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Kai Ostermann: „Wir erwarten, dass sich das durch den WLTP-Sondereffekt aufgestaute Fahrzeugleasing- Geschäft ins laufende Jahr verschiebt, denn die Auftragsbücher sind gut gefüllt“

Anhaltender Trend

Interview mit Kai Ostermann, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Leasing-Unternehmen e. V. (BDL)

Flottenmanagement: Herr Ostermann, wie hat sich der Leasingmarkt, insbesondere im Bereich des Fahrzeugleasings, im vergangenen Jahr entwickelt?

Kai Ostermann: Die Leasingnachfrage ist ungebrochen hoch. Das Neugeschäft der Branche ist 2018 nach zwei Rekordjahren mit starker Dynamik erneut gewachsen, um 4,5 Prozent auf 70 Milliarden Euro. Besonders gut entwickelte sich das Neugeschäft mit Maschinen, es stieg um neun Prozent. Zu spüren bekam die Branche jedoch die Auswirkungen des neuen Abgastestverfahrens WLTP. Die Lieferengpässe infolge der gedrosselten Fahrzeugproduktion bremsten das Fahrzeugleasing, das im vergangenen Jahr nur moderat um drei Prozent wuchs.

Flottenmanagement: Die Umstellung auf den WLTP-Messzyklus und die Verunsicherung in Bezug auf mögliche Fahrverbote haben dem Fahrzeugabsatz insbesondere in den letzten Monaten des vergangenen Jahres zugesetzt. Welchen Einfluss hatte dies auf das Fahrzeugleasing? Werden zunehmend alternative Antriebskonzepte im Leasingsektor angefragt?

Kai Ostermann: Wir erwarten, dass sich das durch den WLTP-Sondereffekt aufgestaute Fahrzeugleasing-Geschäft ins laufende Jahr verschiebt, denn die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Leasing ist die dominierende Investitionsform für Unternehmensflotten, auch aufgrund der ergänzenden Serviceangebote der Leasinggesellschaften. Die Diskussion um Fahrverbote hat keinen Einfluss auf die Wahl der Finanzierungsform, sondern auf die Antriebsart. Die Zahl der Neuzulassungen von Dieselfahrzeugen ist im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen, zugunsten von Benzinern. Beide Kraftstoffarten machen laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) 95 Prozent der Neuzulassungen aus. Wenn die Steigerungsrate bei Elektrofahrzeugen auch auf den ersten Blick hoch erscheint – 2018 wurden etwa 50 Prozent mehr als im Vorjahr zugelassen –, so beträgt doch ihr Anteil an den gesamten Neuzulassungen aktuell nur ein Prozent.

Flottenmanagement: Flexibilität ist ein Merkmal des Leasings, dennoch steigt die Nachfrage nach Angeboten mit Laufzeit unter zwei Jahren. Ist davon auszugehen, dass der Übergang von Langzeitmiete auf Leasing in Zukunft noch fließender wird?

Kai Ostermann: Langzeitmiete füllt die Lücke zwischen der Kurzzeitmiete und dem Leasingvertrag. Sie eignet sich, um kurzfristige Mobilitätsspitzen abzufedern oder um einem neuen Mitarbeiter schon in der Probezeit einen Dienstwagen anbieten zu können. Die individuelle Konfiguration des Fahrzeugs ist – anders als beim Leasing – beim kurzfristigen Mietvertrag nicht möglich. Auch gibt es weitere Einschränkungen, zum Beispiel bei Fahrten ins Ausland oder bei der privaten Nutzung durch ein Familienmitglied. Langzeitmiete ist daher für Unternehmen eine Ergänzung zum Leasing.

Flottenmanagement: Die Struktur des Fuhrparks unterzog sich gerade im Bereich der flexiblen Mobilitätsangebote in den letzten Monaten einem enormen Wandel – sei es durch Jobtickets, Corporate Carsharing oder Jobbikes. Insbesondere mit den sogenannten Diensträdern ist auch ein neuer Bereich im Leasing erschlossen worden. Wie hat sich dieser Leasingbereich in den letzten Jahren entwickelt? Ist zu erwarten, dass solche Leasingkonzepte in Zukunft die Wachstumstreiber im Mobilienleasing werden?

