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"Flotte! Der Branchentreff" 2020
Bosch und Daimler erhielten die Zulassung für die weltweit erste vollautomatisierte und fahrerlose Parkfunktion
Der BMW 3er Touring kann eine Strecke von bis zu 50 Metern, die zuvor vorwärts gefahren wurde, automatisiert zurück fahren

Ganz einfach parken

Die Bevölkerung in Deutschlands Ballungsräumen wächst – und die Herausforderungen zur Bewältigung der Mobilität wachsen mit. Ein Bereich, in dem sich jeden Tag die steigenden Herausforderungen sichtbar zeigen, ist der Parkraum. Es ist nicht nur so, dass wir laut einer INRIXStudie 41 Stunden im Jahr allein für die Parkplatzsuche verschwenden, sondern auch der Parkvorgang hat einige Tücken. Flottenmanagement stellt daher einige Konzepte vor, die

Bereits 2017 hat INRIX, ein weltweit führender Anbieter von Services für das vernetzte Automobil und Verkehrsanalysen, eine Studie zum Thema Parken veröffentlicht und dabei auch die volkswirtschaftlichen Kosten der Parkplatzsuche untersucht. In der Studie heißt es, dass Autofahrer in deutschen Städten durchschnittlich 41 Stunden pro Jahr mit der Suche nach einem Parkplatz verbringen. Das kostet den Autofahrer nicht nur Nerven, sondern verursacht pro Autofahrer im Jahr Mehrkosten in Höhe von 896 Euro, wenn man die verschwendete Zeit, den Benzinverbrauch und die zusätzliche Abgasbelastung in Betracht zieht. Demzufolge kostet der Parkplatz-Suchverkehr die Deutschen mehr als 40 Milliarden Euro pro Jahr. Doch dem nicht genug: Innerhalb der Studie wurden nochmals zehn der größten Städte in Deutschland untersucht, um für diese die Ergebnisse präzisieren zu können. Dabei zeigte sich, dass die Parkplatzsuche die Autofahrer in Frankfurt am Main am meisten Geld kostet – 1.410 Euro pro Fahrer im Jahr. Die Kosten für zwei Stunden Parken in einem Umkreis von 1,5 Kilometern um das Stadtzentrum der Main-Metropole waren mit durchschnittlich vier Euro eigentlich vertretbar. Was jedoch ins Geld ging: Die Suchzeiten für einen Parkplatz. So suchte man für einen Straßenparkplatz rund zehn Minuten, und das jedes Mal; selbst in einer Parkgarage dauerte die Suche noch sieben Minuten. Damit kamen im Schnitt rund 65 Minuten Suchzeit pro Fahrer pro Jahr zusammen. Umgerechnet in Kosten für die verlorene Zeit, das zusätzliche Benzin und die eigentlich nicht nötige Abgasbelastung summiert sich dies auf eben 1.410 Euro. Insgesamt deutet die Detailbetrachtung von zehn der größten Städte in Deutschland darauf hin, dass die Suchkosten in Großstädten weit über dem Durchschnitt liegen.

Doch welche Lösungen gibt es für das Parkplatzproblem? Dr. Graham Cookson, Chefvolkswirt bei INRIX und Leiter der Untersuchung, formulierte einen Ansatz folgendermaßen: „Parkplatzprobleme sind eine große Belastung für unsere Wirtschaft und unser tägliches Leben. Smarte Parklösungen für Autofahrer, Parkplatzbetreiber und Städte würden erheblich dabei helfen, die Suchzeiten, den Verkehr und die Abgasbelastung zu reduzieren und das Überzahlen von Parkzeit sowie Strafzettel zu vermeiden.“ Auch zwei Jahre nach Veröffentlichung der Ergebnisse fehlt es jedoch meist an diesen smarten Parklösungen: Smartphone-Apps mit Echtzeitinformationen zu freien Parkplätzen oder Navigation mit Parkplatzinfos sind selten, im gleichen Zuge verschärft sich das Parkplatzproblem aufgrund des steigenden Verkehrsaufkommens bei annähernd gleichbleibender Anzahl an Parkmöglichkeiten. In der Folge ist auch mit einem Anstieg der Kosten für die Parkplatzsuche zu rechnen, wenn man diese Studie dieser Tage nochmals durchführen würde. Doch wo liegen die Probleme bei der Umsetzung der Lösungsansätze? Ein erstes Indiz liefert die Datenlage: Für eine smarte Parklösung bedarf es einer Vernetzung mehrerer Datenlieferanten. Dies sind zum einen Daten über freie Parkplätze und deren Lage aus öffentlichen Parkhäusern sowie Tiefgaragen und zum anderen auch Informationen über freie Parkbuchten an Straßen. Während moderne Parkgaragen Sensoren auf den Parkplätzen haben, wodurch nicht nur die Anzahl, sondern auch die Lage von freien Parkmöglichkeiten angezeigt werden kann, fehlen diese Sensoren an Straßen und auf Parkplätzen unter freiem Himmel. Aber auch die Daten aus modernen Parkhäusern sowie Tiefgaragen werden nur selten miteinander vernetzt.

