PDF DOWNLOAD

Liebe Firmenwagen-Fahrer, ja, Sie lesen richtig – diesmal geht es nicht um einen Kombi oder SUV, sondern wir möchten hier eine Lanze für die klassische Limousine brechen. Die Limousine war schließlich einmal das, wonach viele Menschen strebten: ein schicker fahrbarer Untersatz mit einem Hauch von Prestige. Aus rein ästhetischer Betrachtung wird die Limousine auch heute noch von vielen Autofahrern durchaus goutiert, doch am Ende schrecken die meisten vor ihr zurück – oft mit der Befürchtung, die Praxistauglichkeit leide unter dieser Karosserieform. Doch wer einmal genau überlegt, wann der Kombi in der Praxis wirklich einen Vorteil gebracht hat, mag womöglich zu dem Schluss kommen, dass dieser in vielen (wenngleich nicht in allen) Fällen verzichtbar ist – denn auch die Limousine ist ja durchaus flexibel und geizt keineswegs mit Platz. Und mit diesem Besinnen im Hinterkopf lässt sich Flottenmanagement nun auf dem Fahrersitz des Traditionalisten nieder, um den Alltag mit der sparsamen Hybrid-Limousine auszuprobieren.

Vielleicht sollte man vorher wissen, dass der hybridisierte Mondeo ein paar antriebstechnische Einzelheiten, die heute als Konvention gelten, über Bord wirft. So werkelt als Hauptantriebsquelle kein Turbobenziner unter der Motorhaube, sondern ein Saugmotor. Es ist ein zwei Liter großer Otto, der nach dem Atkinson-Prinzip arbeitet. In diesem Fall bleibt das Einlassventil etwas länger geöffnet als in der Regel, also auch dann noch, wenn der Kolben nach dem unteren Totpunkt wieder nach oben gleitet. Somit wird der Expansionshub verlängert, was eine bessere Ausnutzung der Verbrennungsenergie zur Folge hat. Zwar sinkt die Leistung des Ottomotors in diesem Arbeitsfenster geringfügig, aber es handelt sich ja um einen Hybridstrang mit kompensierender E-Maschine. Die reine Power des Elektroaggregats kommuniziert Ford übrigens nicht, nennt allerdings 187 PS als Systemleistung, womit der Mondeo alles andere als ärmlich dasteht.

Startknopf gedrückt, Stufe „D“ einlegen, und schon rollt der 1,7-Tonner sachte los. Mal mit, mal ohne Verbrenner – aber immer lässig. Zwecks Übersetzungsänderung kommt beim Mondeo ein leistungsverzweigtes System  zum Einsatz, das stufenlos und damit besonders sanft agiert. Von einem „Gummibandeffekt“ – bedeutet, dass der Verbrenner bei voller Beschleunigung auf Höchstdrehzahl verharrt, während das Fahrzeug an Tempo gewinnt – bekommt der Fahrer im Alltag nichts mit. Drückt man das rechte Pedal doch einmal ans Bodenblech, schnellt die Tourenzahl des Vierzylinders natürlich in die Höhe, allerdings bleibt die Maschine in der Lautäußerung kultiviert. Damit einher geht sanfter Druck in den Rücken der Passagiere, denn mit einem werksangegebenen Spurtvermögen von rund neun Sekunden bis hundert km/h gehört der Mondeo zwar nicht zu den Athleten, aber definitiv zu den flinken Autos mit sachlicher Orientierung. Doch was heißt sachlich, der Mondeo hat ganz offenbar den Auftrag, betont komfortabel und souverän zu sein. Souverän alleine deshalb, weil Gaspedalbefehle verzögerungsfrei in Schub umgesetzt werden – klar, es müssen ja keine Kupplungen angesteuert oder Zahnradpaare gegeneinander verschoben werden.

Komfort manifestiert sich im Mondeo indes vielfältig. So gelingt den Kölner Ingenieuren – bekannt für ihre hohe Kompetenz bei Fahrwerken – ein toller Kompromiss: Derart geschmeidig wie der Mondeo flauschen nur wenige Segmentbrüder über pflegebedürftige Straßenabschnitte – allerdings kann man diese Eigenschaft auch ein wenig mit der Räder-Auswahl steuern. Wer genügsam ist und es bei den 16-Zöllern mit 60er-Niederquerschnitt belässt, wird beim Überrollen von schlecht abgesenkten Bordsteinen zweifelsohne belohnt. Der Mondeo Hybrid bereitet trotz komfortablem Einschlag dennoch ebenso in ländlichen Strichen Fahrspaß, umrundet Kurven in dynamischer Weise, während sich die Fahrgäste wattig gepackt fühlen. Beim Bremsen merkt der kundige Fahrer, dass es sich um einen Hybriden handelt, denn das Pedalgefühl unterscheidet sich, wirkt leichtgängiger. Das so genannte regenerative Bremssystem wechselt selbsttätig zwischen Rekuperation und mechanischer Verzögerung. Wann Energie zurückgewonnen wird, ist übrigens im Display zu sehen.

Der Fahrer kann sich in das teils aus Display bestehende Kombiinstrument spielen lassen, wann welcher Motor am Vortrieb beteiligt ist oder wann eben kinetische Energie in den 1,4 kWh großen Akku zurückgespeist wird. An der Batteriekapazität können Kenner ablesen, dass der Mondeo Hybrid nicht etwa längere Distanzen rein elektrisch zurücklegt, das ist hier nicht vorgesehen. Dafür bleibt das Packaging weitgehend unberührt von der elektrischen Aufrüstung – der Mondeo gibt die Raumoase, hinten wie vorn. Mit den Beinen übereinandergeschlagen in der zweiten Reihe quer durch Deutschland reisen? Machbar mit dem Langstrecken-Profi. Ach ja, auch die Infotainment- Fans müssen freilich nicht darben. Digitalradio, großer Touchscreen in der Mitte, fix arbeitendes Navi, Sprachsteuerung und viele USB-Anschlüsse – alles serienmäßig am Start bei der Hybrid-Version als Limousine. Die Nutzung von Apple CarPlay respektive Android Auto oder das Verbinden mit einem WLAN-Hotspot erlaubt der Mondeo anno 2020 selbstredend ebenfalls.

Ähnlich umfangreich sieht es an der Assistentenfront aus, je nach Ausstattungslinie werden allerdings bis zu 2.184 Euro (netto) extra fällig, um den Mondeo vom Computer begleitet durch die Lande rollen und entsprechend automatisiert beschleunigen wie bremsen zu lassen. In diesem Preis enthalten sind jede Menge Features. Demnach warnt der Mittelklässler bis 80 km/h vor Fußgängern sowie Radfahrern und spürt Autos im toten Winkel auf. Es gibt die Einparkautomatik plus Rückfahrkamera und Querverkehr-Warnung. Außerdem dienen als Lichtquelle der Scheinwerfer leistungsstarke LED-Einheiten. Dinge wie Bluetooth-Freisprechanlage, Sitzheizung oder Tempomat weilen ohnehin an Bord. Für Langstreckennutzer empfehlenswert sind die Ergonomiesitze samt Lendenwirbelstütze und elektrischer Verstellung (18-fach), zumal der Aufpreis mit 579 Euro netto moderat ausfällt. Mit 34.453 Euro netto ist der Mondeo Hybrid als Limousine keineswegs zu teuer, immerhin präsentiert er sich üppig ausgestattet. Ganz zu schweigen von der attraktiven und kraftvollen Antriebseinheit.