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Flottenmanagement: Frau Vogt, 2019 war für Ford ein erfolgreiches Flottenjahr. So wurden circa 66.500 Pkw (plus 16,1 Prozent im Vergleich zu 2018) und rund 36.400 Nutzfahrzeuge (plus 7,9 Prozent im Vergleich zu 2018) im Gewerbekundensegment abgesetzt. Was ist das Erfolgsrezept von Ford? Wie hat sich der Flottenbereich in Ihrer Zuständigkeit bei Ford verändert?

Claudia Vogt: 2019 war für Ford sowohl im Pkwals auch im Nutzfahrzeugbereich tatsächlich ein erfolgreiches Jahr. Insgesamt hatten wir im vergangenen Jahr bei den Pkw einen Marktanteil von siebeneinhalb Prozent und bei den Nutzfahrzeugen mit 13 Prozent den höchsten Marktanteil, den wir jemals erzielt haben. In beiden Segmenten haben wir es dabei geschafft, stärker als der Gesamtmarkt zu wachsen. Nach wie vor ist dabei der Flottenbereich ein Garant des Erfolgs. Grundlage für diese Wachstumszahlen sind in erster Linie die Produkte, also unsere Fahrzeugpalette. Fast alle flottenrelevanten Modelle wurden in den letzten zwei Jahren aktualisiert, sodass wir ein sehr junges Produktangebot haben, das sich technisch auf einem hohen Niveau befindet. Darüber hinaus trägt auch die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Handel zu einem guten Kundenkontakt bei. Seit meinem Amtsantritt haben wir vor allem die kleineren Flotten stärker in den Fokus gerückt. Mit diversen Außendienst- und Händlerschulungen haben wir uns auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe eingestellt und können nun neben den großen Funktionsflotten auch Kleingewerbetreibende immer besser adressieren. So ist dieser Bereich 2019 zum ersten Mal stärker als das Großkundengeschäft gewachsen.

Flottenmanagement: Der Ford Focus ist eine der Säulen von Ford im Flottengeschäft. Was zeichnet das Modell aus und was macht es für Gewerbekunden so attraktiv?

Claudia Vogt: Der Ford Focus war schon immer ein Erfolgsgarant. Beim aktuellen Modell ist bei den Flottenkunden vor allem das Gesamtpaket der Turnier-Variante beliebt, also der Kombi. So bietet der Ford Focus Turnier eine optimale Stauraumausnutzung. Ein Highlight für Vielfahrer ist der Ford Ergonomie-Sitz, der mit seinen unzähligen Einstellungsmöglichkeiten das AGR-Gütesiegel der „Aktion Gesunder Rücken“ erhalten hat. In Verbindung mit dem Ford Co-Pilot360 gehört der Ford Focus somit zu den aktuell am besten ausgestatteten Fahrzeugen in der Kompaktklasse.

Flottenmanagement: Was ist der Ford Co-Pilot360?

Claudia Vogt: Zum Zeitpunkt der Markteinführung stand für den Ford Focus das umfangreichste Angebot an Assistenzsystemen zur Verfügung, das Ford je in einer europäischen Baureihe angeboten hat. Viele dieser Funktionen entsprechen dem Level 2 für automatisiertes Fahren. Diese hochmodernen Systeme bieten Verbesserungen in puncto Sicherheit, Fahren und Parken. Mittlerweile erreichen auch andere Ford-Baureihen wie der neue Puma, der dieser Tage auf den Markt kommt, das gleiche beziehungsweise ein noch höheres Level an Fahrerassistenzsystemen. Ford fasst die Assistenztechnologien unter dem globalen Oberbegriff „Ford Co-Pilot360“ zusammen. Beispiele für Features des Ford Co-Pilot360 sind der Aktive Park-Assistent „Plus“ mit teilautomatisierter Fahrzeugführung, der Ausweich- Assistent oder der Ford Intelligent Drive Assist – bestehend aus dem Fahrspur-Piloten, dem Stau-Assistenten mit „Stopp & Go“-Funktion sowie der intelligenten adaptiven Geschwindigkeitsregelanlage mit Verkehrsschilderkennung.