Bereits 2015 stellte HERE, das ehemals als Geodatendienst von Nokia gestartet ist, ein Pendant zu Google Maps vor, welches den Funktionsumfang der Google-App zu übertrumpfen vermag: So ist in HERE WeGo beispielsweise auch eine Funktion zum Auffinden von geeigneten Parkplätzen enthalten. In der App wie auch auf der Webseite reicht ein Klick auf den Button „In der Nähe“, um direkt Parkplätze anzuzeigen. Dabei greift das System zum einen auf die Daten von Parkhäusern sowie Tiefgaragen zurück, aber zum anderen nutzt der Geodatendienst die Informationen zu freien Parklücken an Straßen, die durch Fahrzeugsensoren erfasst wurden. Anders als Google Maps kann HERE auf Informationen aus erster Hand aus Automobilen setzen, denn nach dem Verkauf des Geodatendienstes übernahmen Mitte 2015 Audi, BMW sowie Daimler diesen und integrierten ihn in die Fahrzeuge. Seitdem erfasst das System über das Tool „On-Street Parking“ mittels der vorhandenen Sensoren am Auto freie Parkmöglichkeiten und ergänzt diese Informationen um weitere Daten aus den erfassten Fahrzeugen wie beispielsweise die GPS-Position, ob das Zündschloss eingeschaltet ist oder ob die Türen verschlossen sind. Aus all  diesen Daten errechnet der Kartendienst zunächst eine Wahrscheinlichkeit, wie lange der App-Nutzer für die Parkplatzsuche benötigen wird und welche Chance besteht, einen Parkplatz zu finden.

Das Scannen von Parklücken wird aber nicht nur dafür genutzt Information zu freien Parkflächen zu sammeln, um diese dann den verschiedenen Anwendungen zur Verfügung zu stellen, sondern ist auch elementar für jeden Parkassistenten. So beschreibt der Automobilzulieferer Bosch die Funktionsweise eines solchen Assistenten folgendermaßen: „Im Vorbeifahren scannt ein spezieller, seitlich im vorderen Stoßfänger sitzender Ultraschallsensor den Fahrbahnrand ab. Erkennt der Parkassistent eine passende Längs- oder Querparklücke, erhält der Fahrer umgehend eine Rückmeldung. Aktiviert er nun per Knopfdruck den Parkassistenten, berechnet das System den bestmöglichen Weg in die Lücke, die erforderlichen Lenkmanöver und die Anzahl der Züge. Dann übernimmt der Assistent das Kommando: Der Fahrer lässt das Lenkrad los und kontrolliert den Einparkvorgang durch behutsames Gasgeben und Bremsen.“ Aufbauend auf diesem Prinzip wurden auch ferngesteuerte Parkassistenten entwickelt. So bietet Audi beispielsweise für den A7 Sportback einen Audi AI Park-/Garagenpilot an, der sich einfach von außerhalb über das Smartphone des Besitzers aktivieren lässt. Das System steuert den A7 Sportback selbsttätig in Längs- oder Querparklücken beziehungsweise in eine Garage und wieder heraus, wobei es auf Lenkung, Gas, Bremse und Automatikgetriebe zugreift. Der Nutzer muss während des gesamten Parkvorgangs den Button auf dem Smartphone-Display gedrückt halten, sonst stoppt das System automatisch.

Durch ferngesteuerte Parkassistenten lässt sich der zur Verfügung stehende Parkraum deutlich effektiver nutzen, da für das Ein- und Aussteigen kein zusätzlicher Platz benötigt wird. Etwas anders funktioniert der Rückfahrassistent bei BMW: Das im Wettbewerbsumfeld des neuen BMW 3er Touring einzigartige System speichert die Lenkbewegungen auf der zuletzt vorwärts und mit einer Geschwindigkeit von maximal 36 km/h gefahrenen Strecke. Anschließend kann das System das Fahrzeug im Rückwärtsgang auf einer Strecke von bis zu 50 Metern auf der zuvor vorwärts absolvierten Linie halten. Der Fahrer muss sich dabei lediglich auf das Betätigen des Gas- und des Bremspedals sowie auf die Überwachung des Umfelds konzentrieren. Damit markiert das System einen Meilenstein auf dem Weg zum hochautomatisierten Fahren und unterstützt den Fahrer beim Ausparken und Rangieren auf engem Raum.

