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Nicht jeder Fuhrpark besitzt eine Car-Policy und nicht jeder Flottenleiter ist ein „alter Hase“. Daher hier zu Beginn erst einmal eine präzise Begriffserklärung vom VMF – Verband markenunabhängiger Fuhrparkmanagementgesellschaften e. V.:

Car-Policy ist der englische Oberbegriff für die Dienstwagenregelung, Dienstwagenordnung oder auch Fuhrparkrichtlinie. In der Car-Policy wird unter anderem festgelegt, wer welches Recht auf welche Fahrzeugkategorie mit welcher Motorisierung hat. Da das Regelwerk jedem Dienstwagenberechtigten vorliegt, kennt jeder seinen Auswahlrahmen, seine Rechte und Pflichten sowie Verantwortlichkeiten. Geregelt wird auch, wie der Fuhrpark konkret gestaltet ist – Faktoren von der herstellerübergreifenden, vielfältigen Marken- und Modellauswahl, der Motorisierung über die Gesamtfahrleistung, die Sicherheits- und Nachhaltigkeitskriterien bis hin zu den Nutzungsbedingungen für private Zwecke. Bei der effizienten Gestaltung gilt es – weit über die reinen Anschaffungskosten hinaus – alle Kosten zu betrachten, die das Fahrzeug und der Fuhrpark insgesamt im Unternehmen verursachen (Total Cost of Ownership).

Quelle: In Anlehnung an den VMF

Die Überleitung zu einer „grünen“ Car-Policy fällt da nicht schwer, schließlich sind Themen wie CO2-Reduzierung oder alternative Antriebe derzeit in aller Munde. Da passt es, dass gemäß des Arval Mobility Observatory (AMO) Fuhrpark-Barometers 2019 mehr als die Hälfte (56 Prozent) der befragten Flottenmanager* innerhalb ihrer Beschaffungsstrategie oder Car-Policy bereits Maßnahmen ergriffen haben, um den CO2-Ausstoß ihres Fuhrparks zu reduzieren. Deutschland liegt damit sechs Punkte über dem europäischen Durchschnitt. Bemerkenswert: Der Anteil bleibt unabhängig von der Unternehmensgröße konstant hoch. „Die Studienergebnisse zeigen über mehrere Kategorien hinweg konstant auf, dass ein klares Umdenken in den Unternehmen stattfindet“, erläutert Katharina Schmidt, Head of Consulting bei Arval und Sprecherin des Arval Mobility Observatory (AMO) Fuhrpark- Barometers. „In den vergangenen Jahren lag Deutschland hinsichtlich des Energiewandels im Fuhrpark bei den Studienergebnissen zumeist im hinteren Mittelfeld Europas. Hier haben wir deutlich aufgeholt. Das hat sicher auch damit zu tun, dass wir in Deutschland von den stattfindenden disruptiven Prozessen in der Automobilindustrie in besonderem Maße betroffen sind und das Thema in den Köpfen deshalb aktuell besonders präsent ist. Beim ‚grünen Fuhrpark‘ sind wir zwar noch nicht angelangt. Doch die Transformation dorthin wird für Unternehmen mehr und mehr von der Kür zur Pflicht – Stichwort Diesel-Fahrverbote und die Attraktivität der steuerlichen Begünstigung.“

Jetzt mag sich so mancher fragen, wie eine solche ökologische Richtlinie aussehen und sinnvoll in den Fuhrpark implementiert werden kann ...

Die Telekom Mobility Solutions führte beispielsweise bereits 2010 eine Green Car-Policy ein, die sich an den Punkten „right size, economize and substitute“ orientiert. Dabei geht es zum einen um die Verbindung aus bedarfsgerechten und zugleich sparsamen Fahrzeugen für die Mitarbeiter. Zum anderen spielen Spritspar- und Fahrsicherheitstrainings eine entscheidende Rolle. Und nicht zuletzt wird regelmäßig überprüft, ob – zumindest in Teilen der Flotte – schadstoffärmere Antriebe eingesetzt werden können.

Einen Anreiz für den Umstieg auf alternative Antriebe oder zumindest für die Reduzierung des CO2-Ausstoßes bietet ein Bonus-Malus-System. Prinzipiell geht es dabei darum, dem Dienstwagenberechtigten für die Wahl eines Fahrzeugs mit geringem CO2-Ausstoß einen Bonus zuzusprechen, wie beispielsweise eine bessere Fahrzeugausstattung oder Ähnliches; einen Malus bekäme er beispielsweise bei entsprechend hohem Schadstoffausstoß in Form einer persönlichen Zuzahlung.

Eine andere Option: Weg vom persönlichen Dienstwagen hin zu einem Mobilitätsbudget, bei dem sich der Mitarbeiter seine Mobilität selbst zusammenstellt. Noch ist das aber eher in wenigen Unternehmen ein ernsthaftes Thema (siehe Onlineumfrage auf S. 82).

