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Man könnte die Hersteller von Aufbauten gut und gerne als Maßschneider der Nutzfahrzeugbranche bezeichnen. Denn immer dann, wenn etwas nicht wirklich den Anforderungen der Kunden entspricht, kommen sie zum Einsatz und liefern die passende Lösung für das vermeintliche Problem. „Fahrzeugaufbauten, wie sie von uns hergestellt werden, sind in der Regel nicht direkt beim Fahrzeughersteller bestellbar. Der Grund dafür ist, dass es sich hierbei um sehr spezialisierte Lösungen handelt, die genau auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten sind“, erklärt Joachim Kress, Geschäftsführer der KRESS Fahrzeugbau GmbH. Die Anforderungen an einen solchen Umbau sind dabei oft so unterschiedlich, wie es die Kunden und deren Branchen sind. Doch auch gewisse Vorgaben müssen eingehalten werden, wie Christian Wenig, Vertriebsleiter bei der Winter Fahrzeugtechnik GmbH, berichtet: „Die besten Waren treten in den Hintergrund, wenn beim Warentransport nicht strengste Vorgaben eingehalten werden. Hygiene, Desinfektion und eine lückenlose Kühlkette haben beim Transport empfindlicher Waren höchste Priorität. Alle Winter-Ausbausysteme werden im eigenen Werk nach aktuellen Qualitätsanforderungen entwickelt, designt, produziert und montiert. Der Kunde erhält seinen individuellen Ausbau mit vielfältigen, branchenspezifischen Ausstattungsmöglichkeiten bei optimaler Raumnutzung.“ Die Individualität ist dabei von größerer Bedeutung, als einfach eine Branchenlösung im Sinn zu haben. Denn oftmals können die Anforderungen bereits innerhalb einer Branche sehr unterschiedlich sein. Daher ist es für die Hersteller von Aufbauten umso wichtiger, den Einsatzzweck in der Praxis zu analysieren und zusammen mit dem Kunden ein maßgeschneidertes Konzept zu entwickeln. 

Unterschiede kann es nicht nur zwischen den einzelnen Betrieben geben, schon innerhalb eines Modellwechsels können veränderte Abmessungen eine Maßanfertigung bedingen. Möchte man beispielsweise einen Aufbau weiterverwenden und nur das Fahrzeug durch ein aktuelleres ersetzen, kann es schon zu Problemen kommen. Denn Transportermaße ändern sich. Dies kann passieren, weil beispielsweise eine andere Plattform genutzt wird oder auch neue Antriebsformen, wie die Elektromobilität, welche ganz neue Möglichkeiten für die Fahrzeughersteller in puncto Design und Raumnutzung eröffnen. Umso wichtiger ist der Kontakt zum Kunden: „Die SPIER Unternehmensgruppe steht sowohl im direkten Austausch mit den Kunden (mit Fuhrparkleitern, Geschäftsführungen und langjährigen Kontaktpersonen) als auch mit Fahrgestellherstellern und Händlern (über entsprechende Kontaktpersonen bei verschiedenen Herstellern). SPIER ist bei einer Vielzahl an Fahrgestellherstellern im Einrechnungsgeschäft mit einem entsprechenden Partnerstatus gelistet, darunter sind zum Beispiel: IVECO, MAN, Mercedes-Benz und Volkswagen“, gibt Andreas Fast, Leiter Vertrieb und Marketing der SPIER GmbH & Co. Fahrzeugwerk KG sowie Geschäftsführer der ATV Fahrzeugtechnik GmbH & Co. KG, zu verstehen.

Trends 
Gerade im Zuge der COVID-19-Pandemie sind individuelle Lösungen immer gefragter, was auch Einfluss auf die Geschäfte von Aufbauherstellern hat: „Im Bereich der Verteilerlogistik nehmen mit Zunahme des Online-Handels auch während der COVID-19-Pandemie zahlreiche Branchen in der sogenannten ‚letzten Meile‘ an Bedeutung für uns zu. Hierzu gehören Bäckereien, Wäschereien, die Blumenlogistik, die Krankenhauslogistik, die Neumöbel- und Umzugslogistik, die KEP-Branche und nicht zuletzt die Autovermieterbranche speziell im 3,5-Tonnen–Segment. Neben den Nutzlastanforderungen sind Termintreue und Qualität die Hauptanforderungen unserer Kunden im Verteilersegment. Mit einem Zweischichtbetrieb in unserem Werk Schwerin sind wir in der Lage, bis zu 75 Transporteraufbauten in einer Woche zu produzieren. Hierbei können die Aufbauten auch ohne Fahrgestell vorproduziert und nach Eintreffen der Fahrgestelle miteinander ‚verheiratet‘ werden. Dies ermöglicht kurzfristige Lieferzeiten“, erläutert Bernd Mundhenk, Geschäftsführer der Junge Fahrzeugbau GmbH. 

