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Flottenmanagement: Herr Hansen, Herr Peltzer, Frau Busch, Sie sind mit Ihren Unternehmen schon lange Jahre am Markt. Welche Entwicklung hat das Schadenmanagement, das die Consense GmbH und die LPS-Service-Center-Gruppe betreiben, allgemein in dieser Zeit durchlaufen? 

Rainer Hansen: Anders als die Peripherie rund um den Schaden (Software, Schnittstellen, Prüfdienstleister) ist das Schadenmanagement aus meiner Sicht noch immer ein einfach erklärtes Konstrukt mit durchaus komplexen Inhalten. Schadenmanagement bedeutet ja nicht einfach, ein Auto zu reparieren. Die Aufgabe eines jeden Schadenmanagers sollte es sein, einen Schaden so zu steuern, dass er für alle Beteiligten möglichst wenig Aufwand macht und er für niemanden zum „Schaden“ verkommt. Dazu zählt in erster Linie, den Geschädigten dort emotional abzuholen, wo er ist: an seinem kaputten Fahrzeug und in dem Zustand, dass nach einem Unfall der Tag und die Woche hinüber sind. Erst danach sollte das Fahrzeug in den Fokus rücken. Reparatur und Beschaffung von Ersatzmobilität – ich denke, das ist heute ebenso aktuell wie vor zehn Jahren. Natürlich setzen wir auch auf digitale Hilfe mit Apps und Software. Aber im Vordergrund steht bei uns der Mensch. Für den Flottenmanager und Fuhrparkbetreiber ist der Umfang der Pflichten, um einen Fuhrpark zu unterhalten exponentiell gestiegen. Gesetzliche Anforderungen wie Führerscheinkontrolle, UVV oder Fahrerunterweisung gepaart mit dem steigenden Digitalisierungsdruck gleichen oft der Quadratur des Kreises. Daher besitzen heute viele Fuhrparkverantwortliche auch die Qualifikation als Fuhrparkmanager. Immer häufiger kommt daher das sogenannte Third-Party-Management zum Tragen. Dieser Umstand prägt auch uns als Dienstleister mit. Somit werden die immanente Prozessschadenbearbeitung und die Steuerung innerhalb des Schadenmanagements ebenfalls komplexer. Wir setzen daher schon von Beginn an auf einen möglichst hohen Grad der Digitalisierung und eine Ubiquität unserer Dienstleistung. Nicht nur der Kunde muss uns von überall erreichen können – auch wir müssen überall für den Kunden erreichbar sein und remote arbeiten können. Die Abwicklung war weiterhin während des ersten und zweiten Lockdowns für uns geräuschlos möglich – vom „Normal“ in den Lockdown- Zustand.

Detlef Peltzer: Als wir vor 20 Jahren mit der LPS gestartet sind, haben wir uns auf Leasingrückläufer in Autohäusern spezialisiert. Damit sind wir gewachsen und konnten ein Netz von eigenen und Partnerbetrieben aufbauen. Wir haben eine eigene Lackiertechnik entwickelt, das Premium Smart Repair, die wir uns haben schützen lassen. Klassisch ist das Smart Repair, bei dem kleine Flächen in DIN-A4-Größe ausgebessert werden. Bei größeren Stellen bessert ein Lackierer beispielsweise die ganze Seite eines Fahrzeugs aus. Unsere Technik kann mehr, denn wir können diese größeren Stellen zum Beispiel mitten auf der Tür genau bearbeiten, nicht mehr und nicht weniger als nötig, und mit originalgetreuem Endergebnis. Denn Fakt ist, dass das Fahrzeug die jeweiligen Rücknahmekriterien erfüllen muss, wenn es zur Leasinggesellschaft zurückgeht. Genau darauf haben wir uns spezialisiert – dies zu erreichen. Wir kennen alle Schadenkataloge und dieses Know-how geben wir mittels Schulungen an unsere Betriebe weiter.

Flottenmanagement: Der Netzwerkgedanke, den Consense und die LPS-Service-Center-Gruppe beim Full-Service-Schadenmanagement verfolgen, hat sich bereits in der Schadenmeile widergespiegelt. Nun haben die beiden Unternehmen ihre Synergien gebündelt. Welches Ziel verfolgen Sie gemeinsam? 

Rainer Hansen: Die Idee der Schadenmeile kam, um ehrlich zu sein, einfach zu früh, als der Schadenmarkt noch sehr großzügig geclustert war. Jede Art von Schaden und alle arrondierenden Dienstleistungen rund um das Fahrzeug hatten allein für sich stehend ihre Berechtigung. Das unter einem Dach zu bündeln war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefragt. Die oben erwähnte Komplexität der einzelnen Dienstleistungen führte jedoch dazu, dass immer mehr Kunden nach zusätzlichen Dienstleistungen gefragt haben. Diesen Anfragen aus dem Markt können auch wir uns selbstverständlich nicht verschließen, wir bleiben jedoch in erster Linie Schadenmanager mit primärem Fokus auf die Bearbeitung von Fahrzeugschäden aller Art.

