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Erdgastechnik im Auto. Quelle: ADAC
Die Grafik vergleicht die Emissionen bei Erdgas mit Benzin und Diesel. Quelle: FCA Fiat Chrysler Automobile 2018 nach einer Darstellung von www.gas24.de. Daten vom Umweltbundesamt.
Marc-Oliver Prinzing

Erdgasfahrzeuge – die vergessene Alternative

Der Fuhrparkverband setzt sich für alle Antriebsarten ein, die Emissionen reduzieren. Fahrzeuge mit Erdgasantrieb sind derzeit in puncto Umweltfreundlichkeit die Nummer eins, spielen aber in der Wahrnehmung bisher kaum eine Rolle. Marc-Oliver Prinzing beschreibt, warum Fuhrparkbetreiber aber durchaus über die Alternative Erdgas nachdenken sollten.

In Europa sind heute über eine Million mit Erdgas betriebene Fahrzeuge zugelassen, allerdings ist eine Klumpenbildung zu verzeichnen, denn davon fahren fast 900.000 Exemplare auf italienischen Straßen, da Fiat Chrysler ein führender Hersteller in diesem Segment ist und im Heimatmarkt besonders erfolgreich. Besonders verbreitet ist Erdgas im Iran und in China (jeweils vier Millionen Fahrzeuge). In Deutschland liegt die Zahl der Fahrzeuge bei 93.000 und war in den letzten Jahren leicht rückläufig. Deutsche Taxiunternehmen setzen Erdgasfahrzeuge schon in größerem Stil ein und eine App, um die nächste Tankstelle zu finden, ist auch verfügbar. Ob die umweltfreundliche und kostengünstige Technologie in den nächsten Jahren den großen Durchbruch erzielen wird – beflügelt durch das steigende Umweltbewusstsein, die falsche Hysterie um den Dieselantrieb und eine mittlerweile doch immer besser werdende Infrastruktur –, ist dennoch ungewiss. Fakt ist: Die Zulassungszahlen waren im Jahr 2018 so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Allein im Juni wurden 1.748 CNG-Fahrzeugmodelle zugelassen. Mehr als jemals zuvor in einem Monat.

Infrastruktur
Zwar steigt die Zahl der Fahrzeuge, die Anzahl der Tankstellen stagniert jedoch. Die Versorgungsinfrastruktur umfasst heute knapp 900 Tankstellen (vor allem Aral mit 185 Standorten gefolgt von Total und Esso). Zum Vergleich: Gut 14.500 Tankstellen existieren für Benzin/Diesel. Geplant ist ein Ausbau auf 2.000 Versorgungspunkte in den nächsten zwei bis drei Jahren. Allein die Umsetzung lässt auf sich warten. Dem einzelnen Fuhrparkmanager helfen diese sich auf das ganze Bundesgebiet beziehenden Zahlen aber nur begrenzt weiter: Eine unternehmensindividuelle Analyse der Fahrtrouten bringt bei der Entscheidung für oder gegen Erdgasfahrzeuge im Fuhrpark mehr Klarheit. Speziell bei überregionalem Einsatz und auf Langstrecken können Erdgasfahrzeuge ihre wirtschaftlichen Vorteile voll ausspielen. Aber auch für innerstädtische Einsätze, wie beispielsweise bei Pflegediensten oder in kommunalen Fuhrparks, bieten Erdgasfahrzeuge Vorteile.

Wirtschaftlich
Die Kraftstoffpreise sind aufgrund der höheren Energiedichte von Erdgas nicht eins zu eins vergleichbar: So entsprechen 1,5 Liter Benzin dem Energiegehalt von einem Kilogramm Erdgas (Autogas circa 1,9 Liter, Diesel 1,3 Liter). Außerdem verfügt Erdgas über sehr gute Verbrennungseigenschaften und erreicht mit 130 Oktan den höchsten Wert aller Kraftstoffe. Die Anschaffungskosten von Erdgasfahrzeugen sind gegenüber Fahrzeugen mit herkömmlichen Antrieben höher: Der Aufschlag bewegt sich in der Regel zwischen 600 Euro und 3.000 Euro, allerdings amortisiert sich dies über die geringeren Treibstoffkosten sehr schnell wieder. Vielfahrer haben dabei Vorteile. Ein anschaulicher Vergleich verdeutlicht eine mögliche Ersparnis: „Mit einem Mittelklassefahrzeug und 20 Euro Kraftstoffeinkauf kommt man bei Erdgas 480 km weit, bei einem sparsamen Diesel 350 km und bei einem Benziner nur 230 km – da kann man die Unterschiede sehen und für den Fuhrpark lohnt sich das richtig“, unterstreicht Erhan Yuka, Kfz-Meister und technischer Trainer bei Fiat Chrysler Automobiles.

