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Was sind die wohl häufigsten Aufgaben eines Fuhrparkleiters? Neben der Beschaffung von Fahrzeugen zählen auch die Einweisung von Mitarbeitern und die Betreuung von Fahrern dazu. Zudem müssen Verträge mit sämtlichen Dienstleistern ausgehandelt werden (je nachdem, wie viel outgesourct wird) und Angelegenheiten von der Versicherung bis zum Schadenmanagement abgewickelt werden. Diese kleine Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sicherlich wird so mancher Fuhrparkleiter hier noch etwas vermissen. Aber sie soll zumindest andeuten, wie umfangreich die Anforderungen des Berufs sind.

Laut der Dataforce-Studie „Fuhrparkmanagement 2019“, bei der über 600 Fuhrparkverantwortliche telefonisch und online befragt wurden, nehmen vor allem die Themen Fahrzeugbeschaffung/- austausch, Werkstatt, Fahrerbetreuung und Schadenmanagement Zeit in Anspruch.

Umso bedenklicher ist der Umstand, dass das Thema Fuhrpark gerade in etwas kleineren Unternehmen noch sehr stiefmütterlich behandelt wird. Entsprechende Qualifizierungen und Zertifizierungen sind hier eine Seltenheit, meistens werden die Aufgaben nebenbei von einem Einkäufer oder Geschäftsführer mit übernommen. Bei Flotten bis zu neun Fahrzeugen ist das vielleicht noch nachvollziehbar. Aber auch bei Fuhrparks bis zu 49 Fahrzeugen sind weniger als fünf Prozent zertifiziert, ergab die Dataforce-Studie. Und selbst bei 50 und mehr Autos oder Transportern im Fuhrpark hat nur jeder Zehnte eine entsprechende Fortbildung. Rund ein Drittel der Befragten sind hauptberufliche Fuhrparkmanager, bei Unternehmen mit bis zu 49 Fahrzeugen geht der Anteil auf unter fünf Prozent zurück.

Und das vor dem Hintergrund, dass die Menge der Aufgaben in Zukunft eher zu- als abnehmen wird. So liegt die Entwicklung vom Fuhrparkmanager zum Mobilitäts- und Datenmanager nahe, denn neue Mobilitätslösungen sowie Konzepte wie das Mobilitätsbudget werden künftig wohl immer mehr an Bedeutung gewinnen. Hinzu kommt eine Vielzahl an neuen Daten, die bei der Arbeit helfen können, sofern sie richtig genutzt werden. Professor Uwe Clausen, Leiter Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) und Leiter des Instituts für Transportlogistik (ITL), Technische Universität Dortmund, beschreibt den Tätigkeitsbereich wie folgt: „Es geht um betriebliche Bedarfe und Lösungen über alle Möglichkeiten der Fortbewegung, um Flug- und Bahnverkehr, um gemietete, geleaste oder gekaufte Fahrzeuge, um öffentlichen Verkehr und neue Angebote der vernetzten Mobilität bis hin zu Radverleihsystemen.“ Wichtig sei ein umfassender Blick auf die Mobilität der Mitarbeiter; dies schließe die berufliche Fortbewegung wie Vertriebsfahrten oder Dienstreisen, aber auch das tägliche Pendeln zur Arbeit sowie den ruhenden Verkehr ein.

Themen wie Elektromobilität, (Car-)Sharing, Digitalisierung, Telematik und mittel- bis langfristig auch das autonome Fahren werden zu einem fundamentalen Wandel führen, das steht wohl außer Frage. Doch inwieweit sind diese Themen in den Fuhrparks schon vorgedrungen?

