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Ein Blick in die Fahrzeugdaten sämtlicher reiner E-Modelle zeigt: Bei fast allen Fahrzeugen geben die Hersteller die Anhängelast mit null an. Warum ist das so?

Der Akku eines Stromers ist vor allem auf einen effizienten Stromverbrauch ausgerichtet – denn er ist gemessen an seiner zur Verfügung stehenden Energie im Moment noch recht groß und teuer. Bei einer „Standard-Belastung“, sprich der Masse des Fahrzeugs plus Passagiere und möglicherweise Gepäck, kann der Stromverbrauch annähernd genau bestimmt werden. Kommt hier noch ein großes, unbekanntes Gewicht an der Anhängerkupplung hinzu, wird zusätzliche Energie benötigt. Und eben dieser Zusatz ist schwer zu beziffern. So könnte die Reichweite von vielen E-Autos durch eine Anhängelast um bis zu 75 Prozent sinken.

Die Hersteller gehen daher wohl aktuell lieber auf Nummer sicher und schreiben ihren E-Modellen oftmals keine Anhängelast zu. An dieser Stelle sei auch angemerkt: Bei einigen Plug-in- Hybriden wird es genauso gehandhabt.

Aber: Die Auswahl von E-Fahrzeugen mit entsprechend vermerkter Zugkraft wächst. In unserer kleinen Tabelle finden Sie einige Modelle, die Anhänger ziehen dürfen. Mit dem Model X von Tesla sind beispielsweise über zwei Tonnen Anhängelast (2.250 Kilogramm) möglich. Damit braucht es sich auch vor konventionell angetriebenen (vergleichbaren) Modellen nicht verstecken. Die Konkurrenz aus Ingolstadt beziehungsweise Stuttgart folgt mit immerhin noch 1,8 Tonnen zulässiger Anhängelast.

Eine Anhängerkupplung steht zudem auch für den Renault Zoe zur Verfügung – allerdings nicht ab Werk. Das Unternehmen Rameder rüstet hier entsprechend für Zoes ab Baudatum Juni 2018 mit einer abnehmbaren Anhängerkupplung nach. Es dürfen jedoch nur Fahrradträger befestigt werden. Anhänger sind nicht erlaubt, da der Zoe ohne Anhängelast zugelassen wurde. Der Kugelkopf ist von Rameder dementsprechend so konstruiert, dass ein Anhänger auch gar nicht anzukuppeln ist.

Option E-Pick-up
Ein neues Highlight in Sachen Anhängelast verspricht der US-amerikanische Hersteller Nikola mit seinem elektrischen Pick-up namens Badger, der neben einer Batterie auch über einen Wasserstoffspeicher verfügt. Er soll nach Angaben des Herstellers 3,6 Tonnen schwere Anhängelasten ziehen können. Laut Unternehmensangaben soll der Vorverkauf für den Badger noch in diesem Jahr starten. In Konkurrenz wird er wohl unter anderem mit Teslas Cybertruck gehen, der voraussichtlich Ende des kommenden Jahres auf den Markt kommt. Er soll gemäß Tesla-Angaben 3,4 Tonnen Zugkraft für die einmotorige Variante bieten. Bei der Version mit zwei Motoren steigt diese bis 4,5 Tonnen respektive bis 6,3 Tonnen bei drei Motoren. Ebenfalls mischt in der Pick-up-Nische das US-amerikanische Start-up Rivian mit. Der Rivian R1T soll bis zu 5,5 Tonnen ziehen können. In den USA wird er aller Voraussicht nach bereits Ende 2020 in Serie auf die Straße kommen, der Europastart ist noch nicht genau terminiert.

Fazit
Noch ist die Auswahl überschaubar und auch die Reichweite geht mit schwerer Last (logischerweise) deutlich nach unten, das zeigte zuletzt auch ein Test des Magazins „Caravaning“ mit einem Tesla Model X. Aber letztlich sollte das den Fahrer nicht überraschen und setzt bei längeren Fahrten eben eine gewisse Planung voraus. Sobald die Akkus effizienter – sprich kleiner und günstiger – werden, sind von Herstellerseite auch die Freigabe von höheren Anhängelasten und insgesamt eine größere Auswahl bei den Modellen zu erwarten. Wer sich ein E-Auto mit besonders großer Zugkraft wünscht, sollte seinen Blick dabei auf elektrische Pick-ups richten.

 

 

Wie kann ich die zulässige Anhängelast berechnen?

Die Anhängelast, die im Fahrzeugschein oder der Zulassungsbescheinigung Teil I angegeben ist, bezieht sich allein auf das Zugfahrzeug. Dieser Wert darf auf keinen Fall mit dem zulässigen Gesamtgewicht des Anhängers verwechselt werden. Da sich die Werte in der Regel unterscheiden, gilt immer der kleinere Wert als Maßstab dafür, was man tatsächlich an den Haken nehmen darf. Nur in dem Fall, dass das zulässige Gesamtgewicht des Anhängers größer ist als die maximale Anhängelast des Zugfahrzeugs, darf man von dieser Regel abweichen – und zusätzlich zur Anhänge- noch die Stützlast dazurechnen.

 

Anhängelast kurz erklärt

Die Anhängelast Ihres Fahrzeugs finden Sie in der Zulassungsbescheinigung Teil 1. In dem früher als Fahrzeugschein bezeichneten Dokument steht, was entsprechend an den Haken genommen werden darf. Unter dem Punkt O.1 ist die gebremste Anhängelast zu finden. Das bedeutet: Wenn der Anhänger mit einer eigenen Auflaufbremse ausgestattet ist, darf das Fahrzeug einen Anhänger ziehen, der in seinem tatsächlichen Gewicht den O.1-Wert nicht überschreitet. Das Feld O.2 liefert das Gewicht eines ungebremsten Anhängers. Wichtig beim Anhängerbetrieb ist auch die zulässige Stützlast an der Anhängekupplung.