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Während wir wie gewohnt in der Ausgabe 1/2020 noch zurück auf das Flottenjahr 2019 blickten und „Flotte! Der Branchentreff“ 2020 im Fokus hatten, trafen uns COVID-19 und dessen Folgen für das öffentliche Leben nicht nur mitten in den finalen Vorbereitungen für unseren Branchentreff, sondern hatte bereits Auswirkungen auf Heftinhalte der zweiten Ausgabe des Jahres. Denn Mitte März stand nicht mehr nur das öffentliche Leben in vielen asiatischen Staaten still, sondern das neuartige Corona-Virus erreichte Europa mit voller Wucht: Stillstehende Produktionsbänder, Einschränkungen im Verkauf und bei der Erbringung von Dienstleistungen sowie Kontaktbeschränkungen bestimmten fortan das Leben in Deutschland, in Europa und sogar weltweit. Erst am 6. Mai sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel davon, dass man in Deutschland „die allererste Phase“ der Pandemie hinter sich habe. Dennoch habe man „noch eine lange Auseinandersetzung mit dem Virus“ vor sich. So sei das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, erreicht worden und man könne nun weitere Öffnungsschritte beschließen. Was uns vielleicht noch über Monate begleiten wird, sind Mindestabstände und verschärfte allgemeine Hygienemaßnahmen, um auch Infektionsrisiken zu senken. Neben der langsamen Rückkehr zu einem „normalen Leben“ wurde auch eine Obergrenze von Neuinfektionen (Anmerkung der Redaktion: maximal 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche) festgelegt, ab der wieder härtere Beschränkungen greifen müssten.

Homeoffice, Kurzarbeit oder sogar Jobverlust, Verbote im Tourismusbereich und in vielen Vertriebsbereichen haben das Mobilitätsverhalten ab Mitte März in einer nie dagewesenen Weise verändert. Wer aufgrund seiner Arbeit nicht zu Hause bleiben konnte oder einfach unvermeidbare Wege in der Öffentlichkeit zurücklegen musste, konnte im März eine völlig andere Seite der Mobilität erleben: Selbst zu den Hochzeiten stauten sich nur selten die Autokolonnen vor Baustellen oder an anderen Engstellen; Ausnahmen waren Grenzübergänge. Flughäfen waren nahezu leergefegt und auch Bahnhöfe – egal, ob für den Fernverkehr oder den öffentlichen Personennahverkehr – verzeichneten einen rapiden Nutzerrückgang. Dies bestätigte auch das Ergebnis einer Umfrage des ADAC zum Mobilitätsverhalten in der Corona-Krise, welches Anfang April veröffentlicht wurde: So absolvierten laut der Umfrage des größten Automobilclubs in Deutschland nur noch 32 Prozent der Befragten eine Fünf-Tage-Woche mit täglicher Hin- und Rückfahrt zur Arbeit oder zum Ausbildungsplatz. Normalerweise sind es 66 Prozent. Wer noch regelmäßige Arbeitswege zurücklegen muss, verzichtet angesichts der Ansteckungsgefahren aktuell häufiger auf den öffentlichen Nahverkehr als bevorzugtes Verkehrsmittel. Statt 19 Prozent, die bislang die öffentlichen Angebote nutzten, greifen derzeit nur noch sieben Prozent darauf zurück. 26 beziehungsweise 29 Prozent der Befragten gaben an, den ÖPNV und die Bahn derzeit generell nicht mehr zu nutzen.

Nach einem Rekordjahr 2019 ist der für den Autohandel wichtige Monat März aufgrund der Corona- Pandemie und deren Einschränkungen praktisch nicht existent gewesen und auch die ersten drei Wochen im April fehlten. Davon sind auch die gewerblichen Zulassungen betroffen, die immerhin zwei Drittel aller Neuzulassungen ausmachen, wie aus den Zahlen der Deutschen Automobil Treuhand GmbH (DAT) zu erkennen ist. Die Situation war kurios, denn oftmals waren neue Pkw bereits verfügbar, aber aufgrund geschlossener Zulassungsstellen nicht abholbereit, oder Dienstwagenberechtigte, die für die Abholung ihres Pkw lange Strecken anreisen müssten, konnten nicht in Hotels übernachten. Für die Fuhrparkleiter ergaben sich durch COVID-19 zahlreiche Herausforderungen: Da keine Neu/-Folgefahrzeuge ausgeliefert werden konnten, griffen 76 Prozent auf angebotene Vertragsverlängerungen seitens der Leasinggesellschaften zurück. Als Alternative wurden auch Poolfahrzeuge genutzt (62 Prozent), also Firmenfahrzeuge ohne festen Nutzer. Mietwagen oder Auto-Abo-Modelle wurden als Interimslösung von etwa der Hälfte der Fuhrparkleiter eingesetzt. Axel Schäfer, Geschäftsführer des Bundesverbands Fuhrparkmanagement e. V. (BVF), beschrieb die Situation folgendermaßen: „In der aktuellen Ausnahmesituation ist es wichtiger denn je, dass das Fuhrparkmanagement handlungsfähig ist, die Einsatzbereitschaft der Fahrzeuge muss gewährleistet bleiben. Genauso wichtig ist es, Planungen kurzfristig an Veränderungen anzupassen. Kann ein neu geordertes und notwendiges Fahrzeug nicht oder nicht sicher geliefert werden, dann kann es Sinn machen, Leasingverträge zu verlängern, Poolfahrzeuge vorübergehend fest zuzuordnen oder auf Mietfahrzeuge auszuweichen. Allerdings sollte das so flexibel gestaltet sein, dass man seine Handlungsoptionen nicht unnötig beschneidet und ohne großen Aufwand in den Normalbetrieb schalten kann.“

