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Die betriebliche Mobilität muss alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, um optimale Ergebnisse zu erzielen
Axel Schäfer

In Mode: Buzzwords und Phrasen für Fleetexperten

Es gibt Schlagworte (englisch: Buzzwords), die sind nicht neu, tauchen aber plötzlich aus der Versenkung und sind auf einmal immer da, zumindest gefühlt. Bei jedem Vortrag, bei jedem Artikel. Manchmal ist es auch egal, ob es passt oder nicht.

In der Fuhrpark- und Reisebranche kommt man beispielsweise um die Begriffe „Connectivity“ oder „Mobilitymanagement“ nicht mehr herum, bei den Kommunikationsleuten heißt PR jetzt Content-Marketing und Botschaften verbreiten sich nicht mehr, sondern sind viral. Menschen, die überspitzt gesagt mehr als hundert „Fans“ haben, sind plötzlich Influencer und so weiter. Beliebt sind vor allem englische Begriffe – von Big Data bis zur Blockchain-Hysterie.

„Fuhrparkmanagement bedeutet, straßengebundene Mobilitätsanforderungen eines Unternehmens strategisch zu planen und flexibel zu steuern“ Eine Definition von Marc-Oliver Prinzing und Axel Schäfer, 2015 (div. Veröffentlichungen)

Nicht selten kann man diese Schlagworte oder Phrasen nach einer Zeit nicht mehr hören. Die Absender scheinen teilweise selbst nicht mehr zu wissen, was der Begriff ganz konkret bedeutet. Man empfindet diese Modeworte als abgedroschen, floskelhaft und überstrapaziert – selbst wenn sie inhaltlich im Grunde sehr sinnvoll sind. Man fragt sich dann, woher dieser Satz oder dieses Wort eigentlich kommt und warum es einem erst jetzt als sehr dominant unter den fünf Millionen Wörtern der deutschen Sprache auffällt. Schleichend hat ein Wort von uns Besitz ergriffen. Medien, Politiker, Unternehmen, Verbände, ja auch wir – alle sprechen inzwischen von Mobilitätsmanagement und verbinden damit beispielsweise das Zusammenwachsen von Reisemanagement und Fuhrparkmanagement in den Unternehmen.

Geschichte einer Begriffskarriere
Mobilitymanagement hier, Mobilitätsmanagement da. Wer den Begriff googelt, erhält 281.000 Ergebnisse. Was etwas nervt, ist, dass in vielen Fällen nur darüber geredet wird, aber in der Praxis alles weiterläuft wie bisher. Dabei gibt es den Begriff bereits seit den 1980er-Jahren. Dort wurde ein Arbeitskreis Mobilitätsmanagement von Prof. Dr.-Ing. Joachim Fiedler gegründet, der für die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) arbeitete. Schwerpunkt war im Grunde, den Bau und die Regelung der Infrastruktur (Straßen et cetera) zu organisieren, um Mobilität möglich zu machen. Dann war es lange Zeit ein Thema städtischer Mobilitätsmanager. In den letzten Jahren hat sich eine Definition durchgesetzt, die auch der Wirtschaftsgeograf Dr. Simon-Martin Neumair bei Gablers Wirtschaftslexikon notierte: „Mobilitätsmanagement ist ein nachfragebezogener Ansatz des Personenverkehrs, der auf die Förderung einer effizienten, nachhaltigen, umwelt- und sozialverträglichen Mobilität gerichtet ist. Aufgabe des Mobilitätsmanagements ist die Information, Kommunikation, Organisation, Koordination und Vermittlung von Mobilitätsangeboten (zum Beispiel CarSharing, Fahrradverleih, Sammeltaxi).“ Wichtig sei – so einige Experten – die Reduzierung der Autonutzung und die entsprechende Veränderung von Einstellungen und Verhaltensweisen der Verkehrsteilnehmer.

