PDF DOWNLOAD

Das Herzstück der digitalen Flottenverwaltung ist natürlich die Verwaltungssoftware an sich (S. 64). Hier laufen viele, im Idealfall alle, Prozesse zusammen und können vom Fuhrparkleiter gesteuert werden. Das reicht von den Daten der Tankkarten, dem Schadenmanagement über die Laufzeiten der Leasingverträge bis hin zur Führerscheinkontrolle (S. 60). Gerade die Kontrolle des Führerscheins ist ein Musterbeispiel für die Digitalisierung der Flottenwelt. War es früher noch üblich, die Fahrerlaubnis jedes Mal per Sichtkontrolle und schriftlicher Dokumentation durchzuführen, haben sich relativ schnell mit der Digitalisierung Barcodes oder RFID-Chips etabliert, die an Tankstellen oder an stationären Geräten ausgelesen werden. Mittlerweile nimmt das Smartphone eine immer wichtigere Rolle bei der Kontrolle der Führerscheine ein. 

Doch entspricht diese schöne neue, digitale Welt überhaupt der Realität? In manchen Fällen ist sie wohl eher eine Wunschvorstellung als Alltag, diese Vermutung lässt zumindest eine kürzlich veröffentlichte Studie zu Tankkarten von Dataforce zu. Demnach nutzen nicht einmal 75 Prozent der Unternehmen mit mehr als fünf Fahrzeugen für ihre Dienstwagenfahrer Tankkarten. Das heißt, in diesen Unternehmen werden immer noch Belege gesammelt und wenn ein Reporting stattfinden soll, muss dies mühsam vom Fuhrparkleiter erstellt werden. Auch die Ergebnisse unserer Onlineumfrage (S. 70), in der es um den Grad der Digitalisierung der Flotten geht, bestätigen, dass Smartphone und Co. längst nicht in jedem Fuhrpark zum Alltag gehören.

Digitale Prozesse im Fuhrparkmanagement werden nicht nur aufgrund einer geringen Kenntnis über die Einsparmöglichkeiten, beispielsweise durch ein Tankkartenreporting, sondern oftmals auch aufgrund von Datenschutzbedenken nicht eingeführt. Besonders in Deutschland ist die Angst vor dem sogenannten gläsernen Mitarbeiter groß und so mancher Betriebsrat verhindert die Einführung hilfreicher Flottenverwaltungstools, wie zum Beispiel Fahrzeugtelematik. Dabei sind Fahrtenbericht, Verbrauchsanalysen, Geschwindigkeitsüberschreitungen, Fahrverhalten oder Disposition von Fahrzeugen und Fahrer nur einige praktische Beispiele im Feld der Telematik. Im Grunde ist Telematik ja auch nichts anderes als eine technische Kombination aus Telekommunikation und Informatik und als solche aus modernen Fahrzeugen schon heute nicht mehr wegzudenken. Viele Funktionen fest verbauter Systeme der Hersteller beinhalten solche Technologien und automatisiertes und auch autonomes Fahren sind ohne Telematik nicht denkbar. Aufgrund dieser technischen Entwicklungen haben wir uns in diesem Special dazu entschieden, einen Beitrag zur Fahrzeugtelematik zum Nachrüsten (S. 54) und einen Artikel zu den Telematikangeboten der Hersteller aufzunehmen (S. 52). Eine Funktion der Telematiksysteme, die häufig nachgefragt wird, ist das elektronische Fahrtenbuch (S. 58). Gerade hieran entzündet sich so manche innerbetriebliche Diskussion. Dabei sind handschriftliche Fahrtenbücher deutlich fehleranfälliger als elektronische Systeme. Insgesamt wird in den deutschen Fuhrparks vermutlich häufiger über das Datensammeln von Telematiksystemen diskutiert als über die Ortsdatenspeicherung des Diensthandys.

Apropos Diensthandy. Eine noch relativ neue Anwendungsmöglichkeit ist das digitale Bezahlen mit dem Smartphone. Google und Apple bieten entsprechende Möglichkeiten an, digital und kontaktlos zu bezahlen (S. 68). Insbesondere beim Tanken und bei der Fahrzeugwäsche ist diese Bezahlmöglichkeit eine Option. Zwar sind hier die Nutzerzahlen noch relativ gering, doch die Corona-Krise wird darauf einen positiven Effekt haben, wie auf die Digitalisierung der Flottenwelt insgesamt. Womit wir wieder beim Thema Social Distancing und damit am Anfang wären. Krisen verstärken bekanntlich positive wie negative Effekte, die ihren Ursprung bereits vor der eigentlichen Krise hatten. Dies dürfte derzeit besonders auf die Digitalisierung zutreffen. Ein Megatrend, der in den letzten beiden Jahrzehnten jeden Bereich des Lebens erfasst hat und sich durch die Corona-Krise noch schneller fortsetzen wird. Smartphones und Apps sind in Zeiten von Social Distancing und Homeoffice so etwas wie ein Fenster nach draußen, auch in der Flottenwelt.