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Sicherheit 
Kritiker der motorisierten Tretroller hatten befürchtet, dass es zu einer Vielzahl folgenreicher Verkehrsunfälle kommen wird, wenn die Kleinstfahrzeuge erst einmal auf den innerstädtischen Straßenverkehr losgelassen würden. Zugegeben, auch innerhalb der Flottenmanagement- Redaktion gab es einige Stimmen, die vor einer nicht abzuschätzenden Gefahr warnten. Seit Januar 2020 werden Unfälle mit einem E-Scooter in den bundesweiten Statistiken separat erfasst und widerlegen die Aussagen der Skeptiker. Im ersten Quartal 2020 gab es laut dem Statistischen Bundesamt 251 Unfälle mit Personenschäden, in die mindestens ein E-Scooter verwickelt war. Dabei gab es 39 Schwerverletzte und einen getöteten Fahrer, 182 blieben leicht verletzt. Im gleichen Zeitraum kam es zu 12.727 Verkehrsunfällen mit Fahrrädern. Gleichwohl Fahrräder deutlich verbreiteter sind, häufiger genutzt werden und damit längere Strecken zurückgelegt werden, zeigt der Vergleich der Unfallstatistiken, dass das E-Scooter-Fahren per se kein höheres Unfallrisiko birgt als beispielsweise Fahrradfahren. Dennoch warnt Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands bei DEKRA und Vizepräsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR): „Das Zusammentreffen unterschiedlicher Verkehrsteilnehmer mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf engem Verkehrsraum birgt Risiken. Deshalb muss jeder, der sich im Straßenverkehr bewegt, die Regeln kennen. Mit unseren Vorschlägen wollen wir einen Beitrag für mehr Sicherheit im Umgang mit E-Scootern leisten.“ In diesem Kontext haben der DVR und die DEKRA elf Vorschläge zur Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr veröffentlicht, die der DVR auch in seiner Kampagne „Roll ohne Risiko“ zum Thema Sicherheit beim E-Scooter-Fahren aufgreift. Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass das Unfallrisiko nicht allein am Fahrzeug selbst festgemacht werden kann und es eher eine generelle Aufgabe der Verkehrsplaner ist, schwächere Verkehrsteilnehmer besser zu schützen.

Umwelt 
Die Verleiher von E-Scootern erheben mit ihrer Geschäftsidee den Anspruch, die urbane Mobilität umweltfreundlicher und staufreier zu gestalten. Diese Annahme zu bestätigen oder zu widerlegen ist nicht ganz so einfach, denn die Umweltbelastung durch die Kleinstfahrzeuge setzt sich aus vielen verschiedenen Faktoren zusammen. Neben der CO2-intensiven Produktion, dem Laden und der Entsorgung der Akkus von E-Scootern ist es aber vor allem der Fahrtgrund, der Kritikern eine Grundlage bietet, E-Scootern eine schlechte Umweltbilanz auszustellen. Eine Grundannahme der Befürworter ist es nämlich, dass die Fahrt mit einem E-Scooter die Kurzfahrt mit den Pkw ersetzen könne. An diesem Beispiel zeigt sich jedoch das, was Experten den Rebound-Effekt nennen: Demnach verschlechtert sich die tatsächliche Umweltbilanz eines theoretisch sauberen Verkehrsmittels durch ein verändertes Nutzerverhalten. Am Beispiel der E-Scooter lässt sich beobachten, dass ein gewisser Prozentsatz an Fahrten allein durch das Vorhandensein der Roller entsteht, durch sogenannte Spaßfahrten oder das Zurücklegen von Strecken, die ansonsten zu Fuß zurückgelegt worden wären. Ähnliche Effekte konnte man bereits beim Thema Carsharing beobachten. So steigen ÖPNV-Nutzer für bestimmte Strecken auf Carsharing-Modelle um und verschlechtern damit die reale Umweltbilanz von Carsharing-Systemen. Das Umweltbundesamt (UBA) schätzt, dass Rebound-Effekte durchschnittlich etwa 10 bis 30 Prozent der möglichen Einsparungen durch energieeffiziente Technologien wieder aufheben. Im Falle eines breiteren Mobilitätsangebots wird also auch deutlich mehr Mobilität in Anspruch genommen.

Haben die Kritiker der E-Scooter also bei der schlechten Umweltbilanz der elektrischen Tretroller recht behalten? Ja und nein müsste die Antwort lauten. Tatsächlich dürfte die CO2-Belastung durch die neue Mikromobilitätsform nicht drastisch gesunken sein, wie im Übrigen im gesamten Verkehrssektor nicht, und das trotz sparsamer Motoren, Carsharing und Ähnlichem. Dennoch können E-Roller eine sinnvolle Ergänzung im urbanen Mobilitätsmix der Zukunft sein. Die Herausforderung besteht darin, die einzelnen Verkehrsmittel miteinander zu verknüpfen. So können sich E-Scooter und der ÖPNV ergänzen, wenn die Verkehrsmittel aufeinander abgestimmt sind. Damit würde sich der Rebound-Effekt verringern. Entscheidend für den Erfolg von Verkehrsmitteln ist, dass deren Nutzung für die Menschen bequem und schnell ist. Dazu bedarf es einer entsprechenden Infrastruktur, die das Nutzerverhalten in gewisser Weise lenkt.

Flottentauglich? 
Aus Sicht der Unternehmensmobilität stellt sich die Frage, ob die Kleinstfahrzeuge flottentauglich sind. Der Bundesverband Fuhrparkmanagement e. V. (BVF) riet aus Sicherheitsgründen von einer dienstlichen Nutzung der neuen E-Scooter in einem Statement kurz nach Erscheinen der Gesetzesnovelle ab. Auch der stellvertretende Leiter des Geschäftsbereichs Prävention der Berufsgenossenschaft Verkehr, Dr. Klaus Ruff, betonte 2019: „Die Elektrokleinstfahrzeuge fallen unter den Anwendungsbereich der Betriebssicherheitsverordnung und der Unfallverhütungsvorschrift Fahrzeuge. Sie müssen somit auch regelmäßig geprüft und in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden.“ Ist diese Form der Mikromobilität also gänzlich ungeeignet in der Unternehmensmobilität? Nicht zwingend: Für große Hotelanlagen und im Werksverkehr sind solche Fahrzeuge sicherlich interessant. Auf Dienstreisen und für Pendler können Verleihsysteme genutzt werden. Bei allem kommt es allerdings auf eine gute Organisation und Planung an.