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Flotte! Der Branchnetreff
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"Flotte! Der Branchentreff" 2019
Gunter Glück

Rekordverdächtig

Die Besucher des FleetEurope Summits Ende November 2018 in Barcelona hatten die Qual der Wahl. Sie konnten sich zwischen dem Besuch der auf über 40 Aussteller angewachsenen Messe, dem Kongressprogramm mit den Schwerpunkten „neue Abrechnungsmodelle“, „Elektrifizierung von Flotten“ und „autonome Mobilität“ entscheiden oder aber sich mit den neuen Geschäftsmodellen der rund einem Dutzend Start-ups beschäftigen. Damit nicht genug, denn sie hatten auch die Möglichkeit, Europas größte Vielfalt von Elektrofahrzeugen zu testen.

Neue Abrechnungsmodelle
Mit Spannung haben nicht nur Hersteller, Leasinggesellschaften und die Fuhrparkmanagementanbieter, sondern auch die globalen Flottenkunden selbst die Präsentationsreihe zu neuen Abrechnungsmodellen – New Payment Models – erwartet. Und sie wurden nicht enttäuscht, auch wenn sich manch ein Akteur auf der Anbieterseite fragen dürfte, wie gut er auf die sich verändernde Marktnachfrage vorbereitet ist. Franck Leveque von Frost & Sullivan machte deutlich, dass die Digitalisierung Prozesse schneller, sicherer und kundenfreundlicher macht und sich deshalb auch die Abrechnungsmodalitäten in die Richtung von Abo-Modellen verändern werden. In anderen Industrien wie zum Beispiel bei Musik- oder Videostreamingdiensten oder auch in der Fitnessbranche sind Abo-Modelle längst etabliert und machen inzwischen über zehn Prozent des privaten Konsums aus. Diese Entwicklung hat die Mobilitätsbranche als nächsten Entwicklungsschritt noch vor sich. Die Nutzung von Fahrzeugen, so Leveque passt in ein solches Modell bestens hinein. Der Vorteil für Kunden ist schnell definiert: Mobilität wird simpel und flexibel!

In den letzten Jahren sind über 50 neue Angebotsprogramme entstanden: Softwareplattformen, Start-ups, Hersteller, Autovermieter, Leasinggesellschaften oder andere Mobilitätsanbieter haben begonnen, sich und ihre Dienstleistungen auf die Nutzer- statt auf die Besitzermentalität auszurichten. Als besonders prägnantes Beispiel kann die Offerte eines ersten chinesischen Herstellers angesehen werden: Fahrzeuge gibt es nicht mehr zu kaufen, sondern nur noch zu mieten. Zielgruppe sind insbesondere junge Menschen, die quasi mit Flat Rates aufgewachsen sind.

Branchenkenner fragen sich allerdings: Ist das nicht „alter Wein in neuen Schläuchen“? Denn mit den langjährig etablierten Langzeitmieten ist ja quasi ein Abo-Modell schon etabliert. Doch die Flexibilität für die Nutzer soll weiter reichen, als das mit Langzeitmieten bislang überwiegend möglich war: So sollen der Fahrzeugtausch, die temporäre Aussetzung oder die kurzfristige Beendigung der Fahrzeugnutzung auch ohne „Strafzahlungen“ möglich werden.

Beeindruckend waren auch die Ergebnisse der kürzlich von Frost & Sullivan erstellten Studie, wonach sich das Wachstum mit fahrzeugbezogenen Services innerhalb von zehn Jahren verdreifachen wird. Der klassische Verkauf von Fahrzeugen kann dazu im Vergleich kaum mithalten. John Saffret, Chief Operating Officer (COO) ALD Automotive, ging auf den bevorstehenden Wechsel von „Car as a Service“ zu „Mobility as a Service“ ein: 20 Jahre hatte der Fuhrparkmanager die Zielsetzung, sein traditionelles System einfacher zu gestalten, besser einzukaufen, mehr Transparenz zu schaffen, die Prozesse zu optimieren und die Administration zu reduzieren. Jetzt plötzlich scheint es so, als ob die Möglichkeiten, Mobilität zu organisieren, sprichwörtlich explodieren und die Bestrebungen und Zielsetzungen der Vergangenheit teilweise obsolet werden.

