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Danke, Rainer Hansen, für den Kommentar „Analog ist das neue Bio“ an eben dieser Stelle im letzten Magazin. Die Gedanken waren goldrichtig und ich möchte diese gerne weiter anreichern. 

Für uns waren es eben solche Überlegungen, die uns dazu bewogen haben, ein neues Unternehmen im Bereich Schadenmanagement in diesem außergewöhnlichen Jahr zu gründen. Viele halten das in einer solchen Zeit für sehr mutig.

Wir – ehrlich gesagt – nicht. 
Uns prägt nämlich die feste Überzeugung, dass neben einem herausragenden Produkt eine starke, identitätsstiftende, vor allem aber auch tatsächlich gelebte Unternehmenskultur, die Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner wirklich mitreißt, immer zum Erfolg führen wird. Und zwar egal in welcher Zeit – oder noch klarer formuliert: gerade in dieser Zeit!

In Krisen kommt nämlich viel eher zum Vorschein, ob die allzu oft nur am Reißbrett, in mühsamen Kreativ- Workshops und womöglich auch noch mit externen Beratern entworfenen und damit häufig leider nur artifiziellen Unternehmenswerte wirklich auch im und vom Unternehmen gelebt werden. Es wird plötzlich offensichtlich, ob Fairness, Aufrichtigkeit, Transparenz und Vertrauen nur inhaltslose Floskeln oder tatsächlich ernst gemeinte, in diesem Sinne gelebte Werte gegenüber Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern sind: Wir alle haben in Corona-Zeiten gelesen, dass es Unternehmen gibt, welche das Kurzarbeitergeld für ihre Mitarbeiter aufstocken, und solche, die das nicht tun. Wir haben festgestellt, dass es Vermieter gibt, welche mit ihren Mietern nach Lösungen suchen, um die Fixkostenbelastung zu senken, und solche, die auf die Miete ohne Abstriche bestehen. Es gibt Unternehmen, die gestellte Rechnungen stunden, in Teilen sogar auf die Bezahlung gänzlich verzichten, und solche, die – obwohl sie es sich anders leisten könnten – auf sofortigen Ausgleich innerhalb der Zahlungsfristen bestehen.

An dieser Stelle steht gar nicht zur Diskussion, welcher der vorgenannten Wege moralisch richtig und welcher falsch ist. Es ist lediglich festzuhalten, dass das jeweilige Verhalten schnell und schonungslos die tatsächliche – und eben nicht nur die in der Hochglanz-Broschüre beschriebene –Unternehmenskultur widerspiegelt. Beziehungen, in denen ein gemeinsames Werteverständnis dem Zufall überlassen wird, in denen aber vor allem das kommunizierte und das gelebte Wertesystem nicht deckungsgleich sind, werden schnell brandgefährlich. Man hat dann nämlich auf ein Pferd gesetzt, das es gar nicht gibt beziehungsweise das in der Not einfach ohne einen selbst davon reitet. Das lernen viele Unternehmen und Mitarbeiter gerade leider schmerzlich. Die Krise bietet daher auch eine Chance, um bestehende Geschäftsbeziehungen konsequent zu hinterfragen und/oder neue Geschäftsbeziehungen im Hinblick auf gemachte Erfahrungen zukünftig anders zu denken. 

Ich bin in den vergangenen Jahren bei Fuhrparkverantwortlichen auf zahlreiche echte Persönlichkeiten mit Charakter gestoßen, die bei ihren Entscheidungen stets auch ihrem Instinkt gefolgt sind. Charaktere, denen eine emotionale Bindung zu den handelnden Personen und den dahinter stehenden Teams, deren Werten und Einstellungen extrem wichtig war. Sprich: die auf eine gemeinsame Kultur gesetzt haben, um auch in schwierigen Momenten mit Partnern zusammenzuarbeiten, auf die man sich verlassen und denen man zu 100 Prozent vertrauen kann.

Solange es genügend solcher Persönlichkeiten gibt, mache ich mir weder um unsere Gründung noch um unsere Branche Gedanken, weil Beziehungen, die auf einem gemeinsamen Fundament aufbauen, auch durch schwere Zeiten kommen und sich schlussendlich durchsetzen werden. 

Bleiben Sie gesund!

* In Anlehnung an das amerikanische „It’s the economy, stupid!“ Dieser einprägsame Werbe-Slogan des Wahlkampfstrategen James Carville führte Bill Clinton 1992 in das Präsidentschaftsamt. Kerngedanke war, dass eine gesunde Wirtschaft der Schlüssel für den Erfolg und die Stabilität einer Gesellschaft ist.