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Die Corona-Pandemie hat die ganze Welt zum Stillstand gebracht. Nicht nur der Großteil der Privatfahrten und -reisen findet nicht mehr statt, auch Dienstreisen haben abrupt ausgesetzt. Wie eine Auswertung der Bewegungsdaten von 90.000 Fahrzeugen mittelständischer Betriebe und Selbstständiger durch Vimcar ergab, reduzierten sich die Kilometer für im März und April unternommene geschäftliche Fahrten um bis zu 60 Prozent im Vergleich zur vorletzten Februarwoche, als noch nahezu normaler Geschäftsbetrieb herrschte. Auch bei den Fahrstrecken zum Arbeitsplatz gab es einen Rückgang um bis zu 38 Prozent, da viele Unternehmen – wo möglich – Homeoffice anordneten. Nicht zuletzt geraten dadurch auch unzählige Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten. Da bislang eine Rückkehr zur Normalität, also zumindest die vor Corona, nicht absehbar ist und somit eine gewisse Zeitspanne eines Leasingvertrags davon beeinflusst wird, kann es sein, dass sich Abweichungen von zuvor angenommenen Parametern für Dienstwagen ergeben. Der Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen e. V. (BDL) setzt sich unter anderem dafür ein, die Auswirkungen der Krise für die Leasingunternehmen und ihre Kunden möglichst abzufedern. Die Maßnahmen reichen vom erfolgreichen Einsatz zur Öffnung der KfW-Sonderprogramme für das Leasinggeschäft (Leasinggesellschaften können einen KfW-Unternehmerkredit im Rahmen des Corona-Sonderprogramms 2020 für sich beantragen – sofern sie nicht mit mehr als 25 Prozent im Eigentum von Banken stehen. Zusätzlich sollen Leasingkunden den Unternehmerkredit für die Zahlung von Leasingraten nutzen können) bis zur Forderung nach einem durch Garantie abgesicherten Stundungsmodell für Leasingraten. Der Verband nutzt seinen Einfluss, denn auch für den „Wiederaufbau“ nach der Krise wird eine starke Leasingbranche gebraucht. 

Wir haben direkt in die Branche gefragt und erfahren, dass Leasinggeber und auch Vermittler von Leasingdienstleistungen von diversen Änderungen auf dem Fahrzeugmarkt ausgehen und im engen Kontakt mit ihren Kunden ihre Hilfe anbieten. Frank Hägele, Mitglied der Geschäftsführung Deutsche Leasing, Geschäftsfeld Mobility, schätzt, dass die gewerblichen Neuzulassungszahlen bis zum Jahresende deutlich zurückgehen werden: „Wir sollten uns auf ein Minus im sechsstelligen Bereich einstellen. Die Vermarktung wird in den nächsten Monaten in den wesentlichen Teilsegmenten anspruchsvoller. Junge Gebrauchtwagen werden unter genauer Beobachtung stehen. Für günstigere Leasingrückläufer können sich Chancen ergeben, da die Bedeutung der persönlichen Mobilität durch die Krise auch mittelfristig zunehmen wird und es damit zu Erstbeschaffungen kommen wird. Wesentliche Nachholeffekte sehe ich nicht vor Spätherbst 2020.“

Wie sich der Gebrauchtwagenmarkt und damit die Restwertentwicklung entwickeln wird, gleicht einem Blick in die Glaskugel. Wöchentlich, wenn nicht sogar täglich ändern sich die Voraussetzungen, wodurch ein verlässlicher Ausblick nicht möglich ist. Viel wichtiger erscheint es derzeit, auf akute Probleme und individuelle Situationen der Leasingnehmer einzugehen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Holger Büscher, Geschäftsführer akf servicelease GmbH, beobachtet derzeit durch den aktuell stark gestiegenen und sicher auch zukünftig steigenden Anteil von Online-Meetings sinkende Kilometerlaufleistungen bei den bereits kontrahierten Fahrzeugen. Bei der CarExtern Automotive Services GmbH verzeichnet Geschäftsführerin Christiane Engel aktuell zahlreiche – vorsorgliche – Vertragsverlängerungen. „Aus Sorge der Kunden im Hinblick auf verlängerte Auslieferungszeiten und ein Vakuum durch Produktionsverzögerungen“, wie sie weiß. Eine vorzeitige Rückgabe ist im Regelfall mit Zusatzkosten verbunden. Hier gelte es, den Einzelfall sowie den Hintergrund für diese Handlungsalternative zu prüfen und gegebenenfalls auf Kulanz der Leasingpartner zu hoffen, sofern keine vertragliche Regelung bestehe. Kurzfristig werde sich aufgrund der Beschränkungen der Zulassungsstellen die Anzahl der Neuzulassungen sicherlich reduzieren, je nach Zeitpunkt der Lockerungen wird sich dieser Stau sicherlich auflösen. „Wir warnen jedoch davor, dass die Corona- Krise als Vorwand für – ohnehin geplante – Marktregulierungsmaßnahmen genutzt wird“, mahnt sie ausdrücklich.

