreen, der jetzt tabletartig zwischen Lüftungsdüsen und Klima-Bedieneinheit sitzt. Hierfür spendiert Jaguar 12,3 Zoll – er lässt sich gut bedienen und sieht richtig stylisch aus, doch dazu später mehr. Und das ist noch nicht alles – anschmiegsames Leder ist nicht nur optisch fein, sondern fühlt sich überdies gut an. Und als gehobener Mittelklässler muss der XF schließlich Langstrecken-Qualitäten liefern, da ist das Mobiliar immerhin ein wichtiger Baustein – wenn auch einer von vielen. Das Raumangebot geht ebenfalls klar, darüber muss man angesichts der Kategorie nicht mehr diskutieren.

Also zum Antrieb: Klar, vier Zylinder klingen in einem noblen Gefährt immer ein bisschen nach Geräusch-Kompromiss – aber der gelingt hier ausgezeichnet, weil die Techniker sorgfältig gedämmt haben. So treten die Motortöne schnell in den Hintergrund, und überhaupt muss der Zweiliter nie hoch drehen: Sein Drehmoment-Plateau erreicht der Commonrail zwischen 1.750 und 2.500 Touren – dann wuchtet er 430 Newtonmeter Richtung Getriebe. Damit ist die auf Wunsch flink arbeitende Achtgang-Automatik im Alltag gar nicht gefordert, großartig herumzuschalten, sie muss es nämlich nicht. Der kultiviert werkelnde Diesel zieht den Kombi bärig jede Steigung hinauf, fällt nicht mehr ab, sobald er auf dem Zugkraft-Gipfel steht. Bei Bedarf sprintet der mit klassischem Hinterradantrieb ausgerüstete Brite innerhalb von 7,8 Sekunden auf 100 km/h und kehrt seine moderat sportive Seite heraus. Mehr braucht es nicht für einen souveränen Antrieb, der XF ist auf den Punkt genau motorisiert und bildet damit einen harmonischen Mittelweg aus erschwinglichem Budget und angemessener Fortbewegung. 

Apropos harmonisch: Gekonnt bügeln die XF-Dämpfer schlechte Straßen glatt – vor allem überrollt der Kombi auch hartnäckige Verwerfungen wie jene auf frostgebeutelten Nebenstraßen oder Querfugen betont sanft.

Außerdem stattet Jaguar den Sportbrake serienmäßig mit einer luftgefederten Hinterachse aus, was zu einem weitgehend gleichen Fahrverhalten bei unterschiedlichen Beladungszuständen führt. Und viel einladen soll ein Kombi ja schließlich – das fast 1.700 Liter betragende maximale Laderaumvolumen sollte ja nicht ungenutzt bleiben. Und obwohl der XF Sportbrake nutzwertig wie komfortabel ist, bleibt er ein fahraktives Auto, zoomt sich auch mal beflissen durch die Kurven bekannter Mittelgebirgsstraßen. Jetzt darf der Achtstufen-Wandlerautomat beim Wechseln seiner Übersetzungen einen Zahn zulegen, was er gerne auch tut, ohne dabei an Diskretion einzubüßen. Der Druck bei voller Beschleunigung aus dem Kurvenausgang reicht dabei aus, um alle Passagiere inklusive Fahrer zufrieden zu stimmen, ohne die 20-Zöller der 255er-Serie an der Hinterachse zu überfordern.

Dem Thema Überforderung müssen sich Konstrukteure moderner Autos insbesondere bei der Innenraumgestaltung annehmen. Denn die Funktionalitäten sind so komplex geworden, dass stets ein Spagat zwischen einem Überangebot an Schaltern und der Tiefe des Bedienermenüs nötig wird. Jaguar löst die Bedienungs- Problematik mit einem separaten Modul für die Klimaautomatik. Doch der neu eingeführte, große Screen lacht die vorderen Mitfahrer an und schreit danach, berührt zu werden. Tatsächlich haben die Macher gelernt, ihr Infotainment also drastisch verbessert. Nicht nur, dass beispielsweise die Navigation jetzt in Windeseile das angeforderte Ziel berechnet, man findet Features inzwischen einfach intuitiv. Was komplex aussieht (und auch ist), braucht kaum mehr als wenige Minuten, um durchdrungen zu werden – jedenfalls gilt das für die alltäglichen Einstellungen. Darüber hinaus haben die Gestalter das Cockpit ästhetisch weiterentwickelt – die Oberflächen wirken jetzt deutlich nobler, und aus dem Drehschalter für die Automatik wurde ein mit feinem Leder bespannter Wählhebel. 

Wer sich für den XF Sportbrake als Diesel entscheidet, bekommt bereits für netto 45.663 Euro ein recht üppig ausgestattetes Fahrzeug. Autonomer Bremsassistent, Bluetooth-Freisprechanlage, LED-Scheinwerfer, elektrische Heckklappe, Rückfahrkamera mit Abstandswarnern und Tempomat sind serienmäßig. Mit steigenden Ausstattungslevels nimmt dann entsprechend auch die Fülle der Features zu – selbstverständlich ist der XF auch mit einem aktiven Tempomat lieferbar, der die Längsführung des Fahrzeugs übernimmt, also ohne Zutun des Fahrers beschleunigt und bremst. Zu den cleveren für den XF verfügbaren Goodies zählt übrigens der so genannte „Activity Key“ (366 Euro netto) – hierbei handelt es sich um ein Armband, das man umlegen und damit das Auto verriegeln kann, während Schlüssel und Wertsachen im Auto verbleiben. Ideal, wenn man seinen Wagen am Strand oder Freibad parkt, um mit dem wasserdichten Armband schwimmen zu gehen und niemanden benötigt, der in der Zwischenzeit auf sein Hab und Gut aufpasst.