Flottenmanagement: Auch der Ford Kuga kommt im April neu auf den Markt. Was hat sich bei ihm im Vergleich zum Vorgängermodell verändert? Welche Antriebe stehen für ihn zur Verfügung?

Claudia Vogt: Die markanteste Neuerung der neuen, dritten Kuga-Generation werden die unterschiedlichen Antriebsvarianten sein. So ist der Kuga unsere erste Baureihe überhaupt, die nicht nur mit Benzin- und Dieselmotoren verfügbar sein wird, sondern auch mit drei elektrifizierten Antrieben: als Plug-in-Hybrid-Benziner, als Mild-Hybrid-Diesel, das heißt mit 48-Volt- Technologie, sowie – ab Ende des Jahres bestellbar – auch als Vollhybrid-Benziner. Wir haben uns dazu entschieden, diese Antriebsvielfalt im Kuga anzubieten, weil diese Baureihe in einem Wachstumsbereich angesiedelt ist, nämlich dem SUV-Segment, und wir auf diese Weise unterschiedlichste Kundengruppen ansprechen können. Auch das Design unterstreicht diesen Anspruch – so entwickelt sich die neue Kuga-Generation weg von der klassischen SUV-Optik hin zu einem Crossover-Look, der sich vor allem durch weichere Linien auszeichnet. Die bereits angesprochenen Assistenztechnologien des Ford Co-Pilot360 sind selbstverständlich auch mit an Bord.

Flottenmanagement: Bis Ende 2020 wird Ford insgesamt 14 elektrifizierte Modelle in Europa auf den Markt bringen. Eines der Highlights ist sicherlich der neue vollelektrische Mustang Mach-E. Welche Rolle wird er im Flottensegment einnehmen?

Claudia Vogt: Zwar bedient sich der Mustang Mach-E der Gene des Mustangs, der Ford Sportwagen- Ikone schlechthin. Dennoch dürfte er als Elektrofahrzeug auch in die ein oder andere Flotte passen. Denn neben den Mustang-typischen Designelementen und den sportlichen Fahreigenschaften bietet das Fahrzeug durchaus auch Nutzwert. Besonders der großzügige Innenraum und ein üppiges Kofferraumvolumen machen das Fahrzeug für Flotten interessant, die ihre Mobilität grüner gestalten wollen, oder auch für User-Chooser, die sich mit ihrem Fahrzeug aus der Masse der Dienstwagenfahrer abheben wollen. Wie beim neuen Puma wird es auch im Mustang Mach-E die sogenannte MegaBox geben. Das ist ein flexibel nutzbares Unterflurfach, das vollständig mit Kunststoff ausgekleidet ist und ein Ablaufventil besitzt. Dadurch lässt sich die MegaBox nach der Nutzung sehr leicht mit Wasser reinigen, das anschließend einfach abfließen kann. Anders als beim Puma, bei dem die Mega- Box eine Erweiterung des Kofferraums darstellt, ist sie beim Mach-E aufgrund des fehlenden Motorblocks vorne untergebracht.

Bei den angesprochenen 14 neuen elektrifizierten Modellen – bis Ende 2021 werden es übrigens insgesamt 18 elektrifizierte Modelle sein, die Ford in Europa auf den Markt bringt – ist uns besonders die Demokratisierung der Mobilität wichtig. So werden wir für jede Pkw-Baureihe und für jede Geldbörse mindestens einen elektrifizierten Antrieb anbieten können. Dies schließt beispielsweise den mehrfach angesprochenen Puma mit ein, der auf Basis der 48-Volt-Technologie einen Mild-Hybrid-Antrieb in Kombination mit dem 1,0-Liter-EcoBoost-Benzinmotor erhalten hat.

Flottenmanagement: Welche Relevanz hat der Dieselantrieb künftig bei Ford? Wie sieht der Antriebsmix bei den Modellen in den nächsten Jahren aus?