Geotab, Anbieter von Telematiklösungen, hat in einer Studie zusammen mit Dataforce ermittelt, dass nicht einmal ein Viertel von 275 befragten deutschen Flottenmanagern aktuell Elektrofahrzeuge in seiner Flotte nutzt. Eines der größten Hindernisse wird in der teilweise noch eingeschränkten Reichweite von E-Fahrzeugen gesehen. Zudem würden fehlende öffentliche Ladeinfrastrukturen, die langen Ladezeiten, hohe Fahrzeugkosten und damit verbundene Investitionen sowie die fehlende Verfügbarkeit von mittleren bis schweren E-Modellen, wie Transportern und Lkw, den Umstieg auf Elektrofahrzeuge zumindest verzögern. „Unsere Umfrage hat gezeigt, dass Elektromobilität nur langsam in die Flotten kleiner und mittlerer deutscher Unternehmen Einzug hält“, so Klaus Böckers, Director Central & Eastern Europe bei Geotab. „Mithilfe von Telematiklösungen können Unternehmen den Hinderungsgründen einer Umstellung, wie der mangelnden Reichweite, der schlechten Ladeinfrastruktur und dem Ladevorgang begegnen. Denn sie liefern verlässliche Echtzeitdaten zum Ladezustand der Batterie, zur voraussichtlichen Reichweite und zu verfügbaren Lademöglichkeiten auf der Strecke. Nach unserer Erfahrung eignen sich 20 bis 30 Prozent eines Fuhrparks für sofortige Elektrifizierung.“ Immerhin: Beim DAT Diesel-Barometer gaben nur zwölf Prozent der befragten Flottenleiter (gesamt: 102 Telefoninterviews mit Fuhrparkverantwortlichen) die Anschaffung von E-Autos gar nicht in Erwägung zu ziehen (siehe Grafik).

Beim Thema Carsharing scheint man in den Unternehmen indes schon etwas weiter zu sein. So gaben beim internationalen Arval Mobility Observatory (AMO) Fuhrpark-Barometer in diesem Jahr 24 Prozent der deutschen Unternehmen (300 Telefoninterviews mit Flottenmanagern in Deutschland) an, Carsharing zu nutzen. Im Vorjahr waren es lediglich vier Prozent. Außerdem haben 27 Prozent der Unternehmen Fahrgemeinschaften eingeführt oder denken zumindest darüber nach (im Vorjahr 13 Prozent). „Die Entwicklung ist sicher auch durch verzögerte Fahrzeugauslieferungen und das Warten auf passende Modellalternativen wie Plug-in Hybride und E-Fahrzeuge vorangetrieben worden“, mutmaßt Katharina Schmidt, Sprecherin des AMO Fuhrpark-Barometers. Nichtsdestotrotz wird das Corporate Carsharing für viele Unternehmen eine Option bleiben.

Und wie sieht es mit der Digitalisierung aus? Wie und wo kann sie sinnvoll in den Fuhrpark implementiert werden? Hierzu bezog Claus Wollnik, Geschäftsführer Wollnikom/Wollnik & Gandlau Systems/Digital Fleet Solutions, unlängst in einem Gastkommentar bei uns Stellung. „Sinnvoll für alle Beteiligten wäre die Entwicklung hin zu einer gemeinschaftlichen Verwendung der mannigfaltigen Datenpools zum Beispiel aus den Telematiksystemen der Fahrzeuge, aus den Datenbanken der Fuhrparkleiter oder von den Dienstleistern. Wichtig ist, dass diese Daten optimal aufbereitet werden beziehungsweise aufbereitet werden können, um aus den daraus gewonnenen Erkenntnissen neue, sinnvolle Anwendungen zu entwickeln. Ich denke dabei an neue Möglichkeiten der Arbeitserleichterung, an den Umweltschutz, die Sicherheit, die Steigerung der Effektivität, Zeitersparnis, die Nachhaltigkeit et cetera – und das sowohl für den Fahrer als auch für den Fuhrparkleiter sowie die Dienstleister“, so Wollnik. Nicht umsonst wird schließlich auch immer wieder von Daten als neuem Gold gesprochen. Doch wie vielfältig die Daten sind und welche Nutzungsmöglichkeiten bestehen, wird in vielen Fuhrparks noch nicht erkannt.

Fazit: Künftig wird es in den Flotten immer wichtiger, Mobilität möglichst ökologisch nachhaltig, effektiv und kosteneffizient anzubieten. „Im Unternehmen muss der optimale Modal Split für unterschiedliche Nutzergruppen identifiziert werden“, ergänzt Experte Uwe Clausen. Dazu braucht es in erster Linie Know-how über sämtliche Mobilitätsangebote und Möglichkeiten sowie fundierte Datengrundlagen. Die Aufgaben und Probleme für Fuhrparkmanager werden also vermutlich nicht weniger werden, im Gegenteil. Gerade auch Rechtsfragen und das Thema Datenschutz werden immer komplexer und ohne eine entsprechende Ausbildung kaum noch korrekt abzuwickeln sein. Hier ist durchaus die Frage erlaubt, ob der von einigen Experten und erfahrenen Flottenleitern immer lauter werdende Ruf nach einem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf erhört wird …