Als Beispiel für sich verändernde Bedürfnisse können Mitarbeiter gelten, die einen persönlichen Dienstwagen des Arbeitgebers eher als Strafe und nicht als die gut gemeinte Belohnung ansehen, so Saffret. Darauf haben die meisten Arbeitgeber so spontan keine Antwort. Ebenso tun sich Flottenbetreiber und die Reisestellen schwer, wenn die internen Kunden plötzlich mit Wünschen nach Car-, Bike- oder Ride-Sharing vor ihnen stehen oder aber nach E-Tretrollern für die betriebsinternen Wegstrecken fragen. Ebenso, wenn Mitarbeiter auf die Idee kommen, nur im Winter einen Dienstwagen nutzen zu wollen, da sie in den Sommermonaten viel besser mit einem Fahrrad mobil sind. Hier sind also flexiblere Angebote beziehungsweise Nutzungsmodelle gefragt.

Als Beispiel für neue „Subscription-Modelle“ kann auch die digitale Plattform von Fair, einem FinTech-Start-up, gelten. Nutzer können hier als Privatpersonen gebrauchte Fahrzeuge über die Dauer von wenigen Monaten mieten und jederzeit wieder zurückgeben. Angezeigt werden alle verfügbaren Fahrzeuge, die auf der Basis einer definierten Laufleistung innerhalb des definierten Budgets liegen. Via Smartphone und mit seiner digitalen Unterschrift mietet der Nutzer das Fahrzeug, währenddessen im Hintergrund online der Bonitätscheck läuft. Aktuell richtet sich das Angebot nur an Privatpersonen. Weitere Ausbaustufen sehen aber heute schon vor, dass auch andere Kundengruppen wie zum Beispiel Fuhrparks ins Visier genommen werden.

Elektroflotten
Ein weiterer thematischer Schwerpunkt beim FleetEurope Summit 2018 war die Elektrifizierung der Flotte. Dabei wurde deutlich, dass immer mehr Flottenbetreiber damit beginnen, einen Umstellungszeitraum zu definieren. So führte Sandra Roling, Geschäftsführerin von The Climate Group, am Beispiel von IKEA aus, dass bis 2025 die gesamte Flotte elektrifiziert werden soll und vorab fünf Unternehmensstandorte definiert wurden, an denen bis 2020 vollständig elektrisch gefahren wird. EV100 ist eine globale Initiative von The Climate Group, die zukunftsorientierte Unternehmen zusammenbringt, um den Übergang zu Elektrofahrzeugen zu beschleunigen und den Elektrotransport bis 2030 zur neuen Normalität zu machen. Der weltweiten Initiative EV100 haben sich innerhalb kurzer Zeit die ersten 26 überwiegend global agierenden Unternehmen angeschlossen, die damit eine Selbstverpflichtung zur Umstellung auf Elektromobilität in ihren Flotten eingehen. Bekannte Unternehmen sind unter anderem HP, Deutsche Post – DHL oder als eine der ersten Leasinggesellschaften LeasePlan.

Die Teilnehmer- und Ausstellerzahlen waren rekordverdächtig und zeigen, dass Flottenmanagement immer internationaler wird. Als Plattform für den europäischen Austausch der Flottenexperten hat sich der FleetEurope Summit bewährt. Das zeigt auch die Entwicklung, dass das Event von einer wachsenden Anzahl von Anbietern dazu genutzt wird, Customer-Advisory-Boards, Top-Customer-Meetings oder Innovation-Boards mit eigenen Kunden durchzuführen. Davon profitieren sowohl die Veranstalter als auch die Teilnehmer.

 

AUTOR

GUNTER GLÜCK ist gelernter Speditionskaufmann und studierte General Management an der Universität St. Gallen. Über 22 Jahre war Glück bei LeasePlan Deutschland tätig, wo er zuletzt Mitglied der Geschäftsleitung war. Aktuell ist er unter anderem für den Bundesverband Fuhrparkmanagement als Fachreferent für Zukunftsfragen tätig und Gesellschafter für den Geschäftsbereich „Neue Mobilität“ bei der belmoto GmbH.

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