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In Carsharing-Flotten waren Anfang 2019 1.827 batterieelektrische Elektrofahrzeuge und Plugin- Hybride in Betrieb. Sie machten zu diesem Zeitpunkt 9,1 Prozent aller Carsharing-Fahrzeuge in Deutschland aus. Damit war der prozentuale Anteil der Stromer in Carsharing-Flotten höher als der Anteil von Elektrofahrzeugen in den übrigen gewerblichen Flotten oder bei der Gruppe der privaten Halter. Warum passen also Elektroautos scheinbar so gut in das Konzept von Carsharing-Unternehmen?

Vorteile 
Carsharing-Konzepte ebenso wie Elektroantriebe werden mit dem Anspruch entwickelt, die Mobilität der Menschen umweltfreundlicher zu gestalten. Daher sprechen beide Trends teilweise ein und dieselbe Zielgruppe an: umweltbewusste, junge Großstädter. Für Carsharing-Anbieter ist es somit nur konsequent, auch Elektrofahrzeuge in die Flotte aufzunehmen. Wenn der Ladestrom aus regenerativen Energien gewonnen wird, kann das Autoteilen sogar CO2-neutral funktionieren. Damit hat man in urbanen Gebieten auf lange Sicht keine Einschränkungen aufgrund von Fahrverboten oder Ähnlichem zu erwarten. Überhaupt eignet sich ein Elektrofahrzeug hervorragend für den Stadtverkehr. Kurze Wege, viele Stopps und häufiges Anfahren prägen das Fahrprofil in der Stadt. Elektromotoren kommen damit deutlich besser zurecht als Verbrenner, was die Fahrzeuge wartungsärmer macht. Nutzer elektrischer Carsharing-Fahrzeuge können ohne Investitionen in ein eigenes E-Fahrzeug oder entsprechende Ladeinfrastruktur elektrisch unterwegs sein und in Bezug auf die Unternehmensmobilität für ein grüneres Image und CO2-Einsparungen sorgen. Die vermeintlichen Nachteile der Elektromobile bezüglich der Reichweite und des geringeren Kofferraumvolumens kommen beim Carsharing nicht zum Tragen. Die Erfahrung zeigt, dass Carsharing hauptsächlich auf Kurzstrecken zum Einsatz kommt und meist auch wenig Gepäck geladen werden muss. Darüber hinaus steht einem als Carsharing-Nutzer in der Regel eine ganze Flotte unterschiedlicher Fahrzeuge zur Verfügung. Längere Strecken oder ein Großeinkauf sind also auch kein Problem – nur unter Umständen dann eben nicht elektrisch. Wer also täglich mit seinem Auto zur Arbeit pendelt, kann sich mit einem Elektroauto lokal emissionsfrei bewegen, jedoch mit diesem Fahrzeug nicht alle automobilen Zwecke erfüllen. Dies wiederum wird durch die Teilnahme am Carsharing ermöglicht. In Kürze werden die Automobilhersteller allerdings fast alle Segmente mit elektrischen oder teilelektrischen Antrieben ausgestattet haben und dieser Modellengpass wird der Vergangenheit angehören.

Carsharing und Elektromobilität sind auch deswegen eine ideale Verbindung, weil sich beide gegenseitig unterstützen. So prägen Elektrofahrzeuge in Carsharing-Flotten das Stadtbild und nehmen Einfluss auf eine positive Wahrnehmung der jeweiligen Modelle und Hersteller. Auf der anderen Seite festigen E-Autos das umweltfreundliche Image von Carsharing-Unternehmen. In der kleinen Tabelle sind alle Carsharing- Unternehmen mit Elektrofahrzeugen in der Flotte aufgelistet. Darunter befinden sich auch Unternehmen, die bereits zu 100 Prozent auf Stromer setzen.

