PDF DOWNLOAD

Flottenmanagement: Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum! Wie blicken Sie auf das letzte Jahrzehnt zurück? Welche besonderen Ereignisse können Sie hervorheben? Was macht den Verband so wertvoll für seine Mitglieder? 

Marc-Oliver Prinzing: Es freut mich sehr, dass der Verband von der Gründung bis heute eine so positive Entwicklung genommen hat: Wir haben mittlerweile rund 500 Verbandsmitglieder, eine Vielzahl an Förderern und europaweite Kooperationen mit anderen Verbänden. Wertvoll für unsere Mitglieder ist es, ein Teil des Netzwerks zu sein, Zugriff zu haben auf einen Wissenspool, der schon allein fast alle fachlichen Fragen des Berufsalltags eines Fuhrparkleiters beantworten kann. Außerdem bekommen insbesondere Berufseinsteiger Impulse und Ideen beim Erfahrungsaustausch unter Gleichgesinnten. 

Axel Schäfer: Wir schaffen als Verband eine Plattform, auf der sich die Fuhrparkleiter auf neutralem Boden vernetzen und austauschen können. Hinzu kommt eine sehr große Nachfrage nach Schulungen und Fortbildungen. Besonders stolz waren wir über die erste Prüfungsordnung für die Ausbildung zum zertifizierten Fuhrparkmanager/-in (Dekra) in Deutschland. Das war ein fast revolutionärer Qualitätsschub und neuer Branchenstandard.

Flottenmanagement: Welche Auswirkungen hat die aktuelle Corona-Krise auf Ihre Verbandsarbeit? Wie lässt sich Netzwerkpflege betreiben, wenn persönliche Kontakte nur eingeschränkt möglich sind? 

Marc-Oliver Prinzing: Für die Fuhrparkbranche und die Wirtschaft insgesamt ist die Pandemie in der Tat ein harter Einschnitt. Zunächst hatten wir viel damit zu tun, aufkommende Fragen zu bündeln und Antworten beziehungsweise Hilfestellungen zu geben. Losgelöst von der gesamten Dramatik dieser wohl einschneidendsten Krise seit Jahrzehnten sind wir als Verband bisher vergleichsweise glimpflich davongekommen. Dies liegt vor allem daran, dass wir lange vor der Krise bereits digitale Strukturen geschaffen haben und diese auch gelebt haben. Als relativ kleiner Verband, der aber mittlerweile europaweit tätig ist, bleibt es nicht aus, digital zu arbeiten. Ein gutes Beispiel ist das 25. Verbandsmeeting, das nun erstmals vollständig digital abgehalten wurde. 

Axel Schäfer: Unsere Mitglieder kennen unsere digitalen Strukturen. Von einem einfachen Rundschreiben bis hin zu unserem Fortbildungsund Wissensangebot mit Blended-Learning- Angeboten und Webinaren ist alles digital abrufbar. Diese Strukturen konnten wir relativ einfach um Web-Meetings und Webkonferenzen während der Zeit der Kontaktbeschränkungen ergänzen. Wir werden dieses digitale Angebot im kommenden Jahr noch deutlich erweitern. Einen ersten Schritt haben wir mit dem Onlinekurs rund um die gewerbliche Nutzung der Elektromobilität, Fleetricity, bereits gemacht. 

Flottenmanagement: Wie schätzen Sie die Entwicklung der betrieblichen Mobilität in Sachen alternative Antriebe, Dienstreisen und New Mobility ein? Welche Trends lassen sich derzeit ausmachen?

Marc-Oliver Prinzing: Viele Unternehmen ebnen gerade den Weg für die Integration von alternativen Antrieben in der Flotte. Insbesondere Plug-in-Hybride sind derzeit ein großes Trendthema der Fuhrparkbranche. Angesichts der aktuellen Corona-Lage werden die Dienstreiserichtlinien in vielen Fällen überarbeitet. Man kann davon ausgehen, dass ein nachhaltiges Umdenken in den Unternehmen einsetzt, was die Vermeidung von Dienstreisen betrifft. Gerade jetzt nutzen viele Unternehmen die Krise als Chance, ihre internen Prozesse wie das Travelmanagement, die Car-Policy oder Ähnliches zu überarbeiten. Wir merken das an dem Austausch der Mitglieder untereinander, aber auch an den Anfragen an uns. 

Axel Schäfer: Digitalisierung, Wertewandel und ökologische Anforderungen verändern auch das Mobilitätsmanagement der Unternehmen. Es gibt schon viele innovative Möglichkeiten, was fehlt ist das Bewusstsein bei den möglichen Nutzern, die Technologie auch heute schon einzusetzen. 

Flottenmanagement: Welche Ziele haben Sie sich mit dem Verband mittelfristig gesetzt? Welche Themen werden die Verbandsarbeit in den nächsten Monaten bestimmen? 

Marc-Oliver Prinzing: Wir wollen weiter attraktiv sein für unsere Mitglieder und viele neue Fuhrparkleiter für uns begeistern. Je mehr wir sind, desto wichtiger wird unsere Stimme und desto besser können wir gemeinsame Ziele erreichen. Das Jubiläum nehmen wir zum Anlass, unser Profil zu überprüfen und zu schärfen.

Axel Schäfer: Ein spannendes Thema kann ich bereits ankündigen: Gemeinsam mit der europäischen Föderation, die Fleet and Mobility Management Federation Europe (FMFE), die wir auch unterstützen, führen wir das European Certificate for Sustainable Mobility Management (ECSM) ein. Das ECSM bietet die Möglichkeit, den Unternehmensfuhrpark hinsichtlich seiner Nachhaltigkeit zu analysieren und dies auch zu dokumentieren und zu zertifizieren. Der Standard wird noch 2020 offiziell vorgestellt.