Aber auch in eigentlich schon recht spezialisierten Aufbaubereichen wie dem der Kühltransporter gibt es einige Trends, wie Christian Meyer, Vertriebsleiter Region D-A-CH bei der Mitsubishi Heavy Industries Thermal Transport Europe GmbH, auf Anfrage erklärt: „Der Großteil unserer Kunden stammt aus der Lebensmittel- und Gastronomielogistik. Eine hohe Temperatursicherheit ist unerlässlich, damit die Ware auf den Punkt frisch ankommt. Hier können wir mit unseren Ein- und Mehrkammersystemen der Mitsubishi-TU-Serie immer mehr Kunden überzeugen. Unsere Mehrkammersysteme verfügen über eine ausgefeilte Regelungstechnik, die die einzelnen Temperaturzonen völlig unabhängig voneinander steuert; zudem erlauben die kompakten Abmessungen den Fahrzeugbauern mehr Spielraum. Wir erleben eine steigende Nachfrage nach Mehrkammerfahrzeugen mit zwei oder drei Temperaturzonen, da diese dem Kunden einfach mehr Flexibilität bieten.“

Was allen Lösungen gemein ist, sind die Anforderungen in Bezug auf eine Gewichtsoptimierung. Nicht erst seit der Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen, die aufgrund der schweren Batteriesysteme eine Erhöhung des Fahrzeuggewichts zur Folge hat, sind vor allem leichte Auf- und Umbauten gefragt. Denn schließlich sollten die Veränderungen am Fahrzeug nicht allzu sehr den Kraftstoffverbrauch in die Höhe treiben. Daher arbeiten die Aufbauhersteller, ähnlich wie Fahrzeugeinrichter, wenn möglich, mit gewichtsoptimierenden Materialien. Einige Unternehmen für Sonderumbauten stellen die Materialien selbst her und haben so Einfluss auf deren Zusammensetzung. Da es sich hier um Sonderanfertigungen handelt, gibt es ohnehin meist keine Lösung von der Stange. Vieles muss den Gegebenheiten angepasst werden. 

Darüber hinaus ist auch die Digitalisierung im Bereich der Sonderumbauten angekommen. So hat beispielsweise Humbaur schon vor einiger Zeit eine innovative Lösung im Bereich der Kühltransporter auf den Markt gebracht, die sich die digitale Technik zunutze macht. Dabei geht es vor allem um die elektronische Überwachung von Kühlaggregaten. Als erster Aufbauhersteller arbeitet man mit dem ADAC Truckservice zusammen und bietet dessen Prevention-Service-Modul serienmäßig an. Geboten wird dabei eine Status-Warnfunktion in Kombination mit der mobilen oder stationären Reparatur in Europa. Je nach Schwere des drohenden Schadens organisiert der Truckservice auf Wunsch einen sofortigen mobilen Einsatz oder einen Werkstatttermin entlang der Route, bevor das Kühlaggregat ausfällt und teure Folgeschäden auftreten.

Fazit 
Aufbau ist nicht gleich Aufbau. Dies zeigt sich nicht erst aufgrund geänderter Kundenanforderungen und allgemeiner Trends wie Digitalisierung, Elektrifizierung sowie Gewichtsoptimierung. Denn oftmals prägen diese nicht nur die reine Produktentwicklung, sondern auch den Servicebereich und dessen Dienstleistungsangebot: „Unser Dienstleistungsportfolio umfasst neben den Produkt-/Branchenlösungen weitere wichtige kundendienliche Inhalte wie beispielsweise 15 Jahre Dokumentation der Aufbauumfänge, 15 Jahre Ersatzteilversorgung nach Lieferung, Pflege der servicerelevanten Daten in den Aufbauherstellerportalen der Nutzfahrzeughersteller, Überprüfung der Fahrgestellumfänge vor Aufbau zur Fehlerprävention (Plausibilitätscheck) sowie die Abnahme der Fahrzeuge mit eigener EG-Typgenehmigung (COC-Dokument / europaweite Zulassungsfähigkeit / Vorteile bei der Zweitvermarktung). Darüber hinaus nehmen wir die Aufbauten nach der Ladungssicherungsrichtlinie DIN EN 12642 Code XL ab und können den Kunden individuelle Lastverteilungsdiagramme erstellen. Mit unserem Vertriebsaußendienst, dem Key Account Management und zugeordneten Mitarbeitern im Backoffice stellen wir eine optimale Erreichbarkeit für unsere Kunden sicher. Mit dem Service- und Kompetenzzentrum Hamburg stellen wir auch den Servicesupport für Wartungen und Reparaturen sicher und haben diesen mit Öffnungszeiten auch samstags erweitert“, fasst Bernd Mundhenk, Geschäftsführer der Junge Fahrzeugbau GmbH, auch die Antwort des Unternehmens auf die sich geänderten Kundenanforderungen im Dienstleistungsbereich zusammen.