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Mancher Mensch genießt seinen Luxus lieber im Verborgenen, und so ist es auch ein bisschen bei der Topversion des Passat. Klar, das Downsizing-Thema spielt hier eine große Rolle, also kommt ein Zweiliter-Vierzylinder zum Einsatz. Was zunächst bescheiden klingt, ist es bei genauem Hinsehen aber nicht ganz. Nach der Überarbeitung des Aggregats und dem Einsatz eines Otto-Partikelfilters bleiben am Ende noch immer 272 ausgewachsene Pferde, die sinnbildlich an beiden Achsen zerren – also Traktionsprobleme kommen hier nicht auf, so viel kann man bereits zu Beginn sagen. Dass der Passat auch in der stärksten Leistungsklasse bescheiden bleibt, ist auch den verantwortlichen Produktspezialisten aus Wolfsburg geschuldet, die dem klassischen Kombi als Modellschriftzug lediglich das „4Motion“-Badge gönnen – und das „R-Line“-Signet, aber das ist ja bloß eine Ausstattungslinie. Also Sportwagenfahrer auf der Autobahn ahnen nichts von der Performance, die unter dem eleganten blauen Blech des Testwagens steckt.

Man hört sie auch nicht, denn der Vierzylinder ist so gar nicht auf Krawall aus. Unspektakulär erwacht der Zweiliter nach dem Betätigen des Startknopfes, unspektakulär klingt es, sollte man die Maschine nach dem Warmfahren mal auf Touren bringen. Aber Spaß macht der unscheinbare Mittelklasse- Laster, vor allem, wenn kniffelige Überholvorgänge anstehen. Denn wenn man die Kurbelwelle ein wenig rotieren lässt, entwickelt der leise TSI schon ambitionierten Schub und lässt unbedarfte Passagiere staunen, die sich ihrerseits fest angeschmiegt an den rückenfreundlichen Sitzlehnen wiederfinden. Eine prompte Kickdown-Aktion macht dann doch neugierig und führt dazu, dass man – frappiert – einen Blick ins Datenblatt wirft. Das weist 5,8 Sekunden für den Standard-Sprint aus, alle Achtung. Damit kann es der bescheidene Wolfsburger ohne Probleme auch mit den starken Autos dieser Welt aufnehmen, was ein Gefühl von hoher Souveränität erzeugt. Schließlich sind ordentliche Fahrleistungen ja auch ein Beitrag zur aktiven Sicherheit.

Als Kraftübertragung kommt ausschließlich das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe zum Einsatz, welches das sportive Naturell des Passat unterstreicht, ohne es andererseits an Komfort fehlen zu lassen. Das Lamellenpaket als Anfahrkupplung weist weniger Schlupf auf als ein hydraulischer Drehmomentwandler, was wiederum eine hohe Effizienz zur Folge hat und sich einen Tick bissiger anfühlt. So schießt der Kombi auf Gaspedalbefehl zackig aus den Startlöchern, verwöhnt aber dennoch mit weitgehend ruckfreier Schaltarbeit. Auch das noch so flinke Herunter- oder Heraufschalten unter voller Last bewerkstelligt der Automat hinreichend geschmeidig. Das muss er auch, denn der praktische Kombi soll seine Passagiere als Langstrecken- Profi so annehmlich wie möglich bewegen, dazu gehört ein harmonischer Antriebsstrang unbedingt. Das gilt auch im Kontext mit der drahtiger angehauchten R-Line und den hier gerne verbauten 19-Zoll-Rädern der Dimension 235/40 mit betont niedrigem Querschnitt – der Trend unterstützt solche Formate nun einmal.

Und das Fahrwerk hat jede Menge zu tun, denn häufig anzutreffende Querfugen wollen ordentlich weggedämpft werden. Bei der starken Option wird diese Funktion zur Selbstverständlichkeit. Auf Knopfdruck kann der Fahrer bestimmen, ob es etwas weicher oder getrost ein bisschen trockener über Verwerfungen gehen darf. In letzterem Falle mausert sich der brave, familientaugliche Kombi zum strammen Kurvenfresser, der manch ausgewiesenem Sportler an den Rückleuchten klebt. Die Lenkung entpuppt sich als frappierend präzise und lässt den Wolfsburger ums Eck wetzen; der bleibt lange neutral und dank Allrad immer schön auf hohem Grip-Niveau. Ein bisschen angasen in der Kehre macht richtig Laune, vor allem fühlt sich der 1,7-Tonner leichtfüßig an. Freilich profitiert der Benziner auch von seiner weniger ausgeprägten Kopflastigkeit, weil ein Diesel beispielsweise deutlich schwerer auf die Vorderachse drückt. Als Kontrast geht es im Komfortmodus sanft zu, dann spielt der Niedersachse seine Reisefähigkeit voll aus.

Apropos Reisefähigkeit – dazu gehört ja immer auch das Thema Raum. Und da kann der fast 4,90 Meter lange Kombi natürlich punkten sowohl beim Platzangebot für seine Mitreisenden als auch bei der Gepäckmitnahme: Fast 1.800 Liter Laderaumvolumen sind ein Wort und im Segment Benchmark. Im höchsten Maße großzügig zeigt sich der Passat insbesondere nach der Überarbeitung im gebotenen Infotainment. Das aus Displayfläche bestehende Kombiinstrument ist ja fast schon selbstverständlich – es ist vielseitig konfigurierbar und entsprechend informativ. Ins Auge jedoch fallen der große Touchscreen mit über 23 Zentimetern Bildschirmdiagonale und ein überarbeitetes Navigationssystem mit vielen neuen Funktionen. So werden die letzten Ziele zum Beispiel grafisch hübsch aufbereitet angezeigt mit einem Faden und Nennung der Fahrzeit vom aktuellen Standort aus. Interessant für Flottenbetreiber ist das „We Connect“, mit dessen Hilfe viele Funktionalitäten rund um das Thema Mobilität abgedeckt werden – hier lässt sich unter anderem onlinebasiertes Fahrtenbuch- und Tankkartenmanagement durchführen neben vielen weiteren Features wie GPS-Ortung oder das Abfragen von Fahrzeug-Status oder -Füllständen.

Zum guten Schluss darf natürlich das Kapitel Geld nicht fehlen – in der starken Ausführung schlägt der Passat Variant 2,0 TSI mit netto 43.747 Euro zu Buche. Allerdings ist die Ausstattung schon von Hause aus recht üppig mit autonomer Notbremsfunktion, LED-Scheinwerfer (mit vollvariabler, kamerabasierter Lichtverteilung) und einem Tempomat, der das Tempo adaptiv regelt und bis zum Stand herunterbremst – ein Ausstattungsmerkmal, das nicht nur die Sicherheit erhöht, sondern ein dickes Plus an Komfort bedeutet. Innen besticht der Top-Passat mit edel anmutendem, gebürstetem Alu-Dekor. Vielfahrer sollten auf das netto 1.323 Euro teure Paket „Business Premium“ nicht verzichten – es enthält neben zahlreichen Fahrerassistenten und dem umfangreichen Navigationssystem auch eine Lendenwirbelstütze sowie eine Massagefunktion für den Fahrersitz, die sich auf großen Entfernungen wirklich empfiehlt.