Wer bereits nach Wolfsburg gereist ist, um ein neues Fahrzeug in der Autostadt abzuholen, dem sind mit Sicherheit auch die Autotürme aufgefallen. Bis zu 800 Fahrzeuge lagern beziehungsweise parken in den zwei Türmen. Doch nicht die Anzahl der Stellflächen ist hier entscheidend, sondern das vollautomatische Hochregalsystem: Weniger als zwei Minuten vergehen, bis die gerade im benachbarten Volkswagen Werk produzierten Fahrzeuge vom Rollband im Untergeschoss des Turmes an ihren Stellplatz verbracht wurden. Der Auto-Aufzug erreicht dabei eine Rekordgeschwindigkeit von zwei Metern pro Sekunde. Damit ist die Transporttechnologie der Autotürme laut GUINNESS WORLD RECORDS 2014 das „schnellste automatische Parksystem der Welt“. Das System in Wolfsburg zeigt jedoch auch, dass Fahrstreifen in Parkhäusern und Tiefgaragen eigentlich nicht sein müssten, sondern man Parkraum viel effektiver durch ein vollautomatisches Hochregalsystem bewirtschaften könnte. Auch beim Parkhaus P3 am Düsseldorfer Flughafen hat man sich Gedanken darüber gemacht, wie sich der Parkraum besser nutzen lässt. Der Fahrer übergibt hier in einer sogenannten Komfortübergabestation sein Fahrzeug an den RAY getauften Park-Roboter der Firma Serva Transport Systems GmbH. Dieser Park- Roboter sortiert Fahrzeuge nach Größe, Abholzeitpunkt sowie in einer mehrfachtiefen, seitlichen Anordnung (Stacks). Ergänzt durch die engere Abstellweise (Wegfall des Türöffnungsraums), können so auf geeigneten Flächen bis zu 60 Prozent mehr Fahrzeuge untergebracht werden als im herkömmlichen Abstellmodus. Da es sich bei RAY um eine automatisiert fahrende Transporteinheit handelt, lässt sie sich in bestehenden wie neu gebauten Parkraum integrieren.

 Doch es muss nicht immer zwingend die Parkplatz-Infrastruktur angepackt werden. Gerade das hochautomatisierte beziehungsweise autonome Fahren könnte das automatische Parken auch in bestehendem Parkraum ermöglichen. Wie das funktioniert, zeigten Bosch und Daimler erst im Juli 2019 im Parkhaus des Stuttgarter Mercedes-Benz Museums, das aber gleich mit einer Zulassung für fahrerloses Parken ohne menschliche Überwachung. Damit sind die beiden Stuttgarter Konzerne Vorreiter im Bereich der vollautomatisierten Fahrfunktionen (SAE Level 4), denn das sogenannte Automated Valet Parking ist die weltweit erste vollautomatisierte und fahrerlose Parkfunktion mit einer Freigabe durch die Behörden. Bereits von Beginn an begleiteten die lokalen Behörden – Regierungspräsidium Stuttgart und Landesverkehrsministerium Baden-Württemberg – sowie Gutachter des TÜV Rheinlands das Projekt, um den sicheren Betrieb der Fahrzeug- sowie der Parkhaustechnik zu bewerten. Das Ergebnis ist ein umfangreiches Sicherheitskonzept mit entsprechenden Test- und Freigabekriterien, die auch über das Pilotprojekt hinaus Anwendung finden können. Darin haben die Entwickler einerseits definiert, wie das fahrerlose Fahrzeug Fußgänger und andere Autos im Fahrweg erkennt und bei einem Hindernis zuverlässig stoppt. Andererseits wurden eine abgesicherte Kommunikation aller Systemkomponenten untereinander und die zuverlässige Aktivierung des Parkvorgangs umgesetzt. Der Fahrer hingegen muss lediglich ins Parkhaus fahren, aussteigen und das Auto per Klick auf dem Smartphone zum Parken schicken. Genauso selbstständig, wie das Auto zu einem zugewiesenen Stellplatz fährt und parkt, kommt das Auto auf Wunsch auch wieder vorgefahren. Dabei spielt die intelligente Parkhaus-Infrastruktur von Bosch mit der Fahrzeugtechnik von Mercedes- Benz zusammen. Bosch-Sensoren im Parkhaus überwachen den Fahrkorridor sowie dessen Umfeld und liefern die Informationen für die Steuerung des Fahrzeugs. Die Technik im Auto setzt die Befehle der Infrastruktur in Fahrmanöver um.

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