Claudia Vogt: Wir versuchen, für jedes Segment zu verstehen, welche Kundenanforderungen an das Produkt gestellt werden. So wird der Diesel bei Langstreckenfahrzeugen auch mittelfristig nach wie vor eine große Rolle spielen. Diese Überzeugung leiten wir nicht zuletzt aus dem Feedback der Flottenleiter ab. Bei Fahrzeugen, die eher für kurze Strecken oder ausschließlich im Stadtverkehr zum Einsatz kommen, wird dagegen eine zunehmende Elektrifizierung stattfinden. Auch der Nutzfahrzeugbereich wird davon profitieren. So werden die Transit-Modelle mit Mild-Hybrid-Technologie auf Basis eines Dieselmotors ausgerüstet. Als nächste Stufe führen wir gerade den Transit Custom Plug-in-Hybrid ein. Das ist ein leichtes Nutzfahrzeug im Ein-Tonnen-Nutzlastbereich. Der Transit Custom Kastenwagen Plug-in-Hybrid fährt bis zu 56 Kilometer rein elektrisch – damit ermöglicht er zum Beispiel im Stadtverkehr lokal emissionsfreie Fahrten und ist zudem von etwaigen Zufahrtsbeschränkungen in urbane Umweltzonen befreit. Dank der Kombination aus Elektroantrieb und dem 1,0 Liter großen Ford EcoBoost-Turbobenziner, der als Range Extender dient, überzeugt die Plug-in-Hybrid-Version mit einer alltagstauglichen Gesamtreichweite von rund 500 Kilometern. Und im nächsten Jahr wollen wir eine vollelektrische Variante des Nutzfahrzeugs Ford Transit auf den Markt bringen.

Flottenmanagement: Was können Sie Ihren Gewerbekunden in den Bereichen Finanzierung und Ausstattung bieten? Gibt es beispielsweise spezielle Leasingangebote oder Businesspakete für die flottenrelevanten Ford-Modelle?

Claudia Vogt: Klar im Fokus unserer Gewerbewochen stehen die kleinen und mittleren Flotten. Für diese bieten wir über Ford Lease ein attraktives Full-Service-Angebot. Für dieses Jahr stehen dabei vor allem Fahrzeuge mit alternativen Antrieben im Blickpunkt, also Modelle wie beispielsweise der Ford Puma mit 48-Volt-Mild-Hybrid- Technologie, der Ford Kuga Plug-in-Hybrid und der Explorer Plug-in-Hybrid. Sie werden zu sehr attraktiven Konditionen angeboten. Generell bieten wir unseren Kunden eine große Vielfalt an Finanzierungs- und Leasingangeboten über die Ford Bank und Ford Lease. Auch in diesem Punkt entscheidet bei uns der Kunde, welche der angebotenen Varianten am besten zu seinen individuellen Bedürfnissen passt.

Flottenmanagement: Wie weit sind Ihre Forschungen im Bereich des automatisierten Fahrens? Zuletzt war zu lesen, dass Ford Ende 2021 Robotaxis in drei US-Städten auf die Straße bringen möchte. Gibt es ähnliche Projekte, die für Europa geplant sind?

Claudia Vogt: Wir betreiben bereits seit 2018 Feldversuche in Florida, um die Technologie und darauf basierende Geschäftsmodelle in der Praxis zu erproben. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung werden unsere Forschung und unsere Innovationskraft auf diesem Feld anerkannt: Eine Rangliste einer deutschen Wirtschaftszeitung zu jenen 100 Unternehmen, die an der Schnittstelle zwischen analogen und digitalen Technologien Innovationsführer sind, führt Ford im Bereich des autonomen Fahrens an. Langfristig planen wir, autonome Fahrzeuge sowohl auf dem US-Markt als auch in Europa einzuführen. Allerdings, dies ist jedenfalls mein Eindruck, sind die USA für dieses Thema aufgeschlossener als wir hier in Europa, sowohl gesellschaftlich als auch was die rechtlichen Rahmenbedingungen angeht. Daher ist es im Moment schwer, einen konkreten Fahrplan zu nennen. Fest steht meiner Meinung nach nur, dass es sich, wenn autonomes Fahren möglich ist, sehr schnell durchsetzen wird, denn die Vorteile – insbesondere im Bereich urbaner Mobilität und Lieferdienste – sind aus meiner Sicht immens.