Eine externe Beratung kann für die Umsetzung einer Green Car-Policy in einem Fuhrpark sicherlich eine Hilfe sein. So hat beispielsweise der Bundesverband Fuhrparkmanagement e. V. (BVF) gemeinsam mit zukunft mobil Baden-Württemberg e. V. im vergangenen Jahr einen sogenannten Umweltaudit ins Leben gerufen. „Letztlich geht es darum, eine Balance zwischen Wirtschaftlichkeit, Umweltschutz und Mitarbeitermotivation zu erreichen“, erklärt Uwe Malach, Vorstandsvorsitzender von zukunft mobil. BVF und zukunft mobil versprechen hier eine fachliche Unterstützung zur Umsetzung geeigneter und praxisnaher Maßnahmen hin zu einer Green- Fleet-Strategie. Die Experten schauen sich dabei jedes Unternehmen individuell an: Ziel sei es, einen praktikablen, gangbaren Weg aufzuzeigen und eine individuelle Handlungsanleitung zu erstellen. „Was in einem Unternehmen problemlos machbar ist, geht aus verschiedensten Gründen in einem anderen nicht oder ergibt dort überhaupt keinen Sinn“, sagt Marc- Oliver Prinzing, Vorstandsvorsitzender des BVF.

Er fügt an: „Wenn sich Unternehmen nachhaltig aufstellen möchten, dann gehen die Maßnahmen meist über den Tätigkeitsbereich des Fuhrparkleiters hinaus. Gerade beim Mobilitätsmanagement ist die Personalabteilung und in großen Betrieben auch das Reisemanagement gefragt. Diese Bereiche müssen sich zusammensetzen und gemeinsam Ideen entwickeln.“

Nachhaltigkeit bei Dienstreisen?
Womit wir direkt bei unserem nächsten Thema wären. Denn das Reisemanagement kann ebenfalls ökologisch gestaltet werden. Und es gibt in den Unternehmen auch bereits gewisse Tendenzen dazu. So ergab die im Auftrag des Deutschen Reiseverbandes (DRV) durchgeführte Studie „Chefsache Business Travel“, dass die Anzahl eintägiger Geschäftsreisen 2018 insgesamt um 4,4 Prozent abnahm – dies ging insbesondere zulasten des Flugverkehrs (minus 10,7 Prozent). Die Bahn legte hingegen bei den eintägigen Reisen um 2,5 Prozent zu. „Der seit fünf Jahren anhaltende Rückgang der eintägigen Geschäftsreisen ist unter anderem auf die zunehmende Bedeutung von Telefon- und Videokonferenzen zurückzuführen“, so DRV-Präsident Fiebig. „Darüber hinaus zeigt sich eindeutig der Trend, mehrere Termine für eine Geschäftsreise zu bündeln und dafür lieber etwas länger zu bleiben“, sagt Fiebig. Die Studie kommt für 2018 insgesamt aber zu dem Ergebnis, dass für den Großteil der Befragten Nachhaltigkeit auf Geschäftsreisen zwar wichtig ist, aber weniger als die Hälfte der Firmen bei ihren Reiserichtlinien darauf achten. Wie könnten solche Reiserichtlinien aussehen?

Ein gutes Beispiel gibt das Bundesumweltamt (UBA) bei seinen eigenen Richtlinien vor:

Wir verringern den durch Dienstreisen erzeugten Verkehrsaufwand, indem wir ...

• möglichst kritisch prüfen, ob die Dienstreise vermeidbar ist.
• Dienstreisen durch moderne Kommunikationsmittel wie Telefon und Videokonferenzen ersetzen.
• mehrere Dienstgeschäfte zu einer Dienstreise verknüpfen.
• bei der Wahl der Besprechungs- und Veranstaltungsorte den Teilnehmern kurze und umweltverträgliche Anreisen ermöglichen.

Technische und organisatorische Voraussetzungen

• Für Dienstreisen benutzen wir bevorzugt umweltverträgliche öffentliche Verkehrsmittel und versuchen, Flugreisen zu vermeiden.
• Bei Fernreisen mit dem Flugzeug bevorzugen wir Direktflüge ohne klimaschädliche zusätzliche Starts und Landungen.
• Treibhausgasemissionen, die durch nicht vermeidbare Dienstreisen mit dem Flugzeug und dem Pkw entstanden sind, werden durch anspruchsvolle internationale Klimaschutzprojekte kompensiert.
• Bei Bahnreisezeiten unter vier Stunden oder bei mehrtägigen Dienstreisen geben wir der Bahn den Vorrang.
• Wir führen unsere Bahnreisen CO2-frei durch, indem wir uns am Umwelt- Plus-Angebot der Deutschen Bahn AG beteiligen.
• Für den Verkehr am Dienstort bevorzugen wir Bus und Bahn, das Fahrrad oder gehen zu Fuß.

Quelle: UBA

Fazit
Eine Car-Policy nach gewissen Umweltaspekten in den Fuhrpark zu implementieren, ist gar nicht so schwer. Schließlich kann man hier Schritt für Schritt vorgehen und muss nicht gleich die gesamte Flotte umkrempeln. Langfristig profitieren Unternehmen als auch Nutzer von der Regelung– sowohl finanziell als auch in Form einer Schonung der Luft und der Umwelt insgesamt. Hinzu kommen Faktoren wie ein verbessertes Unternehmensimage und letztlich auch eine verbesserte Mitarbeitermotivation. Bei Dienstreisen ist die Faustregel „vermeiden, verlagern, ausgleichen“ ein guter Ansatz.

* In Deutschland wurden 300 Flottenleiter befragt.