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Acht Jahre sind vergangen, als Seat den letzten Leon-Modellwechsel vollzog – und nun steht der neue untere Mittelklässler in den Startlöchern. Neugierig wandern die ersten Blicke über das neu gestaltete Blechkleid: Einen radikalen Neuanfang haben die Designer natürlich nicht hingelegt, zu wichtig ist der inzwischen aufgebaute Kundenstamm. Trotzdem haben die Kreativen einen guten Job gemacht, vor allem Front und Heck präsentieren sich nun dem Zeitalter angepasst. Bei Seat bedeutet das einen mehr Richtung Trapezform gestylten Kühlergrill – ganz nach dem Motto „kleine Ursache, große Wirkung“ sorgt genau dieser für ein frisches Gesicht. Hinten gibt es gemäß dem aktuellen Trend ein schickes Leuchtband mit LED-Bestückung, um ein unverwechselbares Nachtdesign zu kreieren. Unverwechselbar ist die Seat Leon-Formensprache allerdings auch im Gesamtpackage und damit interessant für individualistisch angehauchte Kunden. Doch auch unter dem Blech hat sich jede Menge getan, damit der Spanier maximal fit in die nächsten Jahre starten kann.

Als da wären die modifizierten Triebwerke – wer Benzin und Automatikgetriebe wählt, wird mit einer Mildhybrid-Einheit belohnt. Per Riemenstarter gibt ein Elektromotor etwas Moment auf die Kurbelwelle, wenn der Verbrenner betriebsungünstig läuft. Bleibt die spannende Frage, ob man als Fahrer etwas von der elektrischen Unterstützung mitbekommt. Eher indirekt, und zwar in der Form, dass der E-Booster die natürliche Anfahrschwäche eines Turbobenziners unauffällig wegmoderiert. Generell macht der 1,5-Liter einen guten Job, erfreut durch ausgeprägte Laufruhe und saugerähnlicher, linearer Charakteristik. Mit 150 Pferdchen unter der Haube ist der Leon ein Kandidat, mit dem man seinen automobilen Alltag wunderbar bestreiten kann. Ob Autobahnsteigungen, forcierte Landstraßenfahrt oder Serpentinen, verstecken muss sich der Spanier mit seinem Hightech-Triebwerk keineswegs, das in der Teillast sogar unmerklich auf zwei Zylinder verzichtet. Je nach Fahrsituation quittiert der Verbrenner kurzzeitig sogar den Dienst, wenn er in den Segelmodus schaltet, um Kraftstoff zu sparen, ohne als negative Begleiterscheinung ein Bremsmoment aufzubauen wie bei der Schubabschaltung.

Der Geräuschkultur tut die Zylinderabschaltung übrigens keinen Abbruch, und generell darf der Leon als leises Auto durchgehen, was ihn zum angenehmen Kilometerfresser avancieren lässt. Auch bei den Sitzen überraschen die Spanier durchaus, liefern Komfort, der selbst einer Mittelklasse (oder noch höheren Segmenten) gut zu Gesicht stehen würde. Straffe Polster beugen jeglicher Ermüdung vor, aber dennoch sind die Materialien so anschmiegsam, dass das Verweilen selbst über Stunden angenehm ist. Und wie steht es um das Platzangebot? Immerhin haben die Plattform-Spezialisten fünf Zentimeter Radstand herausgeholt und werben nun mit rund 2,69 Metern. In der Praxis bedeutet das jedenfalls ordentlich Beinfreiheit auch in der zweiten Reihe, die sogar Personen mit überdurchschnittlich langen Extremitäten schätzen lernen. Schön auch, dass die Infotainment- Generation ihre Mobiltelefone hinten per USB laden kann. 

Infotainment ist übrigens ein Punkt, über den man im Kontext mit dem Seat Leon ausgiebig sprechen muss. Diesbezüglich hat sich gegenüber dem Vorgänger mächtig was getan – die Ingenieure haben ein quasi komplett neues Bediensystem aufgesetzt, mit dem man sich natürlich eine Weile auseinandersetzen muss, um es virtuos in den Griff zu bekommen. Hat man sich erst einmal eingegroovt, macht das System Spaß, glänzt mit einem ebenso hübsch wie pragmatisch anmutenden Layout, dessen Icons dem User eingänglich sind – so kann man das System auf spielerische Weise kennenlernen. Und der große Touchscreen sieht nicht nur architektonisch spannend aus, sondern erfüllt alle Kriterien für eine gute Ergonomie. Weder muss man seine Arme über Gebühr verrenken, um an denn Bildschirm zu langen noch ist die Sicht eingeschränkt. Physische Schalter haben die Gestalter weitgehend aus dem Interieur verbannt, stattdessen gibt es noch eine Portion Display obendrauf mit dem Virtual Cockpit, das inzwischen jeder Leon serienmäßig auf den Weg bekommt.

Und wer die komplexen Funktionalitäten erst einmal beherrscht, darf sich gerne den Assistenten widmen. Da unser Testwagen mit dem Doppelkupplungsgetriebe ausgestattet ist, kann der Fahrer den aktiven Tempomat vollständig auskosten, was bedeutet, dass er bis zum Stillstand herunterbremst, wenn der Vordermann das auch tut. Während die Steuerung dieses Automatisierungsfeatures früher noch etwas holprig agierte, haben die Techniker dem System inzwischen Benimm antrainiert. Die schwierigste Disziplin ist ohne Frage das Anhalten – doch selbst das gelingt meist völlig ruckfrei. Schön ist die Funktion natürlich immer bei lästigem Stopp-and-Go-Verkehr, den die intelligenten Geschwindigkeitsregler mittlerweile so gut beherrschen, dass sie mehr Stütze als Last sind. Und wenn die Sensorik einmal verbaut ist, kann man gleich diverse autonome Bremsfunktionen installieren, über die der Spanier freilich ebenso verfügt, um einen Crash zu verhindern. Crashs anderer Art verhindert ein erstmals zum Einsatz kommendes Warnsystem, das während des Türöffnens akustisch auf herannahende Verkehrsteilnehmer hinweist.

Zeit, über Preise zu sprechen. Ab netto 24.579 Euro steht der Leon mit 150 PS-Benziner und Automatik zur Verfügung, rollt mindestens in der gehobenen „Xcellence“-Ausstattung an. Hier enthalten sind Goodies wie schlüsselloses Schließsystem und sogenannte Sport-Komfortsitze. Flottenrelevante Merkmale wie Bluetooth- Freisprechanlage, Digitalradio und Parkpiepser sind frei Haus. Auch ein automatisch abblendender Innenspiegel und Regensensor zählen zu den Serienausstattungen, die das Autofahrer-Leben erleichtern. Gegen tausend Euro netto liefert Seat ein Businesspaket mit einer Alarmanlage sowie ein per Sprachsteuerung bedienbares Navigationssystem. Darüber hinaus enthält das Package eine Smartphone-Integration für den Fall, dass man seine vertraute Telefon-Oberfläche auf dem Zentralmonitor darstellen möchte. Das Mobiltelefon lässt sich in diesem Fall kabellos aufladen, indem man es in eine Schale in der Mittelkonsole legt.