Sollten Kunden aufgrund von mangelnden Aufträgen oder eines Berufsverbots in Zahlungsschwierigkeiten hinsichtlich ihrer Leasingraten geraten, können Leasinggesellschaften das von der Bundesregierung bereitgestellte Hilfsprogramm der KfW-Bank oder den KfW-Schnellkredit zur Stundung von Leasingraten nutzen. Dieses bieten akf, Arval sowie die Deutsche Leasing deren Sprechern zufolge an. Leasing an sich eignet sich wie schon in Vor-Krisenzeiten als ideales Instrument zur Liquiditätsschonung beziehungsweise bei Liquiditätsengpässen. „Wir sind der festen Überzeugung, dass das Leasinggeschäft der Schlüssel zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit des Mittelstandes ist. Ein wesentlicher Teil der Investitionen in Deutschland – insbesondere Fahrzeuge und Maschinen – wird über die Leasingbranche ermöglicht. In der aktuellen Phase wären staatliche Absicherungsgarantien für Ausfallrisiken bei Leasinggeschäften ein geeignetes Instrument zur Sicherstellung des Zugriffs der Realwirtschaft auf diese Betriebsmittel und zur Vermeidung von Produktionsausfällen mit der Folge einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale. Derzeit arbeiten wir an entsprechenden Programmen für unsere Kunden“, fasst Knut Krösche, Geschäftsführer der Volkswagen Leasing GmbH, die Zielrichtung seines Unternehmens zusammen. 

Weitere Auswirkungen der Corona-Pandemie machen sich auch im Leasinggeschäft durch einen höheren Anspruch an Flexibilität eines Fuhrparks sowie einen verstärkten Bedarf an Digitalisierung deutlich. Persönliche Mobilität wird immer wichtiger. André Girnus, Geschäftsführer Athlon Germany GmbH, stellt fest: „Die aktuelle Situation zeigt, wie vorteilhaft ein flexibler Fuhrpark ist, den man im Bedarfsfall aufstocken, im Krisenfall jedoch auch reduzieren kann. Wir sind fest davon überzeugt, dass sich immer mehr Fuhrparkmanager dafür entscheiden werden. Wir begegnen diesem Trend, indem wir unser Miet-Angebot ausbauen werden. Ein guter Mix zwischen Leasingund Mietfahrzeugen ist hier entscheidend.“

Doch nicht überall machen sich die coronabedingten Änderungen des Fuhrparkalltags gleichermaßen bemerkbar, wie Christoph von Tschirschnitz, CEO der SIXT Mobility Consulting Europe aus Pullach, zu berichten weiß: „Die Fuhrparks haben sich bislang nicht geändert. Aktuell sinkt die Fahrleistung pro Woche deutlich. Die Nutzer haben die gleichen Anliegen, die wir als Fuhrparkmanager gerne erledigen. Die digitale Nutzerbetreuung mit unserer App The Companion findet einen rasanten Anstieg – sicher auch infolge des allgemeinen pandemiebedingten Digitalisierungsschubs. Unmittelbar mit Corona in Verbindung bringen lässt sich das veränderte Tankverhalten: Wir sehen einen Boom bei unserem neuen Smart Payment Service ,Tanken und per App direkt an der Shell Tanksäule bezahlen‘. Die Nutzer schätzen die Vermeidung des Kassenhäuschens und der dortigen Schlangen.“

Kommunikation ist auch das Thema der Stunde bei der Arval Deutschland GmbH, die in der momentanen Situation mehr denn je auf die direkte Kommunikation mit ihren Kunden setzt. Mit verschiedenen Aktionen bietet sie ihren Kunden Anpassungsmöglichkeiten an die veränderten Bedingungen. Das können individuelle und unbürokratische Verlängerungsangebote sein, attraktive Konditionen für die Langzeitmiete oder besondere Angebote für den Verkauf der Leasingfahrzeuge an die Fahrer zum Vertragsende. „Gleichzeitig stehen wir auch mit den Branchenverbänden in engem Austausch, insbesondere in Bezug auf Änderungen bei der Erfüllung der Leasingverträge. Die Empfehlung des BDL in Hinsicht auf die Vorgehensweise findet auch bei uns Anwendung“, so Geschäftsführer Marcus Schulz.

Praktikable Lösungen für alle sichtbar machen, damit auch andere davon profitieren können, steckt hinter der Idee von ARI Fleet. „Das Fuhrparkmanagement unserer Kunden muss sich auf individuell sehr unterschiedliche Situationen einstellen“, erzählt Majk Strika, Managing Director ARI Fleet. „Wir sammeln diese Erfahrungen in einer Art Thinktank und geben sie an die Community weiter. Zwei Beispiele: Ein Unternehmen der Bauindustrie mietet kurzfristig zusätzliche Fahrzeuge an, um seine Mitarbeiter entsprechend dem Mindestabstandsgebot zu ihren Einsatzorten bringen zu können. Ein weiteres Unternehmen konnte einen Teil seiner Flotte aufgrund eines Auftragsrückganges nicht einsetzen. Wir haben ihm durch eine Ruheversicherung für die betroffenen Fahrzeuge bei der Umsetzung einer „Corona-Pause“ geholfen. Weitere Tipps insbesondere für die Fahrer unserer Kunden kommunizieren wir auf unserer Website.“

In der derzeitigen Situation gilt es, sensibel gegenüber den Bedürfnissen und Nöten der Leasingkunden zu sein, wissen die Dienstleister. Auch sie können auf die stützende Kraft des Branchenverbandes BDL setzen, der vorausschauend für sie und ihre Kunden Hilfs- und Förderprogramme anschiebt und aktuelle Übersichten zu sämtlichen Programmen unter bdl.leasingverband. de/leasing/corona-krise bereithält. Davon profitieren die Leasinggesellschaften in ihrer Arbeit und deren Kunden, die letztlich auch Teile des deutschen Wirtschaftsmotors sind.