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Wer von alternativen Antrieben spricht, kommt sehr schnell auf die Infrastruktur zu sprechen. Das war bereits bei der Einführung von Erdgas- oder Autogasfahrzeugen so. Ohne Tankstellen bringt einem der sauberste Antrieb nichts. Bei Elektrofahrzeugen, ob mit Brennstoffzelle oder batterieelektrisch betrieben, spitzt sich dieser Konflikt noch zu. So erklärten Fahrzeughersteller bisher gerne ihr Zögern in Sachen alternative Antriebe mit der fehlenden Infrastruktur und Energieversorger oder auch Politiker sahen die Autohersteller in der Pflicht, mehr saubere Fahrzeuge zu entwickeln. Schaut man auf die batterieelektrische Pkw-Mobilität, scheint sich der Konflikt, Stand Ende 2019, jedoch abgeschwächt zu haben. Zum einen, weil die Reichweiten der Elektrofahrzeuge zunehmen, zum anderen, weil die Ladeinfrastruktur besser wird.

Bei der Energieversorgung von Elektroautos haben allerdings nicht mehr wie beim Verbrenner-Pkw die Tankstellen und Mineralölkonzerne die Nase vorn. Dezentrale Energieversorgung, da wo das Fahrzeug parkt, also in der Stadt, auf der Arbeit oder Zuhause, ist hier wohl die Zukunft. Doch deswegen haben die Tankkartenanbieter längst noch nicht ausgedient. Im Gegenteil, die Elektromobilität ist auch für die Anbieter von Multienergiekarten oder Hybridtankkarten ein Gewinn: „Wer Ladepunkte für Elektroautos anbietet, macht seinen Standort attraktiver. Durch die Möglichkeit, vor Ort Strom zu tanken, werden Kunden gebunden. Sie bleiben gerne länger und generieren dabei mehr Umsatz“, verdeutlicht beispielsweise Marc Fasel, Leiter Mobilität der Westfalen Gruppe.

Gerade auf der Langstrecke und bei Reisen wird die Tankstelle als Energielieferant auch für Elektrofahrzeuge nach wie vor interessant bleiben. Der Aufbau einer Schnellladeinfrastruktur ist beispielsweise über das Tankstellennetz vorstellbar. Rainer Klöpfer, Geschäftsführer euroShell Deutschland GmbH & Co. KG, beschreibt daher: „Wir sehen, dass die Bereitschaft wächst, Flotten um batteriebetriebene Fahrzeuge zu ergänzen. Vor dem Hintergrund des Pariser Klimaabkommens ist die Förderung der Diversifizierung von Antrieben im Markt dringend notwendig und wir stehen unseren ‚Shell Card‘-Kunden mit Rat und Tat zur Seite. Wir haben bereits im Jahr 2017 den Ladesäulenanbieter NewMotion übernommen und können unseren Kunden mit Batteriefahrzeugen 100.000 Ladestationen europaweit anbieten. Damit eine flächendeckende Infrastruktur gewährleistet ist, muss das Ladenetz weiter zügig ausgebaut werden. Aus diesem Grund sind wir als Shell auch Teil des IONITY-Projekts. Dabei geht es darum, bis 2020 europaweit 400 Schnellladestationen an Autobahnen einzurichten. Fast ein Viertel davon an Shell Stationen.“

Natürlich hängt die Entwicklung des Tankstellen- und Tankkartengeschäfts auch stark davon ab, welcher alternative Antrieb sich letztlich flächendeckend durchsetzen wird. Beispielsweise könnte Erdgas in Form von LNG (Liquefied Natural Gas) eine kleine Renaissance an der Zapfsäule erleben. Das flüssige Erdgas soll verstärkt im Nutzfahrzeug- und Lkw-Bereich als Dieselersatz zum Einsatz kommen. Derzeit fördert der Staat die Anschaffung solcher LNG-Lkw mit 12.000 Euro pro Fahrzeug. Die Mineralölgesellschaften haben bereits darauf reagiert. So kündigt Maren Schenk, Produktund Marketingmanagerin Tankkarten, TOTAL Deutschland GmbH, an: „Auch LNG spielt für TOTAL eine zunehmend wichtige Rolle. Dementsprechend gibt es ein europaweites Programm zum Aufbau eines LNG-Tankstellennetzwerks. In Kürze werden wir in Deutschland unsere erste LNG-Tankstelle eröffnen, weitere sind bereits in Planung.“

Zudem wird sich die Tankstelle der Zukunft weiterentwickeln. Die drei Säulen, auf die sich das Tankstellenkonzept derzeit stützt, also Tanken, Shop und Autowäsche, werden um weitere Serviceleistungen ergänzt werden. So schildert Bernard Roodenrijs, European Fleet Director, BP Europa SE: „Aral will der führende B2B-Mobilitätsanbieter der Zukunft werden. Alternative Kraftstoffe werden dabei eine wichtige Rolle spielen, um das gesamte Portfolio an Möglichkeiten in puncto Flexibilität und Komfort für unsere heutigen und zukünftigen Kunden bereitzustellen. Das gilt sowohl vor Ort an unseren Tankstellen, unterwegs mit unseren Tankkarten als auch durch bessere mobile Anwendungen und Lösungen. Im Rahmen der Aral Studie ‚Tankstelle der Zukunft‘ haben wir ein mögliches Szenario für die Zukunft gezeichnet und eine Richtung aufgezeigt, in die wir uns entwickeln könnten.“ Demnach könnte die Tankstelle der Zukunft zu einem Wechselplatz der Mobilität werden. Zugute kommt den rund 15.000 Tankstellen in Deutschland die verkehrsgünstige Lage, daher finden Mobilitätsdienstleister wie zum Beispiel Carsharing-Unternehmen dort ideale Bedingungen vor.

Das Aufkommen von alternativen Antriebsformen wird die Tankstelle der Zukunft verändern, genauso wie das Tankkartengeschäft. Hybrid-Tankkarten bieten Flotten mit verschiedenen Pkw-Antrieben die Möglichkeit, flexibel auf die Anforderungen zu reagieren. Allerdings ist gerade der Ladesäulenmarkt noch im Aufbau begriffen. Viele andere Player neben den etablierten Tankkartenanbietern tummeln sich mit Ladekartenlösungen derzeit auf einem wachsenden Markt. Ob man daher mit der Tankkarte der etablierten Anbieter auch genügend Ladesäulen in der Nähe vorfindet, sollte man vorher überprüfen.