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Da steht er nun, der neue Golf – korrekterweise muss man sagen, dass es sich um die achte Generation handelt. Ein kurzer, flüchtiger Blick offenbart noch nicht die in detailreicher Ausprägung vollzogenen Änderungen, da muss man den Kompakten schon länger studieren. Doch genauso auf den Punkt wollte es das verantwortliche Volkswagen-Team offenbar – schließlich soll ja auch der achte Golf als solcher erkennbar sein. Und das ist er sowas von, die Silhouette, ja, auch die Grundform und natürlich die Abmessungen atmen Golf aus jedem Federstrich. Doch nun aufgepasst, nachgearbeitet haben die Kreativen bei den noch filigraner wirkenden Hightech-Scheinwerfern (dazu später mehr) und den Rückleuchten, woran man den aktuellen Jahrgang denn auch gut erkennen kann. Leicht geschwungene LED-Augen bringen eine kleine Portion Spannung in den Designmix, allerdings in so dezenter Weise, dass auch die konservativ eingestellte Klientel glücklich werden kann mit dem Evergreen Golf. Ein Kontrastprogramm erwartet den Eigner dann allerdings innen.

Leicht technikaffin muss der Käufer dann doch sein, denn die Cockpit-Gestalter haben aufgeräumt mit den physischen Schaltern und den großen Touchscreen zur Kommandozentrale erklärt. Und viele Bedieneinheiten außerhalb des Screens sind bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls nur noch berührungsempfindliche Flächen. Durch die bunt gestalteten Menüs des neuen Golf hat man sich indes fix durchgearbeitet, wobei die Komplexität nicht zu unterschätzen ist. Dafür haben die Wolfsburger alles getan, um das Durchzappen attraktiv zu machen. So altmodische Dinge wie eine Gebrauchsanweisung braucht man jedenfalls nicht mehr und kann sich stattdessen ganz dem Prinzip „Trial and Error“ hingeben bei ausgesprochener Kurzweil. Wer plant, eine längere Beziehung mit dem Wolfsburger Klassiker einzugehen, wird rasch warm mit der Mensch-Maschine-Schnittstelle, das sei an dieser Stelle versprochen. Und dass im Kombiinstrument keine mechanischen Zeiger mehr werkeln, auch bei der Basis nicht, ist ja auch ein logischer Schritt.

In diesem Kontext muss natürlich auch über Fahrerassistenz gesprochen werden. Interessant, wie viel das Fahrzeug heute schon weiß – beispielsweise, wenn man mit zu hoher Überschussgeschwindigkeit in die Kreuzung rollt. In einem solchen Fall gibt der Wagen den dezenten Hinweis, dass der Fahrer doch den Fuß vom Gas nehmen möge – eine schöne Art, mehr Effizienz zu gewinnen. Apropos Effizienz: Selbstredend verfügt der Otto über eine Zylinderabschaltung, damit in der Teillast, da ohnehin nur wenig Leistung abgerufen wird, möglichst wenig bewegliche Teile mitgeschleppt werden müssen. Ruft man die in diesem Fall vollen 130 Pferde ab, müssen alle vier Kolben ran. Weder die Umschaltung bekommt der Fahrer mit noch spürt er irgendwelche Rucke. Allenfalls die per Bordrechner mitgeteilte Info darf er sich zu Gemüte führen und freuen, dass nun weniger Kraftstoff durch das Leitungssystem fließt. Wer sich fragt, ob es Gründe gibt, zum Benziner zu greifen, sollte bei der Probefahrt genau auf die Leistungsentfaltung des werksintern EA211 Evo genannten Triebwerks achten.

Doch eines nach dem anderen. Aus der Perspektive der Laufkultur macht die Verbrennungsart heute keinen Unterschied mehr, gleichwohl verwehrt der Diesel dem User den oft geschätzten sportlichen Klang. Und kernig klingen kann der hier besprochene 1,5-Liter zumindest bei höherer Drehzahl. Schippert man bei Richtgeschwindigkeit dahin, läuft der Benziner sowohl sparsam als auch kultiviert – in diesem Fall ist auch nicht entscheidend, dass das Drehmoment beim Selbstzünder größer ist. Mit der 130 PS-Stufe ist der Wolfsburger ordentlich motorisiert, sprintet Steigungen beflissen hinauf und lässt auch bei Überholvorgängen keine Wünsche übrig. Und: Wer etwas sportlicher unterwegs sein möchte, greife zum Sechsgang- Schaltgetriebe, das ja auch im Testwagen zum Einsatz kommt und viel Spaß bereitet dank präziser Führung. Wenn man noch selbst Hand an den Schalthebel anlegt, kann das durchaus zum einen oder anderen Abstecher auf die geschwungene Landstraße animieren. Gut so, denn warum sollte Brot- und Butter-Mobilität keine Freude bereiten.

Wenn man sich erst einmal eingegroovt hat und mit der Bedienung vertraut ist, wird man so langsam eins mit dem Golf und kann den Kompakten tatsächlich auch auf der Langstrecke genießen. Wer vorher genau weiß, dass er ordentlich Kilometer macht, hat unter vielen Optionen die Möglichkeit, die bestmöglich passenden Sitze auszuwählen. Das beim Testwagen verwendete Mikrovlies schmiegt sich sanft an die Körper der Passagiere; generell schafft es das Mobiliar, die Mitfahrenden sogar viele Stunden bei Laune zu halten. Und hinzu kommt noch, dass der Golf längst erwachsen wurde – beengt ist der Aufenthalt also nicht, ganz im Gegenteil. Der Abstand im Fond zwischen Knie und Vordersitzlehne ist proper, so sind die Menschen vor nicht allzu langer Zeit noch in Oberklassen gereist. Und bezüglich Geräuschniveau hat sich ebenfalls jede Menge getan, der Golf ist bei Richtgeschwindigkeit wirklich flüsterleise.

Wer den 130 PS starken Benziner-Golf wählt, muss netto 23.301 Euro auf den Tisch blättern und erhält für diesen Kurs die Ausstattungslinie „Life“ mit umfangreicher Fahrerassistenz, LED-Scheinwerfern sowie eine Telefonschnittstelle. Gegen 418 Euro netto Aufpreis wird die Klimaanlage übrigens intelligent und lässt sich auf eine ganz neue Art und Weise steuern. Der Passagier muss nicht zwingend die Wunschtemperatur verändern, sondern kommuniziert Befehle wie „Füße wärmen“ oder „frische Luft“ – dann reagiert die Anlage recht fix. Hochadaptive LED-Matrixscheinwerfer erlauben, auch bei Gegenverkehr mit Fernlicht zu fahren, was vor allem nächtliche Fahrten sicherer macht. In puncto Infotainment hat der Golf freilich ordentlich draufgepackt – so kann der Eigner ein vollständig integriertes Head-up-Display genießen, vorausgesetzt, er überweist zusätzlich 587 Euro netto an Volkswagen. Recht interessant mutet das netto 1.949 Euro teure „Business Premium“-Paket an mit einer ganzen Fülle an Features. So gibt es in diesem Kontext digitalen Radioempfang, verschiedene Assistenten wie den Spurhaltewarner samt aktiver Lenkung, Smartphone-Integration oder Tempomat mit Distanzregelung.