In einer Studie, die am 6. Mai veröffentlicht wurde, hat das Institut für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) untersucht, wie sich die Corona-Krise auf das Mobilitätsverhalten der deutschen Bevölkerung auswirkt. Aus den Antworten der 1.000 befragten Personen im Alter zwischen 18 und 82 Jahren ergab sich ein eindeutiger Trend: „Es ist eindeutig, dass die Corona-Pandemie unser Mobilitätsverhalten grundlegend verändert. Insbesondere die öffentlichen Verkehrsmittel müssen eine Durststrecke überbrücken und brauchen Unterstützung. Vieles weist darauf hin, dass Auto und auch Fahrrad als Gewinner aus der Krise hervorgehen werden“, fasst Prof. Barbara Lenz, Direktorin des DLR-Instituts für Verkehrsforschung, die Ergebnisse zusammen. Gerade der privat genutzte Pkw weise gegenüber anderen Verkehrsmitteln einen deutlichen Wohlfühlfaktor auf. Fast alle Befragten gaben an, sich im Auto wohler oder genauso wohlzufühlen wie vor der Krise. Das ist bei keinem anderen Verkehrsmittel der Fall. Rund ein Drittel der Befragten aus Haushalten ohne eigenen Pkw (in Deutschland etwas mehr als 20 Prozent) vermissen derzeit das Auto als Verkehrsmittel. Sechs Prozent der Haushalte ohne eigenen Pkw geben an, aufgrund der Verbreitung des Corona-Virus über die Anschaffung eines Pkw nachzudenken. „Im Kontext der Corona-Krise kann man durchaus von einem ‚Revival‘ des Privatautos sprechen. Das Gefühl der eigenen Sicherheit scheint aktuell die Auswahl des Verkehrsmittels stark zu beeinflussen“, so Institutsdirektorin Lenz weiter. „Überraschenderweise vermissen besonders viele junge Städter in dieser Situation das eigene Fahrzeug. Ob diese Entwicklungen auch in der Zeit nach Corona anhalten, wird nicht nur für uns Forschende spannend zu beobachten sein“, erklärte Barbara Lenz.

Nach gut zwei Monaten mit Kontaktbeschränkungen (Redaktionsschluss: 18. Mai) sind langfristige Auswirkungen noch nicht absehbar. Jedoch zeichnen sich bereits erste Veränderungen bei den sogenannten Megatrends im Mobilitätssektor ab: Digitalisierung und das steigende Nachhaltigkeitsbestreben bekommen einen zusätzlichen Schub durch den Ausbruch von COVID-19. Auf die Entwicklungen beim Mobilitätsverhalten hat das Corona-Virus jedoch eine entgegengesetzte Wirkung – das eigene Fahrzeug gewinnt wieder mehr an Bedeutung. Die Mehrheit der Studien geht von einer Renaissance des Dienstwagens aus. Denn gerade bei der Minimierung von Infektionsrisiken liegen die Vorteile eines personenbezogenen Fahrzeugs auf der Hand: Dadurch, dass man das Fahrzeug nicht mit anderen teilen muss, baut sich hier eine gewisse Schutzsphäre auf und das Risiko einer Ansteckung über das Fahrzeug geht Richtung null. Um diese Schutzsphäre am Leben zu erhalten, sei es laut Dr. Jenny Dodman, Chief Medical Officer von Ford in Großbritannien, heute wichtiger denn je, das Auto sauber zu halten, wenn man es benutzt. Bereits handelsübliche Haushalts-Reinigungsmittel sind gegen das Corona-Virus wirksam. Besondere Aufmerksamkeit sollte im Auto den häufig berührten Bereichen („Kontaktflächen“) gewidmet werden – wie zum Beispiel Lenkrad, Türgriffe, Schalthebel, Knöpfe, Touchscreen, Armlehnen und Sitzverstellungen. Auch die Sicherheitsgurte sollten auf der Sauberkeits- Checkliste jedes Fahrers ganz oben stehen, denn Sicherheitsgurte liegen direkt am Körper an und könnten möglicherweise sogar die Hauptlast der von Husten und Niesen ausgehenden Tröpfchen tragen. Fuhrparkverantwortliche sollten daher dienstwagenberechtigte Mitarbeiter auch dahin gehend schulen, ihren Dienstwagen bei Übergabe an Familienangehörige oder Kollegen an diesen „Kontaktflächen“ besonders zu reinigen beziehungsweise diese zu desinfizieren. Gleichwohl ist das Infektionsrisiko im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln aufgrund des eingeschränkten Nutzerradius ohnehin deutlich geringer.

Ergänzt man zu diesen gesundheitlichen Aspekten die bereits vorhandenen Vorteile eines Dienstwagens, wie die hohe Flexibilität in Bezug auf die Fahrtstrecke sowie das Platzangebot, die davon ausgehende Mitarbeitermotivation und die zahlreichen Möglichkeiten eines mobilen Offices, kann man sehr wohl von einer gesteigerten Bedeutung des Dienstwagens für die betriebliche Mobilität sprechen. Wenngleich der Dienstwagen nicht nur zur Beförderung zu Kundenterminen oder für Pendlerfahrten genutzt werden kann, er bietet durch seine steigende Digitalisierung und die Verfügbarkeit von Freisprecheinrichtungen sowie WLAN-Hotspots auch die besten Voraussetzungen für das Arbeiten von nahezu überall. Für manche ist er also auch eine willkommene Abwechslung zum Homeoffice, um konzentriert Aufgaben für den Job zu erledigen.