Flottenmanagement: Ford befinde sich aktuell im Transformationsprozess vom reinen Autohersteller hin zu einem umfassenden Automobil- und Mobilitätsanbieter, sagten Sie vor rund einem Jahr in einem Interview. Was bietet Ford seinen Kunden in Sachen Mobilität?

Claudia Vogt: Derzeit bieten wir in Kooperation mit der Deutschen Bahn Bikesharing in den Städten Köln und Düsseldorf an. Ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn bieten wir Ford Carsharing über das Flinkster-Netzwerk an. Intern haben wir den Bereich Smart Mobility gegründet, der in engem Austausch mit Kommunen wie der Stadt Köln Mobilitätskonzepte der Zukunft entwickelt. Dabei stehen neben den emissionsarmen oder sogar emissionsfreien Fahrzeugen auch Aspekte wie Vernetzung und digitale Services auf der Agenda. Ebenfalls ein großes Thema ist Big Data. Mithilfe von Ford Telematics und Data Services können wir schon heute den Fuhrparkleiter bei der effizienten Flottensteuerung unterstützen, indem wir ihm genaue Daten über seine Fahrzeuge in Kombination mit unserem herstellerspezifischen Know-how liefern. Auch für Kleingewerbetreibende haben wir digitale Lösungen im Portfolio. Über die App FordPass Pro können die Flottenbetreiber beispielsweise den Zustand und Standort ihrer Fahrzeuge per Smartphone abfragen.

Flottenmanagement: B-MAX und C-MAX sind aus dem Programm genommen worden, gleichzeitig sind mit dem Puma und dem Explorer neue SUV- beziehungsweise Crossover-Modelle hinzugekommen. Werden die Vans vollständig von SUV-Modellen verdrängt werden? Wie werden sich die Segmente in Zukunft verschieben?

Claudia Vogt: Veränderungen in den Segmenten hat es über die Jahre hinweg immer wieder gegeben. Derzeit sind SUV- und Crossover-Modelle sicher am gefragtesten. Dennoch glaube ich nicht, dass Vans vollständig aus dem Herstellerportfolio verschwinden werden. Nehmen wir zum Beispiel den Ford S-MAX oder den Ford Galaxy. Diese beiden Baureihen sind nach wie vor beliebt, designmäßig und technisch auf der Höhe der Zeit und werden demnächst auch mit einer Hybridvariante auf den Markt kommen. Gerade erst konnten wir eine Ausschreibung der Polizei Nordrhein-Westfalen im Bereich „Van“ mit dem S-MAX gewinnen. In Zukunft werden die Polizisten und Polizistinnen in NRW mit diesem ebenso sicheren wie geräumigen Auto Streife fahren. Das Besondere daran ist, dass der Entscheidung ein umfangreicher Praxistest durch die Polizei selbst vorausgegangen war. Uns bedeutet diese Ausschreibung viel, weil sie die Qualität und die Vielseitigkeit unserer Produkte eindrucksvoll aufzeigt.

Flottenmanagement: Blicken wir etwas voraus: Welche Ziele haben Sie sich für die kommenden Monate und darüber hinaus gesetzt?

Claudia Vogt: Seit Ende letzten Jahres habe ich zum Flottengeschäft auch die Zuständigkeit für das Thema Nutzfahrzeuge bei Ford übernommen. Derzeit versuchen wir, beide Bereiche mit Blick auf unsere Businesskunden zusammenzuführen. Darüber hinaus wollen wir unseren Außendienst und unser Händlernetz in Sachen alternative Antriebe noch besser aufstellen, damit wir den Kunden auch in diesen Fragen zur Seite stehen können – getreu unserem neuen Markenclaim „Bereit für Morgen“.