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 Es gibt sie, die Ereignisse, die im Nachhinein „historisch“ genannt werden. Vielleicht ist das Aufkommen des Coronavirus ein solches. Das Virus verändert die Welt – im wörtlichen Sinne. Denn durch die teils brutalen Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens erholt sich der Planet, zumindest ein bisschen, und viele Menschen denken darüber nach, welche positiven Aspekte man auch in eine Zeit nach Corona transportieren könnte.

Die anderen sorgen sich vor allem um den Sommerurlaub. Klar, die Freiheit zu reisen, und das gern auch superbillig mit dem Flugzeug, die offenen Grenzen innerhalb von Schengen, und damit auch das grenzenlose Autofahren von Ungarn bis Portugal oder von Italien nach Finnland, waren riesige Errungenschaften der letzten Jahrzehnte. Auch wenn einige der neu aufgestellten Schlagbäume inzwischen wieder geöffnet worden sind – grenzenlos ist unsere Freiheit derzeit nicht mehr.

Auch im täglichen Leben sind die Veränderungen allgegenwärtig: Wer noch persönlich zu Terminen reist, nimmt das eigene Fahrzeug, das damit wieder an Bedeutung gewinnt. Denn dieses ist ein virenfreier sicherer Kokon. Der zuvor vor allem als ökologisch viel gepriesene öffentliche Nah- und Fernverkehr von S-Bahn über Fernbus bis Flugzeug liegt weitestgehend am Boden, auch wegen der Angst vor einer Ansteckung. Videokonferenzen boomen, Großveranstaltungen finden nicht statt – ob Messe oder Fußball. Letzterer startete nun wieder, mit „Geisterspielen“ ohne Zuschauer, Messen wandern zumindest vorübergehend in den digitalen Raum, wie auch unsere neue Flottenmesse „flotte.digital“ vom 14. bis 18. September. 

Eine viel wichtigere Frage neben Sommerurlaub und Fußball ist natürlich, wie sich die Weltwirtschaft entwickelt und wie den Menschen geholfen werden kann. In der EU zumindest wird das deutsche Erfolgsmodell „Kurzarbeit“ nun wohl flächendeckend eingeführt, aber das ist teuer und hilft nur vorübergehend. Ein bald verfügbarer Impfstoff oder zumindest eine zuverlässige Behandlungsmethode würden helfen, das Leben zu normalisieren.

Blöd, dass die zu Corona verfügbaren Daten so unterschiedlich erhoben werden: Wer stirbt an Corona, wer mit Corona? In welchem Land wird wie viel tatsächlich getestet? Wird wirklich ein Unfalltoter mit Coronavirus als Corona-Toter gezählt? All die widersprüchlichen Daten geben, als wäre die Welt nicht gerade schon schlimm genug, den Verschwörungstheoretikern ein tolles Futter. So wie das Virus den schwachen Körper befällt, befällt die Verschwörungstheorie den schwachen Geist, der in einer komplizierten Welt eine einfache Lösung haben will. Aber das macht es nicht einfacher.

Daher mein Appell: Bleiben Sie realistisch. Tragen Sie die Schutzmaßnahmen mit, aber verfallen Sie nicht in Panik. Corona geht vorüber, der nächste Sommerurlaub, volle Fußballstadien und Netzwerk-Messen kommen wieder. Wenn nicht in diesem Jahr, dann doch sehr wahrscheinlich im nächsten.

Ralph Wuttke
Chefredakteur