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Volvos neue Modellbezeichnungen mögen zunächst verwirren, sind aber schnell aufgeklärt. So steht das „B“ wohl für „Batterie“, das wäre jedenfalls eine Variante, die man sich merken kann. Nicht mehr so einfach von außen erkennbar ist, ob es sich dabei um einen Benziner oder Diesel handelt (beides möglich), weil die Modellbezeichnung diese Information nicht mehr hergibt. Der hier besprochene V60 B5 trägt jedenfalls einen Vierzylinder-Benziner mit zwei Litern Hubraum unter der Motorhaube und gibt 250 PS auf die Vorderachse ab. Dazu kommen 14 PS und 40 Nm Boost-Drehmoment aus der Elektromaschine des integrierten Startergenerators. Der Fahrer merkt von dieser Technik allerdings nur indirekt etwas: Nämlich, dass der Benziner nicht mehr orgelt beim Anlassprozess – denn der starke E-Motor zieht die Maschine blitzschnell hoch, so dass er nur noch „anploppt“. Vorteil ist, dass man an der Ampel schneller wegkommt, zumal der Elektromotor auch noch mit seiner Zugkraft auf die Kurbelwelle wirkt, wenn der Benziner in Ermangelung an Drehzahl noch keine Puste entwickelt.

Zudem erkennen feinfühlige Autofahrer, dass das Bremspedal eine andere Charakteristik aufweist. Das liegt an der inzwischen eingesetzten „by Wire“- Technologie, bei welcher der Pedalwiderstand lediglich simuliert wird. Grund hierfür ist der Wechsel zwischen Rekuperation und Reibbremse. Zunächst einmal wird die Bremsleistung nämlich über Energierückgewinnung erzeugt, erst bei stärkerer Verzögerung kommen die Bremsbeläge zum Einsatz, was übrigens deren Verschleiß vermindert und sich in barer Münze auszahlt. Ansonsten ist der Mittelklasse-Kombi technisch konventionell gestrickt, überträgt seine 350 Turbo-Newtonmeter per geschmeidiger Achtgang- Wandlerautomatik und liefert somit die für das Segment gebotene Souveränität. Schon bei niedriger Drehzahl schiebt der Schwede füllig, und wer das rechte Pedal zu hurtig tiefer drückt, stellt die Vorderreifen auf eine Probe und bringt sie rasch an ihre Traktionsgrenze. Wer es darauf anlegt, fährt schon nach weniger als sieben Sekunden Landstraßentempo.

Doch fast noch ein Quäntchen relevanter beim V60 sind Sitze und genereller Fahrkomfort. Immer wieder aufs Neue frappieren Volvos anschmiegsame Ledersitze, die wahrlich durch feinen Langstrecken-Komfort auffallen. Je nach Ausstattungslinie verfügen diese (gegen 579 Euro netto Aufpreis) auch noch über eine Massagefunktion, um Ermüdung auf langen Distanzen vorzubeugen. Wer noch 756 Euro netto im Budget hat, sollte die elektronisch verstellbaren Dämpfer wählen, um das Fahrwerk auf spezielle Bedürfnisse anpassen zu können. Im sportlichen Modus bereitet der mit 4,78 Längenmetern ausgesprochen erwachsene Skandinavier viel Fahrfreude auf kurvigen Strecken, während er bei „Comfort“-Stellung den sanften Gleiter mimt, obwohl er auf potenten 19-Zoll-Rädern mit 40er Niederquerschnitt steht. Das zurückhaltende Geräuschlevel sogar jenseits von Richtgeschwindigkeit trägt zusätzlich zum Komfort bei und schafft eine soziale Atmosphäre, in der man sich mit allen Passagieren unterhalten kann, ohne die Stimme sonderlich anheben zu müssen.

Beim Thema Infotainment zieht Volvo alle Register – der große Touchscreen lädt ja geradezu ein, ihn fleißig zu bedienen, zumal er die meisten physischen Tasten ersetzt. Es gibt einen Internetzugang, und darüber dürfen die Nutzer beispielsweise aus dem schier unendlichen Programm des Webradios schöpfen. Ohne Frage bietet die Mittelklasse serienmäßig eine Bluetooth-Freisprechanlage und ein nützliches Head-up-Display, für das der Kunde allerdings 1.008 Euro netto extra bezahlen muss. Auch das Navigationssystem muss zusätzlich eingekauft werden, und zwar für exakt den gleichen Betrag. Dafür fallen die mechanischen Anzeigen im Kombiinstrument unweigerlich weg und werden durch einen Monitor ersetzt, der über 30 Zentimeter in der Diagonalen misst und alle für den Fahrer wichtigen Informationen optisch angenehm aufbereitet darbietet. Fans klassischer Instrumentierung dürfen unbesorgt sein – denn das nachgebildete Rundskalen- Design versöhnt in diesem Punkt und bildet somit einen Kompromiss aus Tradition und Moderne.

Wie ist es eigentlich um die klassischen Volvo-Tugenden bestellt? Schließlich müssen die Produkte der skandinavischen Marke nicht nur ihrem Auftrag gerecht werden, zu einer stylischen Lebensart zu passen, sondern auch praktische Eigenschaften aufweisen. Okay, über 1.400 Liter Kofferraumvolumen bei umgeklappter zweiter Sitzreihe sind der gut annehmbare Kompromiss aus modernem, ansprechendem Design (schräges Heck) und der Erwartung an die praktischen Fähigkeiten. Eine obligatorische 12 Volt-Steckdose im Gepäckraum ist ein kleiner Wink an die Kunden, die bei diesem Kombi Vielseitigkeit wünschen. Der Raum für die Passagiere kann sich übrigens sehen lassen, ein kleiner Tipp an künftige Interessenten: Unbedingt mal den Fond ausprobieren, wo Beinfreiheit wirklich keine Mangelware ist. Und die Tatsache, dass man hinten sowohl die Innenraumtemperatur getrennt regeln als auch eine Sitzheizung genießen darf – 277 Euro netto extra –, zeigt, dass Volvo durchaus im Sinn hat, die menschliche Fracht hier länger zu transportieren – was ja auch in wohltuender Art und Weise gelingt.

Bei der Preisgestaltung wird natürlich deutlich, dass es sich bei Volvo um Premiumprodukte handelt – netto 39.117 Euro bilden den Einstieg, allerdings ist das Automatikgetriebe bereits enthalten. Die dann erworbene Ausstattungslinie „Momentum“ bringt immerhin zahlreiche Sicherheitsfeatures mit, zu denen verschiedene autonome Notbrems-Szenarien zählen. Die Sensoren erkennen nicht nur Fahrradfahrer und Fußgänger, sondern auch Tiere. Selbsttätig verzögert wird auch, wenn ein Verkehrsteilnehmer seitlich aus Richtung Kreuzung anschießt. Parkpiepser, Spurhaltewarnung, Verkehrszeichen-Detektion und Tempomat gehören ebenfalls zum Serienumfang. So manche Pakete könnten interessant sein, für Dienstwagenfahrer kommt das 1.386 Euro netto teure „IntelliSafe“-Paket gelegen mit diversen weiteren Sicherheitsassistenten. So warnt und bremst das System im schlimmsten Falle, wenn man sich rückwärts in den fließenden Verkehr tastet und ein anderes Auto oder auch einen Radfahrer übersieht. Der aktive Tempomat ist in diesem Package übrigens auch enthalten – äußerst nützlich für Vielfahrer.