Kai Ostermann: Wir beobachten einen Trend zu einer ganzheitlichen Betrachtung des Mobilitätsbedarfs, der sich derzeit vor allem auf die Ballungsräume konzentriert. Es werden Kilometer eingekauft, unabhängig davon, ob diese Kilometer mit der Bahn, dem Flugzeug oder mit dem Auto zurückgelegt werden. Darüber hinaus gibt es Flottenbetreiber, die ihren Fahrzeugpool aus Kostengründen abgebaut haben, weil sie auf Carsharing-Angebote zurückgreifen konnten.

Bei Jobticket, Carsharing oder auch beim Jobbike handelt es sich eher um komplementäre Produkte. Nutzt zum Beispiel ein Mitarbeiter für seine Dienstreise das Flugzeug, so greift er am Flughafen zu einem Carsharing-Angebot statt zum Mietwagen. Auch das Jobbike ist im Regelfall keine Alternative zum Dienstwagen, sondern dient der Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ich bin mir sicher, dass unsere innovative Branche Lösungen für die sich ändernden Kundenbedürfnisse anbieten kann. Viele Leasinggesellschaften beschäftigen sich intensiv mit Mobilitätskonzepten und erste Angebote sind bereits auf dem Markt.

Flottenmanagement: Trotz der Vielzahl an unterschiedlichen Mobilitätsangeboten sind Unternehmen bestrebt, „Lösungen aus einer Hand“ zu bekommen. Welche Herausforderungen stellt dies an die Leasingbranche? Gerät das Leasing zunehmend in den Hintergrund und werden Leasinggeber stattdessen Allrounddienstleister?

Kai Ostermann: Leasing ist für unsere Kunden seit Langem mehr als die reine Finanzierung, besonders beim Fahrzeugleasing. Wenn es um ergänzende Dienstleistungen rund um die Fahrzeugnutzung geht oder um das komplette Fuhrparkmanagement, schätzen die Kunden bereits das Angebot aus einer Hand: der Leasinggesellschaft. Denkt man weiter Richtung Mobilitätsdienstleistungen, ist es vorstellbar, dass auch Carsharing oder Travelmanagement im Rahmen von Plattform-Angeboten integriert werden.

Flottenmanagement: Welche Ansatzpunkte sehen Sie für die Ausweitung der Leasingaktivitäten im Jahr 2019?

Kai Ostermann: Wachstumschancen sehen wir in der Digitalisierung. Leasinggesellschaften sind prädestiniert, die Investitionen ihrer Kunden in den digitalen Wandel zu realisieren. Zudem wird die Grundidee des Leasings – Nutzen statt Eigentum – durch die Digitalisierung neu aufgeladen und dadurch können neue Kundengruppen und Marktpotenziale für das Leasing erschlossen werden. Die Digitalisierung wirkt als Treiber für nutzungsbasierte Abrechnungen beim Leasing, denn sie ermöglicht neue Finanzierungs- und Servicemodelle durch die Erfassung und den Austausch nutzungsbasierter Daten.

Digitale Zusatzangebote wie „predictive maintenance“ ermöglichen zum Beispiel die Wartung über Sensoren so zu bestimmen, dass die Arbeitsabläufe des Kunden nicht gestört werden. Hier werden durch die Digitalisierung neue Services entstehen.

Leasing kann und wird durch Kooperationen dem Kunden künftig bei vielen Objekten ein Rundum-sorglos-Paket zur Verfügung stellen und der Manager für alle Dienstleistungen gegenüber dem Kunden sein. Vor diesem Hintergrund sehen wir deutliche Wachstumspotenziale, die es im Rahmen der Digitalisierung zu erschließen und für den Kunden darzustellen gilt.

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