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Bereits in der ersten Flottenmanagement-Ausgabe 2020 haben wir umfassend über die Pläne der Bundesregierung in Sachen Elektromobilitätsförderung berichtet. In der Zwischenzeit sind diese Förderrichtlinien von der EU gebilligt und in Deutschland umgesetzt worden. Nur wenige Details haben sich an dem letztendlich umgesetzten Umweltbonus geändert. So werden beispielsweise Plug-in-Hybride mit einem Nettolistenpreis von über 40.000 Euro nicht mit 4.000 Euro, wie es kurz nach dem Autogipfel im Kanzleramt im Dezember 2019 hieß, sondern lediglich mit 3.500 Euro bezuschusst. Ebenfalls neu ist die Förderung junger gebrauchter E-Fahrzeuge, für die bisher kein vergleichbarer Bonus gezahlt wurde. Voraussetzung sind ein maximales Alter von zwölf Monaten und eine Laufleistung von höchstens 15.000 Kilometern. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, können Käufer für gebrauchte Vollstromer 5.000 Euro und für gebrauchte Plug-in-Hybride 3.750 Euro Fördergeld einstreichen. Im Vergleich zum ersten Umweltbonus sind die Fördermaßnahmen ausgeweitet worden und die Fördersummen gestiegen. Eine komplette Übersicht über das Förderprogramm Elektromobilität (FEM) findet sich auf der Website des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Die neue Förderung, die am 19. Februar in Kraft trat, gilt rückwirkend für alle Fahrzeuge, die ab dem 5. November 2019 zugelassen wurden, und wird bis zum 31. Dezember 2025 gewährt.

Das Ziel der Bundesregierung mit dem neuen Umweltbonus ist klar: „Mit dem erhöhten und verlängerten Umweltbonus wollen wir der Elektromobilität in Deutschland weiteren Schub verleihen. Der neue Umweltbonus ist eine gute Nachricht für die Verbraucherinnen und Verbraucher und den Klimaschutz“, erklärte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Zunächst sorgte der angestrebte „Schub“ jedoch eher zu einer Verzögerung, weil zwischen der Bekanntgabe im Anschluss an den angesprochenen Berliner Autogipfel im Dezember 2019 und der Umsetzung der Beschlüsse ein Rückgang bei den Zulassungszahlen von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben zu beobachten war. Dieser Rückgang lag schlicht an der Unsicherheit von Verbrauchern, die auf die Umsetzung des angekündigten neuen Umweltbonus warteten. Auch darüber berichteten wir bereits in unserer Ausgabe 1. Die Automobilhersteller traten in der Zwischenzeit in Vorleistung und gewährten den Kunden entsprechend höhere Rabatte. Der Autohandel befürchtete indes, dass Kunden Vertragsanpassungen fordern könnten. Mittlerweile haben die Hersteller den Förderungsanteil wieder zurückgefahren.

Als wäre die lange unklare Förderungssituation nicht schon verwirrend genug, gibt es ja noch weitere Fördertöpfe, auf die Elektroautokäufer unter Umständen Anspruch haben. Beispielsweise hat das Bundesland Nordrhein-Westfalen im letzten Jahr eine eigene Förderinitiative gestartet. Eine Doppelförderung, anders als es zuvor vermutet wurde, ist allerdings in diesem Fall nicht möglich. Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart erklärte in einer Pressemeldung des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW: „Durch die Förderung von Elektro-Pkw in Unternehmen, die wir vor einem Jahr gestartet haben, konnten wir einen spürbaren Anschub leisten. Jetzt, da der Bund die Pkw-Förderung deutlich erhöht hat, lenken wir unsere Förderschwerpunkte auf die intelligente Einbindung von Ladeinfrastruktur in das Stromnetz sowie die ortsnahe und klimafreundliche Erzeugung des benötigten Ladestroms. Intelligente Ladesäulen können von den Netzbetreibern oder von Energiemanagementsystemen direkt angesteuert werden. Ladevorgänge können dann gestartet werden, wenn viel erneuerbar erzeugter Strom zur Verfügung steht. Dadurch können erneuerbare Energien deutlich besser genutzt werden. Das ist ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz.“ Mit anderen Worten fördert das Bundesland ab jetzt nur noch den Aufbau von Ladeinfrastruktur und nicht mehr die Anschaffung von Elektrofahrzeugen. Nach Angaben des Ministeriums wurde durch die Fördergelder in zwölf Monaten die Anschaffung von 6.000 E-Fahrzeugen unterstützt.

Fazit 
Welchen Einfluss der Umweltbonus auf die Marktentwicklung der Stromer haben wird, bleibt abzuwarten. Möglich, dass die neue Förderung ein verspäteter Startschuss für eine große Elektrooffensive ist. Für noch mehr „Schub“, um es mit Altmaiers Worten zu sagen, könnte auch die wachsende Modellvielfalt sorgen. Denn nur wenn Elektroautos auch für jeden Geschmack etwas bieten können, werden sie erfolgreich sein. 

Unklar ist allerdings, wie sich die Corona-Krise auf das Kaufverhalten auswirken wird und ob die derzeit diskutierten Kaufprämien mit Umweltzielen verknüpft werden.