Detlef Peltzer: Rainer Hansen und ich haben uns immer mal wieder bei Veranstaltungen getroffen und uns ausgetauscht. Irgendwann haben wir festgestellt, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben, was unser Geschäft angeht. Deshalb haben wir beschlossen, unsere Synergien zu bündeln und eine Partnerschaft einzugehen, auch oder eher sogar weil wir Mitbewerber sind. Zusammen können wir die Zielgruppe besser angehen und je nach Kundenanforderungen aufteilen. Die Consense ist stärker auf das Schadenmanagement und die Schadensteuerung spezialisiert, die LPS-Service-Center-Gruppe hat ihre Kernkompetenz seit 20 Jahren in der Bearbeitung von Leasingrückläufern. Dabei sind andere Abläufe und Prozesse wichtig: Welche Schadenkataloge gelten? Wie muss das Fahrzeug bewertet werden? Wie muss man im jeweiligen Fall mit Minderwerten umgehen? Am Ende muss die Qualität der Instandsetzung mindestens dem Standard „sach- und fachgerecht“ entsprechen. Und darin sind wir mittlerweile Experten.

Anfang 2021 geht also unser neues Netzwerk O.N.E (Only Network Established) an den Start. Denn wir haben gemerkt, dass es nicht nur darum geht, als Schadenmanager große Schäden zu steuern, sondern dass der Kunde Unterstützung braucht bei der Aussteuerung von Fahrzeugen, sei es an Leasinggesellschaften oder auch bei Kaufflotten. Dabei wenden wir uns an kleine und große Flotten, bearbeiten kleine und große Schäden. Durch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren haben sich die Unternehmen Consense und die LPS-Service-Center-Gruppe auf ein eigenes und unabhängiges bundesweites Premium-Netzwerk verständigt. Im Fokus steht hier die bundesweite Einsteuerung von Leasingrückläufern und sämtlicher Unfallschäden. Weit über 200 Karosserie- und Lackier-Betriebe (K & L) werden diesem Netzwerk angehören, die alle nach dem Premium-Standard arbeiten, den wir ansetzen. 

Angelika Busch: Beide Unternehmen ergänzen sich perfekt: das klassische Unfallschadenmanagement der Consense wird durch die Arbeiten von LPS vervollständigt durch Leasingrückgaben und Kleinstreparaturen. Aufträge in der Regulierung oder in der Abwicklung, Buchhaltung et cetera übernimmt die Consense und umgekehrt die LPS bei Leasingrückläufern und Smart-Repair- Aufträgen. Damit sind wir in der Lage, große Schäden zu bewältigen, Leasingfahrzeuge zu bewerten und auch Schäden innerhalb der Laufzeit zu bearbeiten. Vermittelt werden die Arbeitstechniken und Trainingsinhalte im LPS-eigenen Schulungszentrum in Neuss. 

Flottenmanagement: Mit welchen Partnern arbeiten Sie zusammen?

Rainer Hansen: Die Consense hat sich bewusst für eine strategische Partnerschaft auch mit BASF entschieden, da diese unter anderem in herausfordernden unternehmerischen Zeiten ein verlässlicher Partner für uns war und ist. Dem Ansatz folgend möchten wir das entgegengebrachte Vertrauen selbstverständlich ausbauen und gemeinsam mit der BASF auch im Gesamtmarkt DACH ein verlässliches Schadenmanagement aus einer Hand anbieten. Essenziell für unsere Arbeit, und das kommt mir persönlich oft zu kurz, ist das Handwerk der Karosseriebauer und Lackierer. Der ganze Schadenmanagementmarkt greift auf jenes Handwerk zu, vergisst aber leider allzu häufig, dass dieses der Kern unseres Geschäfts ist. Daher setzen wir von der Gründung über das Heute und die Zukunft auf eine faire Bezahlung und Behandlung. Wenn sich dies nicht überall durchsetzt, so wird der fehlende Nachwuchs in der Branche uns alle vor ein dauerhaftes Problem stellen. Erwähnen möchten wir ausdrücklich auch das leider viel zu oft vergessene Gewerk des Autoglasers. Von der reinen Funktion eines Windschutzes bis hin zum vollständig vernetzten Bauteil der heutigen Fahrzeuge. Glasklar ist Junited Autoglas hier unser gesetzter Partner. 

Flottenmanagement: Die Digitalisierung ist das Mittel dieser Zeit, Prozesse zu beschleunigen und gleichzeitig transparenter und revisionssicher zu machen. An welchen Weiterentwicklungen arbeiten Sie für die nähere Zukunft?

Rainer Hansen: Für die oben erwähnten Prozesse, die für den Kunden unmerklich ablaufen, nutzen wir natürlich auch digitale Technik. Das ist eine Kombination aus Automatisierung und Künstlicher Intelligenz. Dazu haben wir extra ein Unternehmen gegründet, Mobilis, das eine Software passgenau für unsere Anforderungen entwickelt hat. Die Anforderungen haben uns unsere Kunden genannt, die wir alle einzeln befragt haben. Zu 90 Prozent konnten wir die Wünsche unterbringen. Zum Beispiel, dass alle wesentlichen Kennzahlen und Informationen, die der Kunde braucht wie Schadenquotenentwicklung, laufende Schäden, Schadenvolumen, Vorjahresvergleiche et cetera auf dem Dashboard erscheinen. Dazu kommen dann noch ein moderner Look sowie hohe Benutzerfreundlichkeit. In unserem überschaubaren Team können wir zudem schnell reagieren und Änderungen umsetzen, wenn es nötig ist. Das ist ebenfalls wichtig, wenn es um Software geht, aber auch bei vielen anderen Entscheidungen.