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Die Oberbürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, geht das Verkehrsproblem in der Hauptstadt schon seit einiger Zeit an. Kreative Lösungen sind gefragt. Die Wassertaxi-Idee des Start-ups Sea Bubbles stieß bei ihr bereits 2017 auf Begeisterung. Damals stand das Tragflügelboot schon in den Startlöchern, das Unternehmen konnte sich aber mit den französischen Behörden nicht auf die Höchstgeschwindigkeit einigen. So sollte die erlaubte Geschwindigkeit auf den Pariser Schifffahrtswegen von 12 km/h innerhalb und 18 km/h außerhalb Paris’ auch für die Wassertaxis gelten. Alain Thébault, der mit Anders Bringdal Sea Bubbles gegründet hat, hatte sich darüber in einer Pressekonferenz echauffiert. So seien die Taxis für deutlich höhere Geschwindigkeiten ausgelegt und es ergebe keinen Sinn, ein Wassertaxi auf die Geschwindigkeit eines Fahrrades einzubremsen, so Thébault. So könne man gleich an Land mit einem Fahrrad unterwegs sein.

Zwei Jahre später hat man sich beim Thema Geschwindigkeit nun aber geeinigt. So dürfen die Wassertaxis voraussichtlich mit rund 30 km/h unterwegs sein. Das Ganze ist nachvollziehbar. Denn die beschränkten Geschwindigkeiten auf dem Fluss liegen darin begründet, einen zu starken Wellengang und eine zu hohe Lautstärke durch die Motorengeräusche zu vermeiden. Beides trifft auf die „fliegenden“ Boote nicht zu. So wirbt das Start-up mit dem Slogan „Kein Lärm, keine Wellen, keine CO2-Emissionen“. Warum kein Lärm? Durch die zwei zehn Kilowatt starken Elektromotoren ist die Fahrt geräuscharm, vergleichbar mit einem Elektroauto. Durch die E-Motoren ist auch erklärt, warum die Wassertaxis CO2-neutral unterwegs sind – sofern Strom aus erneuerbaren Energien genutzt wird. Und warum verursacht das Gefährt keine Wellen? Durch seine besondere Konstruktion „schwebt“ es rund 50 Zentimeter über dem Wasser. Alain Thébault spricht von einer Mischung aus Auto, Flugzeug und Schiff. Im Detail funktioniert es so: Bei einer Geschwindigkeit von über 10 km/h hebt das Gefährt aus dem Wasser ab und fährt auf sogenannten Foils. Vom Prinzip her gleichen sie Wasserskiern. Durch die Foils verringert sich der Reibungswiderstand um rund 50 Prozent, so können einfach recht hohe Geschwindigkeiten bei entsprechend geringem Energieaufwand erreicht werden. Und es entsteht folglich kaum Wellengang.

Für besonderen Komfort sorgt ein Computer, der mittels Sensoren die Höhe des Bootes über dem Wasser misst. Dabei steuert der Rechner drei Klappen in den Foils an, das Boot hält somit seine gerade Ausrichtung, auch bei Wellengang. Seekranken oder etwas empfindlicheren Personen bleiben hier also unangenehme Situationen erspart. Anders Bringdal verspricht, dass eine Fahrt mit dem Wassertaxi so bequem wie Autofahren sei.

Derzeit befindet sich Sea Bubbles in Paris in den letzten Zügen der Testphase, bei erfolgreichem Abschluss könnte im Frühjahr 2020 bereits der Regelbetrieb auf der Seine aufgenommen werden. Zum Start ist von 20 bis 40 solcher Gefährte die Rede. Andere Städte wie Amsterdam, Monaco und Zürich haben bereits ebenfalls ihr Interesse an den Wassertaxis bekundet.

Kritik
Es klingt vielversprechend, doch mehren sich mittlerweile auch die kritischen Stimmen. Zu ihnen zählt beispielsweise Dominique Ritz, der für den Schiffsverkehr auf dem Abschnitt in Paris verantwortlich ist. „Die Seine ist ein Fluss, auf dem die Navigation ziemlich schwierig ist“, sagt er. Denn neben der Berufsschifffahrt würden Ausflugsdampfer, Sightseeing-Schiffe und auch private Boote den Fluss in Paris bereits weitgehend auslasten. Schnelle Wassertaxis sind nicht gerade das, was er sich hier bei seiner Arbeit noch wünscht.

Auch ist die Finanzierung des Projekts noch nicht ganz klar. Kauft die Stadt solche Gefährte, deren Preis bei rund 140.000 Euro (pro Stück) liegt? Bei 20 Stück wäre man hier bei einer Millionensumme ... Wie viel wird eine Fahrt für die Nutzer kosten? Müssen Steuermänner für die Wassertaxis entsprechend ausgebildet werden? Antworten sollten schnell gefunden werden, um das Projekt nicht noch weiter zeitlich hinausschieben zu müssen.

Ausblick
Ist die Technik ausgereift – bei einem Testlauf am Genfer See gab es Probleme mit einem Wassertaxi –, kann das Ganze für größere Metropolen ein durchaus interessantes Konzept sein. Die Frage ist allerdings, ob die Sea Bubbles nicht ähnlich wie die E-Scooter als „Spielzeug“ und Spaßmacher angesehen werden, anstatt den Verkehr tatsächlich zu entlasten. Oder sind es künftig doch vielmehr Flugtaxis, die hier eine entscheidende Rolle spielen? Immerhin hat der deutsche Hersteller Volocopter in Singapur im Oktober einen Testflug mit einem autonomen Flugtaxi erfolgreich absolviert. 2021 soll dann der kommerzielle Flugbetrieb in der südostasiatischen Republik aufgenommen werden. Es ist also durchaus wahrscheinlich, dass wir uns schon in wenigen Jahren in bester James-Bond- Manier fortbewegen. Denn ob Wasser- oder Flugtaxi, beide könnten wohl auch als Erfindungen von „Q“ aus „James Bond“ durchgehen.