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Der psychologische Wert des Dienstwagens steigt, spätestens seit sich herumgesprochen hat, dass man sich – insbesondere alleine – im eigenen Fahrzeug nicht mit Corona infizieren kann und zudem keine Maske tragen muss. Das macht das Reisen im eigenen (Dienst-)Wagen nochmals komfortabler und führt natürlich auch dazu, dass man sich nicht so leicht mit anderen lästigen Viren wie den bald wieder häufiger herumfliegenden Grippeviren ansteckt. Überhaupt: Für die Verbreitung der Grippeviren sind Maske und Mindestabstand ähnliche Hindernisse wie für Corona.

Aber nicht nur Gesundheitsaspekte haben den Dienstwagen weiter aufgewertet: Immer mehr qualifizierte Mitarbeiter gingen oder gehen in Rente, der Kampf um die immer weniger werdenden qualifizierten Mitarbeiter steigt – und wird auch mittels Dienstwagenprivileg geführt. 

Dabei sinken die Kosten für dieses Privileg insbesondere für den Dienstwagenberechtigten selbst dramatisch, wenn er sich für ein elektrifiziertes Modell entscheidet. Denn dann steht plötzlich nicht mehr ein Prozent vom Listenpreis (plus Entfernungskilometer) zusätzlich zu versteuerndes Einkommen auf dem Lohnzettel, sondern nur ein halbes oder gar ein viertel Prozent. Das ist richtig viel gespartes Geld – und das jeden Monat. Das gute Gewissen gibt es gratis dazu – für den Mitarbeiter und das Unternehmen.

Das mögen Gründe sein, warum Elektroautos nach langem Nischendasein derzeit so richtig an Fahrt aufnehmen. Vielleicht liegt es aber auch an den üppigen Fördermitteln, die nicht nur der Bund, sondern auch die Länder zur Förderung der Elektromobilität ausschütten: Und das nicht nur für die Elektroautos selbst, sondern auch für die Ladeinfrastruktur oder für die Beratung zum Thema. Natürlich auch für elektrische Lastenfahrräder, Transporter oder sonstige – beispielsweise kommunale – Elektrofahrzeuge. Die Programme sind vielfältig und oft verwirrend, da einige Förderungen von Bund und Ländern nicht miteinander kombinierbar sind. Aber genau dafür gibt es ja die kostenlose Erstberatung in vielen Bundesländern.

Und die Förderung tut offenbar auch not, um die Menschen von ihren geliebten Verbrennern wegzubekommen: Denn vor der üppigen Förderung stockte der Absatz der Stromer in Deutschland. Und in China, wo die Förderungen unlängst wieder deutlich zurückgefahren wurden, brach der Absatz im Bereich Elektromobilität um fast die Hälfte wieder ein.

Ralph Wuttke
Chefredakteur