Nachteile 
Bei der langen Liste an Vorteilen könnte der Verdacht entstehen, dass E-Carsharing eine Ideallösung darstellt. Doch gerade in der Praxis gibt es bei der vermeintlich idealen Verbindung von Stromantrieb und Autoteilen einige Hürden zu bewältigen. Das beginnt aus Sicht der Carsharing- Unternehmen bereits bei den vergleichsweise hohen Anschaffungskosten von Elektrofahrzeugen. Diese lassen zurzeit noch keinen wirtschaftlich sinnvollen Betrieb zu. Denn zusätzlich zum Kaufpreis eines Stromers kommt die geringere Nutzungszeit, da Elektrofahrzeuge in den langen Ladezeiten nicht genutzt werden können. Auch die Ladeinfrastruktur an sich verursacht bereits Kosten, die in der Regel vom Carsharing-Unternehmen selbst getragen werden müssen. Neben der Ladesäule gehört dazu die Buchungs- und Vermittlungssoftware. Diese Kosten werden trotz geringerer Stromkosten gegenüber den Kraftstoffkosten der Verbrenner und des niedrigeren Wartungsaufwands nicht vollständig gedeckt. Insbesondere weil der finanzielle Mehraufwand nur bedingt an die Kunden weitergegeben werden kann. Schließlich möchte man, dass die Fahrzeuge eine hohe Auslastung haben. Letztlich verbleibt das wirtschaftliche Risiko also beim Carsharing-Anbieter.

Neben dem wirtschaftlichen Risiko gibt es noch eine eher psychologische Hürde. Denn die Rolle des Kunden bei der Nutzung eines E-Fahrzeugs und beim Ladevorgang ist nicht unerheblich. Da viele Carsharing- Kunden, ähnlich wie Dienstwagenfahrer, auf gewohnte, selbsterklärende Fahrzeugtypen zurückgreifen, muss hier einiges an Aufklärungsarbeit geleistet werden. Sicher wird die Hemmschwelle, Elektromobilität zu nutzen, nur eine Frage der Zeit sein. Dennoch sollten die Bedienung des Fahrzeugs und der Ladevorgang gut erläutert werden, um eine positive Nutzererfahrung zu ermöglichen.

Wo E-Carsharing definitiv eine sinnvolle Lösung sein kann, ist im Bereich Corporate Carsharing. Hier steht der wirtschaftliche Erfolg der Carsharing-Lösung nicht unbedingt an erster Stelle. Image des Unternehmens, CO2-Bilanz der Flotte und auch das Sammeln von Erfahrung im Umgang mit der neuen Antriebsart sind vielleicht wichtiger als der letztendliche Gewinn, der durch die Vermietung des Flottenfahrzeugs an Mitarbeiter erzielt wird. Auch die Installationskosten können im Rahmen gehalten werden, beispielsweise durch Komplettlösungen wie die der WeGo Carsharing GmbH. Mit WeGo können Carsharing-Fahrzeuge sowohl geschäftlich als auch privat genutzt werden. Sie werden einfach über eine Smartphone-App geteilt und gebucht. Die Fahrtenregistrierung für die Steuerbehörde und die Verrechnung der Nutzung zwischen den Abteilungen wird dem Arbeitgeber vollständig durch den Dienstleister abgenommen. Bis zu 20 Prozent Ersparnis auf die Fahrzeugkosten sollen so möglich sein, verspricht das aus den Niederlanden stammende Unternehmen.

Fazit 
Wie wird sich der Markt für E-Carsharing in der nächsten Zeit entwickeln? Die genannten Nachteile werden sich größtenteils mit der Zeit von selbst aufgelöst haben. So geht auch der Bundesverband CarSharing e. V. (bcs) davon aus, dass ein nennenswert hoher Anteil an E-Autos zu erwarten ist, wenn die Batteriekosten der Fahrzeuge spürbar sinken und sie damit in der Anschaffung vergleichbar mit herkömmlich motorisierten Fahrzeugen werden. Auch muss das Zusammenspiel von Fahrzeugen und Ladeinfrastruktur störungsfreier werden. Eine gerechte Lastenverteilung bei der Finanzierung der Ladeinfrastruktur im öffentlichen Straßenraum für stationsbasierte Carsharing-Angebote ist unbedingt erforderlich, so der Verband in seinem Positionspapier zu Elektromobilität und Carsharing.