Nachhaltig
Für die Umwelt sind die Fahrzeuge gut. Es ergeben sich bei idealer Verbrennung von Methan mit Sauerstoff als Verbrennungsprodukte nur Wasserdampf und Kohlendioxid. Eine aufwendige Filtertechnik und Abgasnachbehandlung wie bei anderen Antrieben ist daher nicht notwendig. Zudem wird an vielen Tankstellen anteilig oder gar zu 100 Prozent abfallstämmiges Biogas gezapft. Dies führt zu einer CO2-Reduktion um nahezu 95 Prozent gegenüber einem vergleichbaren Benziner. Gleiches gilt für das umweltfreundiche e-Gas, das Audi in seinem Power-to-gas-Projekt aus Windenergie erzeugt. CNG ist also nicht nur umweltfreundlich, sondern lässt sich auch regenerativ erzeugen.

Technik
Erdgasfahrzeuge verfügen wie Benziner über einen Verbrennungsmotor und unterscheiden sich auch im Tankvorgang kaum von diesen. Ein charakteristisches Geräusch durch den Kompressor ist vernehmbar, die Tankzeiten sind aber ähnlich wie bei flüssigen Kraftstoffen (2 bis 3 Minuten). Der Erdgastank ist dabei unter dem Fahrzeugboden verbaut. Die meisten Fahrzeuge können zudem auf einen größeren zusätzlichen Benzintank zurückgreifen (bivalenter Antrieb). Bei einem monovalenten Antrieb ist die Verbrennung auf Erdgas optimiert und es wird nur durch einen kleinen Benzin-Notfalltank abgesichert. Das Umschalten erfolgt in den meisten Fahrzeugen automatisch, sobald der Gasdruck zu niedrig ist. Der Fahrer merkt dabei nichts vom Wechsel zu Benzin. Lediglich die Anzeige signalisiert ihm das Umschalten. Die Grafik links zeigt einen typischen Aufbau der Technik im Fahrzeug.

Fazit
Unter Umweltgesichtspunkten gehören Erdgasfahrzeuge zum jetzigen Zeitpunkt zu den saubersten Fahrzeugen, die es gibt. Die Emissionen sind selbst unter Berücksichtigung strengster Umweltnormen gering. Die Verbrennung von Methan verursacht darüber hinaus nahezu keine Partikel. Bei Verwendung von Biomethan fährt das Fahrzeug sogar fast CO2-neutral. Eine besondere Explosionsgefahr geht von den Fahrzeugen nicht aus. Die Kraftstoffkosten und der Verbrauch sind deutlich geringer als bei Benzinern oder Dieselfahrzeugen. Daher sollten die Fahrzeuge vermehrt ins Kalkül gezogen werden.

 

AUTOR

MARC-OLIVER PRINZING gilt als einer der führenden Experten für Fuhrparkthemen. Der Diplom-Betriebswirt und Leasingfachwirt hat jahrzehntelange Erfahrung in verschiedenen Führungspositionen und Aufgabenbereichen rund um das Fuhrparkmanagement. Er ist Berater, Dozent im Rahmen des berufsbegleitenden Ausbildungsgangs zum zertifizierten Fuhrparkmanager bei der DEKRA Akademie und nimmt einen Lehrauftrag für Flottenmanagement an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (Nürtingen/Geislingen) wahr. Seit Oktober 2010 ist er Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Fuhrparkmanagement e. V. Kernaufgabe des Verbandes ist, die fachlichen betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Belange und Interessen der Mitglieder zu vertreten. Der Verband fördert den Erfahrungsaustausch seiner Mitglieder und bietet unterstützendes Know-how für das Fuhrparkmanagement an.

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