Diese neuen Entwicklungen haben auch Auswirkungen auf die Inhalte des Fuhrparkmanagements. Wir haben den Begriff vor einigen Jahren für unsere Profession neu definiert, weil sich die Anforderungen an Fuhrparkmanager zum Beispiel durch die Digitalisierung und damit verbunden durch völlig neue Service- und Mobilitätsangebote stark verändert haben. Fuhrparkmanagement bedeutet heute, die straßengebundenen Mobilitätsanforderungen eines Unternehmens nach Maßgabe eines integrierten Mobilitätsmanagements strategisch zu planen und flexibel zu steuern. Dann bedeutet Mobilitätsmanagement, die integrierten Mobilitätsanforderungen eines Unternehmens durch kombinierte ökologisch und ökonomisch ausgewogene Mobilitätsmittel zu lösen. Ja, es ist so: Der Fuhrparkmanager entwickelt sich mehr und mehr zum Mobilitätsmanager. Der Begriff, so wie wir ihn verstanden wissen wollen, spricht eigentlich für sich. Mobilität ist für viele Unternehmen die Geschäftsgrundlage. Der eigene Fuhrpark spielt dabei eine zentrale Rolle. Doch Unternehmen sollten strategisch die übergeordnete Sichtweise des Mobilitätsmanagements nutzen, um zu entscheiden, wie sich die optimale betriebliche Mobilität gestalten muss. Strategien für eine bessere Mobilität müssen ressort- und abteilungsübergreifend optimiert werden. Dazu gehört die unternehmensinterne, aber auch eine unternehmensübergreifende Vernetzung der Fachleute. Also: Wir managen Mobilität. Und wenn wir das im Sinne von Umwelt und Unternehmen machen, dann sollte eine effiziente Umsetzung Ressourcen schonen sowie Kosten und Zeit einsparen. Also die ökonomische und ökologische Effizienz gewährleisten und die betriebliche Mobilität optimal ausrichten.

„Mobilitätsmanagement löst integrierte Mobilitätsanforderungen eines Unternehmens durch den Einsatz von kombinierten, ökologisch und ökonomisch ausgewogenen Mobilitätsmitteln.“ Eine Definition von Marc-Oliver Prinzing und Axel Schäfer, 2015 (div. Veröffentlichungen)

Fazit
Auch wenn nach wie vor echtes Mobilitätsmanagement im Sinne einer übergeordneten Gesamtstrategie kaum stattfindet, zeigt die Karriere des Begriffs, dass die Notwendigkeit offensichtlich erkannt wurde, sich im Sinne einer nachhaltigen Unternehmensführung um das Thema zu kümmern. Sonst würde die Branche sich mit den Begriffen ja nicht in dieser Weise auseinandersetzen und Branchen mit überschneidenden Aufgabenstellungen wie Reisemanagement würden sich nicht für die Erweiterung ihrer Ausrichtung auf automobile Themen interessieren. Fakt ist: Nur eine übergeordnete Sichtweise kann zu einer nutzbringenden und effizienten betrieblichen Mobilität führen. Die beschriebene begriffliche Aufmerksamkeit stimmt uns daher optimistisch. Wir sind zumindest bei den Buzzwords schon mal auf dem richtigen Weg.

 

AUTOR

AXEL SCHÄFER ist seit 2010 Geschäftsführer des von ihm mit initiierten und mit gegründeten Bundesverbandes Fuhrparkmanagement e. V. und Board-Mitglied der EUFMA – European Fleet and Mobility Management Association. Zuvor war er viele Jahre erfolgreich im Vertrieb bei führenden Leasinggesellschaften tätig, bevor er sich 1991 selbstständig machte. Der diplomierte Finanzierungs- und Leasingwirt (VWA) ist seit 1992 als Autor, Trainer/Fachreferent in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig. Seine Kernkompetenz liegt nach wie vor in Fuhrparkmanagement und Leasing. Von 1992 bis 2012 war er Autor und Herausgeber des Praxishandbuchs Fuhrparkmanagement, aktuell gibt er das Fuhrparkcockpit für Mitglieder des Fuhrparkverbandes heraus, eine digitale Know-how-Sammlung, die umfangreiches Fuhrparkwissen bereitstellt.

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